Für die Jäger der Jägerschaft Zerbst ist der Wolf ein Reizthema. Er vermehre sich zu schnell und die Ausbreitung brauche Grenzen, sind sich die Waidmänner einig. Denn natürliche Feinde habe der Jäger nicht.

Zerbst l Mehr als 50 Waidmänner und -frauen hatten im Kultursaal in Garitz Platz genommen, um an der Jahreshauptversammlung der Jägerschaft Zerbst teilzunehmen. Ein Jäger war dabei ganz besonders präsent: der Wolf. Das Anwachsen der Population und das Jagdverbot wird von den Jägern kritisiert. Vorsitzender Ralf Müller konnte berichten: "Das Thema gewinnt an Fahrt." Er erzählte von zunehmenden Meldungen über Wolfsrisse von Nutztieren. Er forderte die Jäger auf, jede Beobachtung, Kontakt, Fährten und Wildrisse zu dokumentieren und an Gerhard Paul aus Roßlau zu melden. Dieser ist einer von 30 wolfskundigen Jägern im Land, die mit der Dokumentation beauftragt sind. "Jede Meldung zählt", beschwor der Vorsitzende die Mitglieder. In Niedersachsen habe es nach einigen plakativen Aktionen erste Äußerungen auch von Politiker der Grünen gegeben, über ein anderes Wolfsmanagement nachzudenken, also Abschüsse zu erlauben, wenn der Bestand gesichert sei. Die Landesverbände der Jäger fordern klare Zielgrößen, für Sachsen-Anhalt schätze die Landesjägerschaft einen Bestand von 90 Tieren als ökologisch vertretbar ein. "Der Wolf ist kein Kuscheltier und Deutschland ist eine Kulturlandschaft und keine Wildnis", sagte Müller. Die Population wachse schnell an. Die Konflikte mit dem Wolf werden zunehmen, prognostizierte Müller.

SPD-Kreistagsmitglied und ehemaliger Innenminister Holger Hövelmann sagte in seinen Grußworten: "Wir lernen erst noch, mit dem Wolf zu leben. Ihre Erfahrungen sind wichtig, um ein richtiges Wolfsmanagement zu betreiben."

Jäger Paul Wieblitz machte sich Luft: "Wir Jäger sind zu feige zu sagen: Der Wolf ist unser Konkurrent." Die Tiere benötigen viel Fleisch als Nahrung und bringen Unruhe in die Wälder. "Wir sind Jäger und wollen auch was erlegen." Das werde durch den Wolf erschwert. Zudem habe der Wolf keine natürlichen Feinde, was zur starken Ausbreitung führe. "Es geht nicht darum, ihn auszurotten." Aber wenn die Ausbreitung nicht eingedämmt werde, führe das zu einer Katastrophe.

Auch Vorsitzender Müller sagte, dass sich die Jäger von der Politik allein gelassen fühlen. Jäger haben hohe Auflagen und Kosten. "Zum Jagen ist nicht mehr viel da." Rehwild im Feld sei um 40 Prozent weniger geworden. Die Abschusspläne für Rot- und Dammwild seien um 40 Prozent reduziert worden.