Der Blick entlang der Stadtmauer zur heutigen Grundschule an der Stadtmauer rief viele Erinnerungen hervor. Zahlreiche Anrufer erkannten die Stelle, die heute ganz anders aussieht.

Zerbst l Der Wächtergang. So nannten die Zerbster die Straße, die am Donnerstag beim diesjährigen Heimaträtsel zu sehen war. Als richtig galten alle Antworten, die den Ort beschreiben konnten. Denn aufgenommen wurde das Foto sicher nicht vom Dornburger Tor. Es entstand vermutlich von einem Haus auf der anderen Straßenseite und wahrscheinlich wurde ein leichtes Teleobjektiv verwendet. Denn den Gang in dieser Ausprägung gibt es seit dem 16. April 1945 nicht mehr. Die Häuserreihe rechts auf dem Bild fiel den Bomben zum Opfer.

Genau wisse sie nicht, wie die Straße heiße, sagte Emmy Volker aus Zerbst am Telefon. Sie erinnere sich aber noch gut an die Wirtschaft, die auf der Ecke abgebildet ist. Auch die Volksschule II, die heute die Grundschule an der Stadtmauer ist, erkannte sie. Dass die Aufnahme vom Dornburger Tor aus gemacht worden sein muss, erkannte sie. Auch Heinz Stramann aus Zerbst ist sich sicher: "Heute ist das Am Plan, wie die Straße damals hieß, weiß ich nicht." Außerdem meinte er, über den Dächern die Ankuhnsche Kirche erkennen zu können.

Lisa Ludolf erinnerte sich: "Der Gastwirt hieß Rupert Heini." Für den Steinmetz Keck habe sie als junges Mädchen dort immer Zigaretten der Marke R6 gekauft. "Abends kamen dort oft Polen, um Nachrichten zu hören", erzählte sie weiter. Sie haben wissen wollen, wie es um ihre Heimat stehe. Die Zerbsterin selbst habe im Alter von etwa 14 oder 15 Jahren dort Akkordeon gespielt. Geboren sei sie 1926, fügte sie an. Und sie erinnert sich an das Fliegerbier, dass es dort gab. "Das war eine Brause, die wir uns manchmal zum Abendbrot in einem Krug dort abgeholt haben." Warum die so hieß, wisse sie nicht mehr.

Erika Lahmer wusste den Wächtergang zu benennen und auch, dass "Rupert Heini" dort die Wirtschaft inne hatte. Auch, dass es möglich war, auf der Stadtmauer oben lang zu gehen. Auch die Grundschule erkannte sie. "Dort war ich nämlich Lehrerin", klärte sie auf. Zwischen 1964 und 1982 unterrichtete sie dort die Unterstufe, später auch bis zur sechsten Klasse, fügte die Zerbsterin an.

Annegret Schulze aus Güterglück kennt Erika Lahmer gut. Schließlich ging die Anruferin dort von 1964 bis 1974 zur Schule. Werner Schröter sei ihr Klassenlehrer gewesen, Benno Reimann der damalige Direktor. Ebenso haben ihre Töchter an der "II" die wichtigsten Dinge für das Leben gelernt. "Meine Enkelin Lisa-Marie geht heute dort in die dritte Klasse", fügte sie an.

"Als Zerbster kennt man sowas", verriet Hildegard Rieckmann am Donnerstag am Telefon. Sie sei dort zur Schule gegangen und das Bild habe Erinnerungen geweckt, gestand sie. An die Wirtschaft konnte sie sich gut erinnern. "Es ist schon ein schöner Anblick. Ich schneide mir das aus und hebe es auf."

Hubert Wischnewski war zu Besuch bei Verwandten in Güterglück, als er in die Zeitung schaute. 1946 habe seine Familie Zerbst verlassen, da sei er nicht mal zwanzig Jahre alt gewesen. Aber an den Anblick konnte er sich gut erinnern. "In der Kneipe waren wir oft. Eisbein mit Sauerkraut hat dort vorzüglich geschmeckt" verriet der Herzogenrather am Telefon.

Für Klaus und Brigitte Göring bot die Stadtmauer "ein vertrautes Bild." Das Ehepaar wohnte viele Jahre in einem Neubau gegenüber und blickte von der Wohnung aus darauf.

Margrit Weimeister wohnte am Dornburger Platz. Sie sagte: "Meine Klassenkameradin Edith Winnegut starb dort beim Bombenangriff 1945. Gemeinsam mit ihren fünf Geschwistern konnte sie dort keinen Schutz vor den Bomben finden, sagte die Deetzerin.

Richtig antworteten auch: Detlef Teßmann, Gabriele Sanetra, Gertrud Lange, Harald Neupert, Siegfried Schellin und Annemarie Gründer. Einen Regenschirm gewann Lisa Ludolf bei der Auslosung in der Redaktion.

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