Zerbst (dap/kwu) l Anlässlich des Deutschen Mühlentages suchte die Volksstimme eine ganz spezielles Objekt, das es einst recht häufig auf Flüssen zu entdecken gab: die Schiffsmühle. Was man sich genau darunter vorstellen muss, weiß Günther Zacharias.

Wie der Zerbster Müllermeister erzählt, handelt es sich bei Schiffmühlen um eine besondere Art unterschlächtiger Wassermühlen. Diese bestanden aus dem Hausschiff, auf dem die eigentliche Mühle untergebracht war, und dem Wellschiff, das als Auflager für die Welle des Wasserrades diente. Zwischen beiden spannte sich das mächtige Wasserrad.

"Schiffsmühlen wurden in Ufernähe von schnell fließenden Flüssen verankert", weiß Günther Zacharias. Sie waren nicht nur transportabel und konnten somit leicht umgesetzt werden. Sie hoben und senkten sich ebenfalls mit dem Wasserspiegel, waren also kaum hochwassergefährdet. Allerdings mussten die Schiffmühlen gut verankert werden, sonst drohten durch die Strömung und dem Eisgang im Winter schwere Unfälle.

Für den Betrieb von Schiffsmühlen wurden in unserer Region - mit Ausnahme der Schiffmühle von Groß Rosenburg an der Saale - nur die Elbe genutzt. Die erste entstand 1425 auf Veranlassung des Rates der Stadt in Magdeburg, weitere sollten folgen, so dass sich ihre Anzahl auf rund 20 erhöhte.

"Die Behinderung der Schifffahrt und die technische Entwicklung im Mühlenbau führte zum Verschwinden der Schiffsmühlen", berichtet der Müllermeister im Ruhestand. "In Magdeburg arbeitete die letzte Schiffmühle bis etwa 1900", erklärt er.

Günther Zacharias kann einige Anekdoten hinsichtlich dieser einzigartigen Wassermühlen erzählen. "Mir ist bekannt, dass es damals Streit gab zwischen der Gemeinde Prödel und einem Schiffmüller", sagt er. Bei dem Zwist soll es im Geldforderungen gegangen sein. "Als 1813 Wittenberg von den Franzosen besetzt war, haben die auch eine Schiffmühle beschlagnahmt und unter Bewachung für die Soldaten arbeiten lassen." Schmunzelnd schildert der Zerbster, dass der schlaue Müller reichlich guten Wein für die Wachen besorgte. "Als die Flaschen leer waren, hatten die Preußen keine Mühe, die Franzosen zu überwältigen."

Wer sich einmal eine Schiffsmühle ansehen möchte, sollte nach Magdeburg fahren. Dort lässt sich ein Nachbau - allerdings an Land - besichtigen. "In Bad Düben und Grimme gibt es aber noch ,schwimmende` Schiffsmühlen", informiert Günther Zacharias.

Auch einige Anrufer konnten die Schiffsmühle auf der historischen Aufnahme erkennen. Für Helmut Hehne aus Zerbst war die Identifizierung des gesuchten Objektes kein Problem. "Es handelt sich hier um eine Schiffsmühle, auch Flussmühle oder Flussschiffsmühle genannt. Heute wird so etwas zum Beispiel für die Energieversorgung eingesetzt. Ich kann da ein Beispiel vom Main nennen", so der Hobbyhistoriker.

Richtig erkannt hat das Objekt auch Detlef Teßmann. "Im Bereich der Elbe gab es früher 20 bis 30 Stück", weiß er zu berichten. Heute könne man eine restaurierte Schiffsmühle in Magdeburg am Petriförder besichtigen, so Teßmann am Telefon.

Gesine Kuckert aus Zerbst erkannte die Schiffsmühle ebenfalls und berichtete von einem Ausflug nach Gifhorn, wo sie eine Schiffsmühle besichtigt hatte.

Siegfried Schellin aus Güterglück erkannte die Schiffsmühle ebenfalls. "Auf der Elbe und auf der Mulde gab es unter anderem Schiffssmühlen", erklärt er.

Über den Gewinn einer Volksstimme-Kaffeetasse kann sich Gesine Kuckert aus Zerbst freuen. Der Gewinn kann ab heute 9 Uhr, in der Lokalredaktion der Volksstimme Zerbst, Alte Brücke 45, abgeholt werden.

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