Das Zerbster Schloss kann ab sofort wieder wochentags besichtigt werden. Michael Bombach nimmt die Gäste während halbstündiger Führungen mit ins Appartement der Fürstin Johanna Elisabeth.

Zerbst l "Wir sind glücklich, das Schloss nach einem Jahr Pause dank einer geförderten Maßnahme wieder dienstags bis samstags öffnen zu können", freut sich Dirk Herrmann. Als das Angebot 2014 ausfiel, schlug sich das spürbar in den Besucherzahlen nieder. Ab sofort jedoch kann der erhaltene Ostflügel an den genannten Tagen wieder bei einer halbstündigen Führung erkundet werden.

Bis Oktober nimmt Michael Bombach Gäste mit auf einen Rundgang, der über das Erdgeschoss in das Appartement der Fürstin Johanna Elisabeth führt und im neu visualisierten Zedernkabinett endet. Für den gelernten Maschinenbauer und Bürokaufmann stellt diese Aufgabe eine neue Herausforderung dar, die er allerdings bislang mit Bravour meistert.

"Da haben wir wirklich einen Glücksgriff gemacht", findet Dirk Herrmann. Für den Vorsitzenden des Schloss-Fördervereins ist es längst Routine, auf Leute zuzugehen und ihnen Fakten rund um die einst so prachtvolle Fürstenresidenz zu vermitteln. Er weiß allerdings auch, dass dies nicht jedem liegt. Michael Bombach hingegen "realisiert das super". Fachkompetent führe er die Gruppen von im Schnitt zwei bis vier Personen durch die Räumlichkeiten.

"Ich bin sonst nicht der Redegewandteste", gesteht der 50-jährige Zerbster. Diese Zurückhaltung weicht jedoch, sobald jemand den Ostflügel besichtigen möchte. Das hängt nicht zuletzt mit seinem persönlichen Interesse für das markante Baudenkmal zusammen. Die erste Schlossmonographie von Dirk Herrmann steht bei ihm daheim im Bücherregal. Das reich bebilderte Werk sowie das Material, das ihm der Vereinsvorsitzende zusammenstellte, lieferten das Basiswissen für seine bislang ungewohnte Tätigkeit. Die Umsetzung erlernte er ganz praktisch, indem ihn Dirk Herrmann durch den früheren Herrschaftssitz führte - bis er schließlich den Spieß umdrehte und sich von Michael Bombach Historie und Räume erläutern ließ.

Inzwischen hat Michael Bombach seine Feuertaufe bestanden und eigene Führungen absolviert. "Die Besucher kamen aus Chemnitz, Dresden, Pretzien", zählt er auf. Sogar russische Gästen waren schon darunter. "Die Frau hat da für ihren Mann übersetzt." Lächelnd berichtet der 50-Jährige, dass so mancher staunt, was es hinter der "Baustelle" zu entdecken gibt. Denn nicht selten ist das der erste Eindruck, den der umzäunte Ostflügel auf Ortsfremde macht. "Die meisten sind wegen Katharina hier", bemerkt er mit Blick auf die Zarin, die Weltgeschichte schrieb und aus dem unscheinbaren Fürstentum von Anhalt-Zerbst stammte. Wenn sie den Schritt ins Gebäude wagen, stellen sie dann fest, dass das 1945 zerstörte Schloss längst keine Ruine mehr ist.