Die Mitglieder des Schulelternrates des Francisceums haben sich schriftlich an den Landrat gewandt. Sie geben zu bedenken, dass die neue Sporthalle nicht von den Schülern der unteren Klassen zu erreichen ist. Sie fordern eine Busverbindung.

Zerbst l 30 Minuten. So lange brauchen die Kinder der Klassen fünf, sechs und sieben des Francisceums, um die neue Sporthalle, die im Herbst fertiggestellt werden soll, zu erreichen. Das schreibt Klaus André vom Schulelternrat des Zerbster Gymnasiums an Landrat Uwe Schulze (CDU) in einem offenen Brief. Das sei zu weit entfernt, heißt es in dem Schreiben weiter. "Sehr bedauerlich ist, dass die neue Turnhalle von der Ganztagsschule in der Jeverschen Straße fußläufig soweit entfernt ist, dass dadurch der Lehrplan des Pflichtfaches Sport nur mehr rudimentär umgesetzt werden kann."

Wieviel Zeit von einer Sporteinheit von zweimal 45 Minuten übrig bleibt, wenn schon jeweils für Hin- und Rückweg 30 Minuten aufgebracht werden müssen, sei leicht zu errechnen. Die Zeitangabe beruhe auf einem Feldversuch. Lehrer und Kinder seien ohne Schultaschen bei gutem Wetter zur Turnhalle gelaufen. Die Zeit, so schreibt André, könne sich mit Schulranzen und schlechtem Wetter noch erhöhen. Er weist darauf hin, dass die Elternschaft bereits bei der Standortfindung "die Wegeproblematik in aller Deutlichkeit angesprochen hat".

Daher fordert der Sprecher der Elternschaft wiederholt eine Busverbindung. "Aufgrund des Wegezeit-Feldversuchs beantragte die Schulleitung beim Träger der Schülerbeförderung Transportmöglichkeiten für die Schüler durch Busse, was mit dem Hinweis auf die Rechtslage vom Landkreis Anhalt-Bitterfeld abgelehnt wurde." Die Eltern argumentieren, dass es Lösungen gebe, die eine Übernahme der Kosten für Fahrten zwischen zwei Schulstandorten möglich mache. Die Sportstunden für die unteren Klassen mit rund 200 Schülern immer an den Anfang oder das Ende des Schultages zu legen, damit sie direkt dort hin beziehungsweise von dort nach Hause fahren können, seien für das Francisceum nicht praktikabel und es würde auch die Mittagspause beschneiden. Der Schulelternrat bittet den Landrat daher um eine Lösung und schlägt eine mit den Schulzeiten abgestimmte Stadtlinie vor.

Ein großer Teil der Schüler könne die neue, tolle Halle sonst nicht nutzen und müsse wohl weiterhin in der Behelfsturnhalle unterrichtet werden, die sich an der Jannowitzbrücke befindet und die "es sicher nicht umsonst gibt".

Tausende Euro für Miete der Jannowitzsporthalle

Mehrere tausend Euro seien es in jedem Fall, die jährlich für die Miete bezahlt werden müssen, weiß Schulleiter Hans-Henning Messer. Der Schulleiter freut sich sehr auf die Halle, sagt aber auch, dass die Problematik schon seit längerem bekannt war. "Nun wird die Halle fertig und wir müssen den neuen Schulplan erstellen", erklärt er, warum sich jetzt die Eltern mit einem Schreiben an den Landrat wenden. Der Inhalt sei ihm bekannt und er sagt: "Der Schulelternrat setzt sich dafür ein, dass alle Kinder die neue Halle nutzen können. Mit Recht." Wie mit der "Wegezeit"-Problematik verfahren werden soll, wisse er noch nicht. Er halte die von den Eltern favorisierte Lösung aber für denkbar und konkretisiert: "Unser Wunsch wäre, dass dreimal ein Bus fährt. Einmal nach dem ersten Block von der Turnhalle zur Schule, dann nimmt er die nächste Gruppe mit zur Halle und die nächste Gruppe wird nochmal abgeholt."

Das müsse an jedem Tag geschehen, dann wären alle Klassen durch, meinte der Schulleiter. "Der Landkreis hat im Moment noch eine abschlägige Abweisung gemacht, aber ich glaube, da ist noch alles im Fluss."

Aus der Pressestelle des Kreises war bis gestern keine Stellungnahme zu bekommen.