Die Kindereinrichtung auf der Heide bildete für Martina Pötzschke und Marita Koch seit 1968 den beruflichen Mittelpunkt. Gestern hieß es für die beiden Erzieherinnen Abschied nehmen. Ihr letzter Arbeitstag vor dem wohlverdienten Ruhestand weckte dabei so manche Erinnerung.

Zerbst l "Jetzt werden uns die Kinder erstmal fehlen", gesteht Martina Pötzschke. Mit einem Hauch Wehmut in der Stimme erzählt sie von ihrem Frühdienst, bei dem sie die Steppkes morgens zwischen 6 und 7.30 Uhr in Empfang nahm. Bereits seit 1979 leitete die gebürtige Zerbsterin die Kindereinrichtung auf der Heide. Zusammen mit ihrer langjährigen Stellvertreterin Marita Koch hatte sie dort am 1. September 1968 begonnen zu arbeiten.

"Anfangs war das noch eine Wochenkrippe", erinnern sich die zwei Erzieherinnen. Rund um die Uhr wurden die Sprösslinge betreut. Mit der Fertigstellung des Anbaus 1971 verwandelte sich das Haus in eine normale Tageskrippe mit durchschnittlich über 100 Kindern bis zu drei Jahren, wobei manche Babys erst wenige Wochen alt waren.

Wie viele Kinder sie in ihren gemeinsamen Arbeitsjahren bei den ersten Entwicklungsschritten begleitet haben, können Martina Pötzschke und Marita Koch nicht abschätzen. Unzählige sind es während all der Zeit gewesen. Bei manchen Familien war es inzwischen die dritte Generation, der sie wichtige Dinge fürs spätere Leben beibrachten. Mit viel Engagement, Herzblut und Leidenschaft lebten die beiden ihren Beruf aus.

Mit der Ausbildung zur Erzieherin erfüllte sich damals für Marita Koch ein Traum. Martina Pötzschke hatte ursprünglich andere Pläne. Im Rückblick ist sie allerdings mehr als glücklich über die gelenkte Fügung zu DDR-Zeiten. "Was Besseres hätte mir nicht passieren können", sagt sie heute.

Im Gespräch ist spürbar, wie sehr die Zwei ihren Beruf lieben - vor allem "das Abwechslungsreiche. Jeden Tag muss man sich auf was Neues einlassen", erklärt Marita Koch schmunzelnd, wie Kinder eben Pläne umwerfen. Immer wieder stellten sich mit ihnen andere Herausforderungen, was vielfältigste Erlebnisse mit sich brachte - schöne und traurige, lustige und mitunter auch mal schmerzhafte.

Mal ganz abgesehen von den baulichen Veränderungen, die meist unter laufendem Betrieb stattfanden, wie die Frauen berichten. Da wurden Fenster ausgetauscht, Fußböden erneuert oder Heizkörper installiert. Unterdessen mussten die Erzieherinnen tatkräftig beim Möbeltragen mit anpacken. "Ich wundere mich, wie wir das geschafft haben", sagt Martina Pötzschke. Nur einmal - 1981 - wurden die Steppkes bei einem Umbau auf Einrichtungen in der gesamten Stadt verteilt, erzählt Marita Koch.

Wenn sie an ihre eigene Kindergartenzeit in der Einrichtung am Weinberg zurückdenkt, fällt ihr das Plumpsklo ein, zu dem sie über das ganze Gelände stiefeln mussten. Und der leckere Streuselkuchen, den es sonnabends stets als Nachtisch gab und den sie sich nie entgehen ließ.

Als Erzieherin auf der Heide kümmerte sie sich in den zurückliegenden Jahren um die "Kleinen Eisbären", das sind die Drei- bis Sechsjährigen. Denn nach der Wende fand auf Elternwunsch eine konzeptionelle Erweiterung statt - aus der Krippe wurde eine Kindertagesstätte, die sich inzwischen in Trägerschaft der Kinder-, Jugend- und Familienwerk gGmbH Sachsen-Anhalt der Volkssolidarität befindet. Aktuell besuchen 129 Mädchen und Jungen die direkt an der Stadtmauer gelegene Einrichtung.

Martina Pötzschke und Marita Koch überraschten sie gestern an ihrem letzten Arbeitstag mit einem tollen Programm. Mit Liedern und Tänzen verabschiedeten sie die Steppkes in den nun für sie beginnenden Ruhestand. Zunächst werden die passionierten Erzieherinnen sicher den gewohnten Trubel, ihre Schützlinge und Kollegen vermissen. Aber gibt es auch etwas, auf das sich beide gleichermaßen freuen: Endlich mehr Zeit mit den eigenen Enkeln verbringen zu können.