Zerbst l "Morgens geht das Geschrei los und dauert bis spät abends an", beschreibt Karin Krebs die Lärmbelästigung durch die Krähen. "Mein Empfinden ist, dass es jedes Jahr mehr werden." Längst bauen die schwarzen Vögel ihre Nester nicht mehr nur im Schlossgarten, sondern ebenfalls zwischen den Wohnblöcken an der Neuen Brücke und in der Klappgasse.

Der Stadtverwaltung ist das Problem bekannt. "Wir sind schon seit mehreren Jahren an der Thematik dran, weil es immer wieder Beschwerden von Bürgern gibt", erklärt Ordnungsamtsleiterin Kerstin Gudella. Sie erzählt von Schlafeinschränkungen, Verschmutzungen durch Kot und nicht nutzbare Balkone, über die Betroffene klagen. Sogar eine Unterschriftenliste erreichte das Rathaus bereits. Die Handlungsmöglichkeiten der Stadt sind jedoch begrenzt.

Wie Andreas Rößler erläutert, handelt es sich hier um Saatkrähen, die zu den besonders geschützten Arten zählen. Ihre Nester zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören sei verboten, verweist der Leiter der unteren Naturschutzbehörde des Kreises Anhalt-Bitterfeld auf das Bundesnaturschutzgesetz. "Die Nester der Saatkrähe werden in der Regel über mehrere Jahre genutzt. Diese dauerhaft genutzten Lebensstätten von besonders geschützten Tieren verlieren den gesetzlichen Schutzstatus auch dann nicht, wenn sie zeitweilig nicht genutzt, aber üblicherweise im Folgejahr wieder besiedelt werden", bemerkt der Amtsleiter.

Ihr Entfernen sei nur in Ausnahmefällen oder nach Erteilung einer Befreiung möglich, zuständig sei das Landesverwaltungsamt. Über den Sachverhalt ist die Zerbster Verwaltung unterrichtet worden, wie Rößler darlegt. "Anfang Februar haben wir uns schriftlich an das Landesverwaltungsamt gewandt", informiert Kerstin Gudella. "Wir versuchen eine Ausnahmegenehmigung zu erhalten", erzählt sie von einer Voranfrage der Stadt. In dem Schreiben wird um eine Prüfung gebeten, "ob und welche Möglichkeiten zur Entfernung der Nester bestehen". Um das Anliegen und damit die "seit Anfang 2014 verstärkten Probleme mit Saatkrähen" in Zerbst zu untermauern, wurden nicht nur die mündlichen und schriftlichen Beschwerden der Bürger erwähnt. Als zuständige Mitarbeiterin nahm Ute Schilling einmal eine Zählung vor. "In der Klappgasse befinden sich fünf Nester, am Wächtergang sind es jetzt sechs Stück. Zusätzlich befinden sich im Schlossgarten neben dem Wächtergang noch mindestens 13 Nester", listet sie in der Voranfrage auf. Zugleich schildert sie, wie es vor allem während der Brutzeit durch die schon seit Jahren bestehende Kolonie im Bereich der Gartenstraße zu einer "sehr starken Verschmutzung der Parkwege im Schlossgarten mit Kot und herabfallenden Zweigen" kommt. "Der Wegbereich ist mitunter kaum passierbar."

Eine Reaktion seitens des Landesverwaltungsamtes hat die Stadt bislang nicht erhalten. "Wir haben jetzt eine Frist bis zum 30. April gesetzt", erzählt Kerstin Gudella und betont: "Wir sind an dem Problem dran und lassen nicht locker."

"Es gibt kein Problem", sagt indes Gunthard Dornbusch von der Staatlichen Vogelschutzwarte in Steckby. Alljährlich zählt er selbst die Saatkrähen in Zerbst. Zwischen 100 und 190 Vögeln schwanke der Bestand, erklärt er mit Blick auf die Daten des regelmäßigen Monitorings. Teilkolonien habe es früher schonmal gegeben. Vor allem zwischen April und Juni - in der Brut- und Aufzuchtzeit - ist mit verstärktem Lärm und Verschmutzungen zu rechnen, wie er ausführt. Eine Übertragung gesundheitsgefährdender Krankheiten durch die Krähenkolonie sei nicht zu befürchten, sagt Andreas Rößler. "Die Saatkrähe nimmt im Gegensatz zu den anderen prädestinierten Aasfressern wie Rabenkrähe beziehungsweise Aaskrähe vorwiegend pflanzliche Nahrung auf", erläutert er.