Unter dem Motto "Du bist spitze!" bewerben sich sechs Kandidaten um den Titel "Lokalmatador 2015". Den Sieger ermitteln einzig die Volksstimme-Leser mit dem abgedruckten Abstimmungscoupon. In diesen Wochen stellen wir alle Kandidaten mit ihren Geschichten vor. Heute: Sandra Schmied

Bone l In Bone ist Sandra Schmied zu Hause. Die 45-Jährige repräsentiert symbolisch viele andere, die sich ehrenamtlich in Vereinen engagieren und sich um den Nachwuchs kümmern. Auf Sandra Schmied kann die Abteilung Turnen beim TSV Rot-Weiß Zerbst setzen. Hier investiert sie ihre Freizeit und gehört zu den Übungsleitern, die den Kindern das Turnen beibringen.

In Klepps ist sie aufgewachsen und in Loburg zur Schule gegangen. Ihre Mutti schickte das kleine Mädchen zur Schul-Arbeitsgemeinschaft Gerätturnen. "Ich wollte da eigentlich nicht hin", erinnert sie sich, doch bald gefiel es ihr, und sie blieb von der 1. bis zur 10. Klasse dabei. Bei Schul- und Kreismeisterschaften trat sie an. Als es zur Fachhochschule nach Magdeburg ging, war das Kapitel Turnen erst einmal abgeschlossen.

Als stomatologische Schwester war Sandra Schmied an der Zerbster Poliklinik und später 15 Jahre lang ihrem Chef in Gommern treu. Seit November 2013 arbeitet sie im Zahnzentrum Zerbst bei Zahnärztin Jana Schmidt in Vollzeitbeschäftigung.

Mit dem eigenen Nachwuchs trat das ehrenamtliche Engagement auf den Plan. Sohn Maximilian wurde Fußballer, spielte erst bei Rot-Weiß Zerbst und später bei Dessau 05. Zum Training und zu den Spielen musste gefahren werden. Vom Schmied`schen Fahrdienst profitierten auch viele andere Kinder. Bis heute, der 20-Jährige ist längst selbständig, sind Sandra Schmied, ihr Mann und meist auch Tochter Miriam bei allen Spielen mit dabei.

Kurze Zeit hatte das Fußballfieber auch auf Sandra Schmied, als sie Mitte 30 war, übergegriffen. Bei einem Dorffest in Bone, als Einwohnerin bringt sich die Spitze-Kandidatin auch hier immer bereitwillig und engagiert in die Vorbereitung und Durchführung ein, suchten die Walternienburger Fußballfrauen Verstärkung. In der Folge trainierte die gerade 1,54 Meter große Stürmerin in dem Team mit und jagte auch bei Punktspielen dem runden Leder nach - bis 2008. Da war mittlerweile noch die andere Sportart, die sie quasi wieder eingefangen hatte.

Töchterchen Miriam erwies sich als Bewegungstalent. "Als sie vier Jahre alt war, suchten wir nach einem geeigneten Hobby für sie", denkt Sandra Schmied zurück, "mein Mann wollte sie zum Tanzen bringen, ich zum Turnen." Da haben sich Mutter und Tochter dann in der Berufsschule, wo die Turner zu der Zeit trainierten, vorgestellt. Am Anfang war Sandra Schmied nur Mutter, doch bald wurde sie aufgefordert mitzuhelfen. Schnell wurde daraus zweimal die Woche Kindertraining. Fußball und Turnen wurden zuviel. Die Entscheidung fiel für das Turnen. "Turnen kann man bis ins hohe Alter", ist Sandra Schmied überzeugt. Ihre Vorbilder sind Johanna Quaas, mit fast 90 Jahren wohl die älteste aktive deutsche Turnerin, und Helmut Beckmann, mit 76 Jahren aktiver Turner und Trainer in Zerbst.

Seit 2007 ist die Frau aus Bone nun bemüht, Kindern das Turnen zu vermitteln. Auch selbst fing sie wieder an zu trainieren, hatte 2010 beim Jahn-Gedenkturnen in Freyburg ihren ersten Wettkampf als Erwachsene, wurde 2013 Landesmeisterin ihrer Altersklasse. Dass sie selber turnt, sieht sie als Vorteil für die Aufgabe als Übungsleiterin: "Da kann man einiges vorzeigen und weiß besser, worauf man achten muss." Wenn dann Erfolge bei den Kindern zu sehen sind, ist das der schönste Lohn für einen Übungsleiter.

Dass Erfolge im Turnen ein hartes Stück Arbeit sind, sieht Sandra Schmied an ihrer eigenen Tochter am besten, die mit viel Fleiß und dank zahlreicher Übungsstunden und qualifizierter Anleitung zu den besten Turnerinnen ihrer Altersklasse im Breitensport im Land gehört.

So, wie sie mit Leidenschaft in das Training geht, findet sie es schade, dass manche Kinder unmotiviert und lustlos in die Turnhalle kommen. Was die derzeitigen Trainingsbedingungen in der Sporthalle in Zerbst-Nord angeht, hofft sie, wie ihre Mitstreiter in der Abteilung, auf eine deutliche Verbesserung mit der neuen Sporthalle. Für ihre ehrenamtliche Tätigkeit hat Sandra Schmied 2012 eine entsprechende Weiterbildung in Köthen absolviert, um ihre Übungsleiterlizenz zu erhalten. Diese muss natürlich durch Schulungen und Fortbildungen regelmäßig verlängert werden.

Das Trainieren mit den Fünf- bis 14-Jährigen an den Geräten Boden, Schwebebalken, Sprung und Stufenbarren ist nur ein Teil des Engagements. Auch in die Vorbereitung und Durchführung der alljährlichen Turnshows der Kinder ist Sandra Schmied eingebunden. Und nicht nur ihre Tochter begleitet sie zu den Wettkämpfen, auch für die anderen Kinder nimmt sich Sandra Schmied die Zeit, sie zu Wettkämpfen zu begleiten und zu betreuen. Der Sprachfehler, nicht "nein" sagen zu können, setzt sich bei ihr immer wieder durch. "Ich mache das gerne, das macht mir viel Spaß", beteuert sie, die außerdem immer noch Zeit fand und findet, im Elternbeirat von Maximilian und Miriam seit der Grundschule aktiv mitzuwirken.

Bei ihrem Sohn ging es damals um die Schließung der Grundschule im Ankuhn. Das konnte hinausgezögert werden. Zweimal setzte sie sich für den Erhalt der Grundschule ein. Bei der Tochter konnte zwar die Schließung nicht verhindert werden, aber sie konnte die 4. Klasse noch erfolgreich beenden. In der 7. Klasse ihrer Tochter geht es heute darum, etwas für die Klasse zu tun, das den Zusammenhalt und das Miteinander fördert. Da nimmt Sandra Schmied schon einmal einen Nachmittag auf sich, die Klasse mit Sportspielen in der Turnhalle zu begeistern oder fährt bei Klassenfahrten mit.

Die wenige Zeit, die übrig bleibt, puzzelt die Zahnarzthelferin gerne, malt oder unternimmt etwas mit der Familie oder turnt selbst, um sich fit zu halten oder ist aktiv in ihrem Garten. Sie liebt die Natur und fährt im Urlaub am liebsten in die Berge zum Wandern.

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