Gerade sechs Tage im Amt führte Denis Barycza erstmals als neuer Stadtwehrleiter die Jahreshauptversammlung der Feuerwehr der Stadt Zerbst durch. Er blickte auf das Einsatzgeschehen und neue Herausforderungen.

Zerbst l Als gerade erst berufener Stadtwehrleiter sei es für ihn keine einfache Aufgabe, das Jahr 2014 zu resümieren, gestand Denis Barycza. Er dankte noch einmal der bisherigen Führungsspitze - seinem Vorgänger Jürgen Dornblut sowie dessen beiden Stellvertretern Fritz Maschke und Detlef Both - für die geleistete Arbeit. Und es sollten nicht die einzigen anerkennenden Worte an die ausgeschiedene Riege sein. Wiederholt wurden die Verdienste der Drei gewürdigt.

Mit ihrer vorzeitigen Amtsniederlegung machten Detlef Both und Fritz Maschke den Weg frei für einen Generationswechsel an der Spitze der Feuerwehr der Stadt Zerbst, wie Denis Barycza hervorhob. Ihm zur Seite stehen fortan Sven Klarenbach, der sich um die Aus- und Weiterbildung der Kameraden kümmern wird, sowie Holger Müller, in dessen Zuständigkeit die Einsatzplanung und -vorbereitung fallen. Vervollständigt wird das Trio durch Stadtjugendwart Tobias Wolf, bei dem die Nachwuchsarbeit und die Wettbewerbe aufgehoben sind. "Wir werden versuchen, unsere ehrenamtlichen Funktionen bestmöglich auszuüben", betonte der neue Stadtwehrleiter.

Zumal einige "ehrgeizige Ziele" vor ihnen liegen. Dazu gehören die Fortschreibung der Risikoanalyse samt Brandschutzbedarfsplan sowie der Löschwasser- und Fahrzeugkonzeption. Bis Herbst muss das erledigt sein, sagte Denis Barycza mit Blick auf die Fristen zur Beantragung von Fördermitteln. Wie er darlegte, ist ebenfalls eine Anpassung der Alarmierungs- und Ausrückeordnung notwendig. Darüber hinaus sollen ein Internetauftritt sowie eine Media- und Infothek erstellt werden. Außerdem ist die Wiederbelebung der Arbeitsgruppe "Stadtfeuerwehr" mit Vertretern der sechs Ausbildungsabschnitte, der Verwaltung und der Stadtwehrleitung angedacht. "Und es gibt noch viel mehr Aufgaben", bemerkte Denis Barycza. Er berichtete von Überlegungen, eine Führungsorganisation aufzubauen sowie Einsatzpläne für Waldbrände und Eisenbahn zu erarbeiten. Unterstützung wird die berufstätige Führungsspitze durch die Verwaltung erhalten, wie Bürgermeister Andreas Dittmann erklärte. So beabsichtigt er, Thomas Sanftenberg zum Sachgebietsleiter für Brandschutz, Hochwasser und Großschadenslagen zu ernennen. Auf diese Weise sollen einige Aufgaben abgenommen und die Zuständigkeiten optimiert werden. Wohlwissend, dass zwar die eindeutige Mehrheit der Kameraden die neue Riege gewählt hat, es aber auch andere Stimmen gab, bat er, Gräben zu überschreiten: "Wir brauchen eine schlagkräftige Truppe."

Wie notwendig eine solche ist, belegte der Blick auf das zurückliegende Jahr. 424 Einsätze listete die Statistik auf - im Vergleich zu 2012 ist das eine Verdopplung. Ursache ist die damals eingeführte Alarmierung im Rendevousverfahren, die der Tatsache geschuldet ist, dass wochentags von 9 bis 18 Uhr nur wenige der insgesamt 530 aktiven Kameraden der 26 Ortsfeuerwehren tatsächlich für Einsätze zur Verfügung steht. Zumal Denis Barycza mit Sorge zur Kenntnis nahm, dass von den 185 Atemschutzgeräteträgern nur 155 die notwendige ärztliche Untersuchung vorweisen können und von diesen wiederum nur 68 die geforderte Atemschutzstrecke absolviert haben.

Der neue Stadtwehrleiter ging ebenfalls auf die "wahnsinnig hohe Belastung der Kameraden durch Fehlalarme" ein. Hier soll es Veränderungen hinsichtlich der Alarmierungsschleife geben. Er erwähnte die steigenden Anforderungen an die Einsatzkräfte durch Photovoltaikanlagen sowie Elektro- und Hybridautos. Diesbezüglich müsse in entsprechende Technik investiert werden. Und er sprach die Mitgliedergewinnung an. "Wir müssen versuchen, Bürger für die Feuerwehr zu begeistern." Zwar verläuft die Entwicklung bei den Kinder- und Jugendwehren positiv. Fakt ist jedoch, dass die jungen Leute für Studium oder Ausbildung oft wegziehen und damit verloren gehen.

Zu guter Letzt dankte Denis Barycza allen Kameraden für ihr Engagement. Dem schlossen sich die Gäste an. Stadtratsvorsitzender Winfried Bustro versprach den Rückhalt der Abgeordneten. Kreisbrandmeister Heiko Bergfeld kritisierte die Fördermittelentscheidungen beim Land. Eberhard Stoye, zuständig für den Brandschutz beim Kreis, plädierte dafür, rechtzeitig miteinander über Probleme zu sprechen. "Wir sitzen alle in einem Boot und das soll nicht untergehen", meinte Wasserwehrleiter Hans Wink.