Mit der Altarweihe durch Bischof Balduin von Brandenburg findet sich 1215 der erste schriftliche Nachweis der Bartholomäikirche. Anlässlich dieses 800-jährigen Jubiläums hielt Gunnar Hollenbach einen Vortrag zur Baugeschichte des Zerbster Gotteshauses.

Zerbst l "Dass die Bartholomäikirche schon viel erlebt hat, kann man auf den ersten Blick sehen", begrüßt Albrecht Lindemann die über 40 Gäste. Mit seinen einleitenden Worten spielt der Pfarrer auf die deutlichen Spuren an, die der zerstörerische Luftangriff am 16. April 1945 am Gotteshaus hinterlassen hat. Doch es gibt noch weit mehr architektonische Zeugnisse, die von der bewegten Vergangenheit des Sakralbaus erzählen. Das erfahren die Zuhörer beim Vortrag von Gunnar Hollenbach, der die Kirchgemeinde ebenfalls bei aktuellen Maßnahmen begleitet. Anlässlich des Jubiläums der Altarweihe ist der Ingenieur einmal in die Historie abgetaucht.

Rasch vertiefte er sich viel mehr als ursprünglich geplant in die Baugeschichte der einstigen Hof- und Stiftskirche. "Das anscheinend so einfache Projekt mutierte zu einer wissenschaftlichen Arbeit", erzählt Gunnar Hollenbach von der längst nicht abgeschlossenen Recherche. Unterstützung erhält er bei jener durch Archivar Hannes Lemke. Eine Schwierigkeit bildet die unzureichende Quellenlage vor der Reformation. Vermutlich existierte bereits seit dem 11. Jahrhundert eine Kapelle auf der Schlossfreiheit, einen archäologischen Beleg gibt es zu der Annahme bislang allerdings nicht. Unterdessen haben Grabungen 2006 Mauerreste eines romanischen Vorgängerbaus zu Tage befördert. Noch darunter fanden sich alte Grabanlagen, wie Gunnar Hollenbach darlegt.

Unklar ist, wann mit der Errichtung der Kirche begonnen wurde. Überliefert ist einzig die Altarweihe 1215, doch schon 1213 findet sich die Erwähnung eines Pfarrer von St. Bartholomäi. Bereits um 1300 erfolgte eine Erweiterung des Chores, 1450 der Anbau einer gotischen Kapelle - insgesamt drei hat es wohl mal gegeben, wie der Referent erläutert. Um 1517 fand eine Erweiterung des Gotteshauses zur gotischen Hallenkirche statt, wobei die Grundmauern des Langhauses nur um etwa einen Meter versetzt wurden. Auch eine Westvorhalle erhielt der Sakralbau zu jener Zeit. 1568 nahm der Treppenturm Gestalt an. In dem Zuge ist wahrscheinlich die erwähnte Kapelle wieder abgerissen worden, was die komplette Erneuerung der Nordmauer des Chores samt Chorgewölbe nach sich zog. 1585 gestaltete man den Ostgiebel im noch heute erhaltenen Renaissancestil um. 1694 reiht sich der Neubau der Fürstengruft in die Chronologie der vielfältigen Maßnahmen ein.

Vom schweren Bombenangriff auf Zerbst am 16. April 1945 bleibt die Bartholomäikirche mit ihrem einzeln stehenden Glockenturm nicht verschont und brennt vollständig aus. 1951 beginnt der Wiederaufbau. Hinter dem Querhaus wird eine Wand hochgezogen, die den Chorbereich vom nun offenen Kirchenschiff trennt. Fenster gewähren den Blick ins Innere.

Anhand von historischen Aufnahmen, Plänen und Fotos veranschaulicht Gunnar Hollenbach seine Ausführungen. Immer wieder macht er sein interessiertes Publikum auf Details im Gemäuer aufmerksam, die von längst vergangenen Epochen zeugen. Nach gut 70 Minuten kehrt er schließlich ins Hier und Jetzt zurück.

Im Herbst wird sein Vortrag übrigens nachzulesen sein. Wie Pfarrer Lindemann mitteilt, erscheint zum Festwochenende vom 18. bis 20. September anlässlich des 800-jährigen Kirchweihjubiläums ein Buch zu St. Bartholomäi. Darin werden unter anderem ebenfalls Beiträge zur fürstlichen Grablege oder auch den Kunstwerken wie dem Tafelbild von Lucas Cranach und dem Johann-Epitaph abgedruckt sein.

Die nächste Veranstaltung in St. Bartholomäi findet am 14. Juni statt. Um 10 Uhr erleben die Cranachpredigten ihre Fortsetzung. Der Maler und Zeichner Bruno Griesel widmet sich dem Thema "Im Auge das Licht des Himmels".

   

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