Nicht nur sprichwörtlich "alle Hände voll zu tun" hatte Detlef Leps am Wochenende. Der einzige gelernte und sein Kunst-Handwerk ausübende Töpfer des Landkreises Anhalt-Bitterfeld hatte sich der deutschlandweiten Töpferinnung angeschlossen und auch zum nunmehr 10. Tag der offenen Töpfereien in seine Werkstatt nach Kämeritz eingeladen.

Kämeritz l "Es wurden sehr viele Probestücke von ,Selbstversuchern` hergestellt, Bestellungen aufgegeben und neue Kunden gewonnen." schätzt Detlef Leps am Montag, etwas zur Ruhe gekommen, rückblickend und sehr zufrieden ein: In der Werkstatt sei es zeitweilig sehr eng gewesen, aber gemütlich. "Uns haben etwa 150 bis 200 Gäste besucht."

Das "Gewimmel" begann schon am Sonnabendvormittag. Unter den Gästen am Nachmittag war Ines Dankert aus Walternienburg. Sie hatte in der "Volksstimme" von diesem besonderen Wochenende im Nachbarort gelesen. Mit dabei hatte sie ihre Söhne Pascal (4), Florian (7) und Marcel (11). Nach einem ersten Umschauen in Werkstatt und Ausstellungsraum und Anschauen der vielfältigen Gefäße im weitesten Sinn, setzten sich die beiden jüngeren Jungen an den Tisch und versuchten, aus einem Lehmklumpen, etwas mit den Fingern zu formen. Mutti und Marcel informierten sich auf dem ausgelegten grünen Handzettel über angebotene Workshops. Ines Dankert und ihr Großer haben sich für den "Offenen Samstag" entschieden. Nun schnell den Töpfer suchen, damit die Teilnahme eingetragen wird, "ehe die Plätze vergeben sind", freut sich die Walternienburgerin, denn "es hat geklappt".

Inzwischen warten schon die beiden Zerbster Freundinnen Mara-Linn Stephan und Sophia Riehl (beide 8) an der drehbaren Töpferscheibe. Sie möchten diese Art des Töpferns einmal selbst versuchen. Und wieder wird Detlef Leps gebraucht. Er holt einen Klumpen formbaren Lehms und "wirft" ihn auf die Scheibe, etwa in die Mitte. "Als erstes müsst ihr mit beiden Händen zentrieren, damit es schön rundläuft...". Detlef Leps legt wieder Hand an, zeigt, wie es am besten "geht", gibt Hilfen. Nun noch den Namen einritzen, damit das Stück nach dem Brennen wiedererkannt wird.

Alles, was die Besucher dieses Wochenende getöpfert haben, wird gebrannt und kann "noch vor Ostern abgeholt werden", verspricht der Töpfer.

Andere Besucher, in der spürbaren Mehrzahl weiblichen Geschlechts, gucken erst einmal. Sie bewundern die Stücke in der von Detlef Leps entwickelten und für ihn typischen "blauen Inselglasur" mit dem geschützten Markennamen "elbauenblau". Neu im vorigen Jahr hat der immer nach neuen Ideen suchende Töpfer das "Jäkeln" entwickelt. Durch diese Technik erhalten die Stücke nach dem Brand eine reizvoll gerastete Oberflächenstruktur.

Dorit Renner aus Leitzkau besucht die Töpferei im Kämeritz regelmäßig, auch Detlef Leps` Stand auf dem Leitzkauer Töpfermarkt. "Bei uns zu Hause ist überall elbauenblau, zur Deko, für die Tierbetreuung und vor allem zum täglichen Gebrauch in der Küche und bei Feiern." Oft bringt sie auch eigene Ideen "zu Detlef mit". Gemeinsam beraten sie, ob und wie diese töpfertechnisch umsetzbar ist.

Aus Kämeritz sind Irena Hörhold und Marion Herrmann herein gekommen, um ihre bestellten und 0,5 Liter fassenden Tassen abzuholen. "Die kann man gut für Tee oder auch Brühe benutzen", freuen sich die beiden einheimischen Frauen - und schauen sich um, ob noch etwas anderes gekauft werden könnte.

Etwas ausgefallener ist der Wunsch von Jeanette Paasch aus Nedlitz. "Der Deckel einer besonderen Kaffeekanne, einem Erbstück von meiner Oma aus den 1930er, Jahren ist kaputt. Detlef Leps schaut sich das an. Zwischendurch beantwortet er die eine oder andere Frage, kassiert auch ab oder schreibt Bestellungen auf, vergibt Termine für die Workshops.

Dann wieder widmet er sich Jeanette Paasch: "Ein Deckel kann gedreht werden!" Er misst, berechnet den Schrumpfungs-Schwund beim Brennen, gibt der schon etwas töpfererfahrenen Kundin aus Nedlitz einen Klumpen Lehm und ein Messwerkzeug für den berechneten Durchmesser.

Jeden Mittwoch kann die Töpferei in Zerbster Ortsteil Kämeritz von 9 bis 20 Uhr besucht werden. Auch telefonische Terminvereinbarungen sind möglich. "Außerdem bin ich auch auf insgesamt zehn besuchten Töpfermärkten im Jahr zu finden", erklärt Detlef Leps, der 1985 seine Töpferlehre begann, 1987 die Gesellenprüfung ablegte und seit 1989 eine eigene Werkstatt betreibt.

Weitere Informationen unter www.toepferei-leps.de

 

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