Für die Bewertungskommission war es die vorletzte Station. Am Donnerstag stellte sich Grimme den Juroren für den Landeswettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" vor. Sie waren knapp zwei Wochen in den 16 Teilnehmerorten unterwegs.

Grimme l Leon Weber und Julian Schmidt werden später wohl nur vom Erzählen her erfahren, dass sie am Donnerstagvormittag als Babys die jüngsten Teilnehmer an der Bewertungstour der Jury zum Landeswettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" in Grimme waren. Im Kinderwagen, wohlbehütet von ihren jungen Muttis Jasmin Weber und Kathleen Schmidt, zur zweistündigen Dorfbegehung mitgenommen.

Am Ortseingang begrüßte Ortsbürgermeisterin Elke Böttge, von Einwohnern begleitet, gegen 10 Uhr im Namen des Ortschaftsrates, des Heimat- und Kulturvereins, des Gemeindekirchenrates und der Freiwilligen Feuerwehr die sechsköpfige Bewertungskommission unter Leitung von Johannes Wesselmann.

"Im vorigen Jahr hatten wir am Kreiswettbewerb ,Unser Dorf hat Zukunft` teilgenommen und konnten uns gegen all die anderen Teilnehmer durchsetzen. Die Freude war natürlich groß, so dass wir uns in diesem Jahr dem Landeswettbewerb stellen", so die Ortsbürgermeisterin. Auf Landkreisebene war Grimme unter sechs Bewerbern 2014 als Sieger hervorgegangen.

Elke Böttge stellte die Gemeinde mit ihren verschiedenen Facetten vor. Unter anderem wies sie darauf hin, dass von den rund 150 Einwohnern 29 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sind, "wir also kein überaltertes Dorf" sind. Allerdings zähle Grimme, einschließlich des Ortsteils Golmenglin, mit sechs Einwohnern je Quadratkilometer Gemarkungsfläche zu den dünnbesiedelten Gemeinden in Deutschland.

Die Dorfbegehung begann am Grimmschen Teich, ein Stück "artenvielfältiger Natur auch mit einer Reihe von seltenen Arten in Flora und Fauna", wie Janet Löhn, Vorsitzende des Heimat- und Kulturvereins, erläuterte. Gemeinschaftliches Tun der Dorfbewohner werde gerade jetzt bei der Betreuung der wandernden Kröten, zu denen auch Kreuz- und Knoblauchkröten gehören, spürbar. In diesem Jahr seien schon über 2000 Exemplare, durch einen Krötenzaun an einer lebensgefährlichen Straßenüberquerung gehindert, "von Einwohnern über die Straße getragen worden", so Janet Löhn.

Den Naturbezug und dessen Einbindung in das dörfliche Leben, das breite Mitwirken der Bevölkerung, insbesondere auch der Jugendlichen, fand Johannes Wesselmann spontan "einfach fantastisch", ohne einer Auswertung schon vorzugreifen. Konkrete weitere Beispiele für diese aktive Naturmitgestaltung lernten die Teilnehmer auf dem Rundgang kennen. Schon an sechs Grundstücken zeugt die vom Naturschutzbund (Nabu) vergebene Auszeichnung "Schwalbenfreundliches Haus" für Aktivität.

Nach der Besichtigung des Jugendklubs, bei der sich aber anwesende Jugendliche nicht äußerten, war der große Dorfplatz die nächste Station.Hier berichtete die als Rundgang-Moderatorin agierende stellvertretende Ortsbürgermeisterin und Vorsitzende des Gemeindekirchenrates Annemarie Reimann von weiteren "naturunterstützenden" und auch neu initiierten Aktivitäten. So gebe es seit fünf Jahren den gut angenommenen "Apfeltag Grimme", der das Erntedankfest in der herkömmlichen Durchführung ablöste. Die vor zwei Jahren neu angelegte Streuobstwiese bekommt mehr und mehr weitere neue Bäume alter historischer Sorten. "Es ist zu einer Tradition geworden, dass Jugendliche anlässlich von Jugendweihe oder Konfirmation jeweils einen neuen Baum pflanzen", sagt Annemarie Reimann. Ein Schild verweist jeweils auf Sorte und Anlass: Wer? Warum? und Wann?

Eine wesentliche Kraft in Grimme ist die 15 Mitglieder zählende Freiwillige Feuerwehr, die neben den unmittelbaren wehrspezifischen Aufgaben auch nicht im gesellschaftlichen Bereich wegzudenken ist, wie die Kommissionsmitglieder am Feuerwehrgerätehaus erfuhren.

Die St. Johanniskirche, eine bereits um 1100 erstmals erwähnte steinerne Wehrkirche, war eine nächste Besuchsstation. Annemarie Reimann erläuterte ausführlich die vor allem seit 2000 erfolgte Sanierung, die Einbeziehung von Studenten der Hochschule Anhalt aus Dessau in die Objektforschung und dass die "stets offene Kirche" ein das gesamte Jahr rege genutzter Ort für die Bevölkerung ist, neben den Gottesdiensten insbesondere auch für zahlreiche vielseitige Veranstaltungen.

Mit der Auszeichnung als "Lebensraum Kirchturm" wurde das Aufstellen von Nistmöglichkeiten für Schleiereulen und Turmfalken sowie deren Betreuung durch einen ehrenamtlich tätigen Ornithologen gewürdigt. Auf dem Kirchengelände hat auch eines von fünf neuen "Insektenhotels" seinen Platz gefunden .

Bei einem kurzen Stopp im Gemeindehaus kam es zu einem Zusammentreffen mit Senioren der Gemeinde, die sich dort in der Betreuung der für Grimme zuständigen Pfarrerin Salome Quos zu einem Vormittagsbrunch zusammengefunden hatten.

Nur namentlich erwähnt wurde das 1936 bis 1937 am Ortsausgang in Richtung Golmenglin errichtete Wanderheim, das seit 1993 in freier Trägerschaft von der AWO betrieben wird. Der Name Grimme und Fläming-Wanderheim waren und sind für viele Generationen von Schulklassen, mehr und mehr auch Vereinen, Freizeitgruppen und Verbänden ein untrennbares Synonym.

Den Abschluss der Bereisung bildete der Ortsteil Golmenglin. Ganz am Ende, unmittelbar vor dem großen Wald stellte Annemarie Reimann die sogenannte "Ausspanne" vor. Es ist eine in Zusammenarbeit mit der Landesforst in der alten Bausubstanz erhaltene großräumige Waldscheune, die auch für Veranstaltungen, auch als Unterstellmöglichkeit für Wandertouristen genutzt werden kann.

Um 12 Uhr, so wie geplant, wurde die Ortsbegehung beendet. Johannes Wesselmann zog ein erstes Resümee: "Auf der landesweiten Suche nach Orten mit Zukunft haben wir mit Grimme mit Sicherheit einen gefunden." Es sei ungeheuer erfreulich, "die große Energie und Begeisterung zu spüren, die die Leute hier im und für ihr Dorf aufbringen". Eindrucksvoll sei der Bezug zur Natur sowie ein liebevoller Umgang mit der Bausubstanz deutlich geworden. Und, schätzt der Kommissionsvorsitzende ein: "Überzeugt hat ebenfalls ein im positiven Sinne bescheidenes Selbstbewusstsein."

   

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