In St. Trinitatis ist am Abend des 16. April an die Zerstörung von Zerbst vor genau 70 Jahren erinnert worden. Eingebettet in die 13. Internationalen Fasch-Festtage erklang während der Gedenkveranstaltung die Johannespassion von Johann Friedrich Fasch in neuzeitlicher Erstaufführung.

Zerbst l Mit der sehr bewegend vorgetragenen Trauermotette "Wie liegt die Stadt so wüst" eröffnete der Universitätschor "Johann Friedrich Reichardt" aus Halle am Donnerstagabend in der Trinitatis-Kirche die Gedenkveranstaltung zum 70. Jahrestag des Luftangriffes auf Zerbst. Unter dem Eindruck des brennenden Dresdens und der Zerstörung der Stadt hatte Rudolf Mauersberger das Stück komponiert.

In einem Flammenmeer versank auch Zerbst kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges. Pfarrer Thomas Meyer mahnte die ganze Sinnlosigkeit an. Die Narben gehören noch immer zum Stadtbild, erinnerte Bürgermeister Andreas Dittmann an jenen schicksalhaften Tag, an dem Zerbst beinahe ausgelöscht wurde. Das Leid der Menschen lasse sich nicht in Worte fassen, blickte er auf den 16. April 1945 zurück. 574 Frauen, Männer und Kinder fielen den Bomben zum Opfer, von 1433 Häusern blieben nur Trümmer übrig. Damals sei der Schrecken, den das Hitler-Regime in der Welt verbreitet hatte, nach Deutschland zurückgekehrt. Gleichzeitig würdigte Dittmann den Wiederaufbau der Stadt durch die Überlebenden.

"Der Krieg gehört zum täglichen Nachrichtenüberblick", kehrte er ins Heute zurück, wo Asylbewerber von manchen als "Pack" beschimpft werden und andere Flüchtlingsunterkünfte anzünden. Die Geschehnisse vor 70 Jahren seien ein Aufruf zu Abrüstung und Dialogbereitschaft, so dass Frieden weltweit Realität werde.

Eingebettet in die 13. Internationalen Fasch-Festtage kam nach den kurzen Ansprachen die Johannespassion "Ach, wir armen Sünder" des Zerbster Hofkapellmeisters Johann Friedrich Fasch (1688-1758) zu ihrer neuzeitlichen Erstaufführung. Das von Mdr-Figaro live im Radio übertragene Konzert gestaltete der 1951 gegründete Universitätschor gemeinsam mit dem Händelfestspielorchester aus Halle. Spezialisiert auf alte Musik spielen die Ensemblemitglieder auf historischen Instrumenten wie dem zu Fasch-Zeiten beliebtem Cembalo, das in der hervorragenden Akustik der Kirche genauso wunderbar wirkte wie die ausgeprägten, klaren Stimmen der Solisten. Neben der Sopranistin Julia Kirchner sangen David Erler (Altus), Tobias Hunger (Tenor) und Manuel Helmeke (Bass) die einzelnen Partien, zwischen denen der Chor unter der Leitung von Universitätsmusikdirektor Jens Lorenz immer wieder kraftvoll mitwirkte.

Die über 200 Zuhörer lauschten einem gefühlvoll interpretierten Werk, das behutsam gekürzt worden war. Denn die Tradition der Passionsaufführungen in Zerbst unterschied sich grundlegend von der in vielen anderen Orten mit meist zweiteiligen Kompositionen. In der anhaltinischen Residenz kamen vier-, fünf- und sieben- sowie einmal sogar zwölfteilige Stücke zur Aufführung, die dann in mehreren Gottesdiensten zwischen Palmsonntag und Karfreitag dargeboten worden.

 

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