Zerbst l "Mit einem solchen Fund habe ich nicht gerechnet", gesteht Frank Besener. Und der Grabungstechniker hat schon einige unerwartete Entdeckungen gemacht. Doch was er nun im Zerbster Boden freilegte, überraschte ihn wahrlich. Unterhalb der Langen Straße - an der Kreuzungsecke zum Wegeberg - holte er eine gut 800 Jahre alte Herdstelle ans Tageslicht. Das Besondere ist der integrierte Kugeltopf, der vermutlich aus dem 13. Jahrhundert stammt. "Er ist feuergeschädigt", weist Frank Besener auf die dunkle Färbung hin, die von der Benutzung des Gefäßes erzählt.

Die Herdstelle wurde aus Steinen mit glatter Oberfläche errichtet, die man mit Lehm verfugte. Interessant ist ihre Lage unterhalb einer Kieselsteinschicht, die von der ersten befestigten Straße in diesem Bereich zeugt. Auch Holzkohlelinien, die von der aus dem Ofen herausgeholten Asche berichten, haben sich als deutliche Spuren im Erdreich erhalten. Ein Gebäude lässt sich allerdings nicht belegen, stattdessen eine runde Grube unterhalb der Herdstelle. "Das ist sehr eigenartig. Da kann ich mir noch keinen Reim drauf machen", lässt sich der Grabungstechniker allerdings zu keinerlei Spekulation hinreißen.

Möglich wurde der äußerst ungewöhnliche Fund durch die Tiefbaumaßnahmen, die derzeit im Bereich Wegeberg und Lange Straße laufen. Die Gasstadtwerke sind dort mit dem Wechsel der Niederdruckleitung beschäftigt. Im Auftrag des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie begleitet Frank Besener die Arbeiten.