Zerbst l Eine Rohrweihe segelt über der Zerbster Kiesgrube, während ein Schwanenpaar auf dem Wasser gemächlich seine Kreise zieht. Vom Ufer aus werden die gefiederten Gesellen genau beobachtet. Knapp 30 Vogelfreunde haben sich an dem ausgebaggerten See eingefunden. Dort nimmt sie Naturschützer und Buchautor Ernst Paul Dörfler mit auf einen ornithologischen Spaziergang rund um das Gewässer. Bei herrlichem Wetter macht er sie mit den Bewohnern und Gästen des beliebten Rast- und Brutplatzes vertraut.

So entdecken die Teilnehmer im Schilf das schwimmende Nest eines Haubentauchers. Dank der mitgebrachten Ferngläser werden drei Eier ausgemacht. Sonne und warme Temperaturen lassen den Hormongehalt bei den Vögeln ums hundertfache ansteigen, erklärt Dörfler. Lächelnd bemerkt er, dass die im Frühling geschlossene Ehe nur bis zum Sommer halte. Im Vergleich zur hohen Scheidungsrate bei den Singvögeln leben Schwäne monogam, trauern gar längere Zeit, wenn der Partner stirbt, zieht er Parallelen zur Menschenwelt. "Rabenvögel führen ebenfalls eine dauerhafte Beziehung", berichtet der Vogelkundler. Anders läuft es bei den Stockenten. Dort wird der Erpel entlassen, sobald das Gelege voll ist.

Als mehrere Graugänse auf dem Wasser landen, erfahren die Naturliebhaber, dass das Weibchen das Männchen vor der Heirat mehrere Jahre testet. "Die Ehe hält dann aber sehr lange", ergänzt Dörfler, bevor auch schon die nächste Vogelart die Aufmerksamkeit auf sich zieht. So schildert der Umweltschützer nicht nur die Boxkämpfe der Bleßrallen, der "unübertreffliche Begattungseifer der Spatzen" kommt ebenfalls zur Sprache.

Immer wieder wird auf dem gemütlichen Rundgang angehalten. Sobald jemand etwas entdeckt, wird geschaut und angeregt gefachsimpelt. Im lockeren Gespräch erzählen die Teilnehmer von ihren persönlichen Erlebnissen mit den gefiederten Freunden. So nimmt der unterhaltsam-interessante Streifzug einen ebenso lehrreichen wie amüsanten Verlauf.