Die Schwangerschaftsberatungsstelle der Diakonie in Zerbst hat vom Land Sachsen-Anhalt einen Zuwendungsvertrag für die Jahre 2015 und 2016 erhalten. Somit ist in den nächsten zwei Jahren die Arbeit in der Beratungsstelle gesichert.

Zerbst l Werdende Mütter und Väter können in Sachsen-Anhalt in 39 vom Land geförderten Schwangerschaftsberatungsstellen Rat bekommen. Eine dieser Stellen ist in Zerbst in Trägerschaft der Diakonie. Gestern überreichte Anja Naumann, Staatssekretärin im Sozialministerium, einen Zuwendungsvertrag. Dieser sichert Zuwendungen in Höhe von 113 600 Euro für zwei Jahre, also 56 800 Euro pro Jahr, zu.

"Ihre Arbeit ist sehr wertvoll. Deshalb wollte ich auch Danke sagen", sagte Anja Naumann im Gespräch mit Beraterin Silke Schmidt, dem Geschäftsführer des Diakonischen Werks im Kirchenkreis Zerbst, Dietrich Landmann und Dietmar Krause (CDU), Landtagsabgeordneter für den Wahlkreis Zerbst.

Gemeinsam sprachen sie über die Arbeit in der Beratungsstelle, die nicht nur die Beratung der Schwangeren beinhaltet, sondern auch die sexuelle Bildung. Silke Schmidt gab einen Einblick in den Alltag einer Schwangerenberaterin. Im vergangenen Jahr bearbeitete sie mit ihrer Kollegin 197 Fälle, davon 45 in der sogenannten Konfliktberatung, beziehungsweise Abbruchswunschberatung. Mit Ängsten würden vor allem Alleinerziehende zu ihr kommen, die oft schon ein Kind haben und finanzielle Schwierigkeiten durch ein weiteres Kind befürchten. "Oft ist es auch der Fall, dass die Frau schon mehrere Kinder hat und einen Job. Dann geht es nicht unbedingt um die Kinderfrage, sondern darum, ob der Job mit einem weiteren Kind überhaupt noch vereinbar ist und ob das Leben, wie es momentan ist, mit einem weiteren Kind organisierbar ist", berichtet Silke Schmidt aus ihrem Alltag.

Staatssekretärin Naumann erinnerte sich an eine ganz private Situation: "Meine Tochter war fünf Monate. Da war ich unerwartet wieder schwanger. Ich kann die Zweifel um die Zukunft verstehen."

"Wo ein Kind gezeugt wird, da sehe ich erst einmal etwas positives", so Silke Schmidt. Deshalb habe sie sich zum Ziel genommen, die ratsuchenden Frauen umfassend zu beraten. So würden Beratungscoaches die Frauen von geförderten Maßnahmen in feste Beschäftigungen begleiten. "Wir helfen auch bei sämtlichen Anträgen bei den Ämtern", erklärt die Schwangerenberaterin.

"Wir haben derzeit in Zerbst und Umgebung einen Arbeitsmarkt, wo sich etwas entwickelt", so Diakonie-Geschäftsführer Dietrich Landmann. "Wir müssen das Ruder demografisch und wirtschaftlich rumreißen", appellierte er und meint, die Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu nutzen. Ein Problem seien auch die klassischen Frauenarbeitsplätze, die oft im Niedriglohnsektor angesiedelt sind. Sind Frauen dort beschäftigt, alleinerziehend und dann erneut schwanger, bekommen sie natürlich Existenzängste", so Landmann.

Zur Sprache kamen auch die polnischen Gastarbeiter. 2014 hatten vier polnische Frauen eine Beratung aufgesucht. "Mittlerweile sind etwa 700 polnische Gastarbeiter in der Stadt, die zum Beispiel in der Lebensmittelproduktion arbeiten. Auch sie gründen natürlich Familien", sagte Landmann. "Wir müssen für alle ansprechbar sein", sagte Landmann.

Die Wichtigkeit der Zerbster Beratungsstelle hob Dietmar Krause hervor: "Für viele ist es schwierig, woanders hinzugehen. Viele sind nicht mobil." Zeitweise war unklar, ob es mit der Schwangerenberatung in Zerbst überhaupt weitergeht. "Wir standen schon auf der Abschussliste", erinnert sich Landmann. Dass die nächsten beiden Jahre Dank des Zuwendungsvertrages gesichert sind, führt zu großer Erleichterung. "Wir wollen unser Beratungsangebot erhalten, auch wenn der Kreis der Ratsuchenden über die Jahre kleiner geworden ist", sagte Landmann. In den vergangenen Jahren seien die Zahlen aber stagniert und hätten sich bei zirka 200 Fällen im Jahr eingependelt.