Ein Clown ist lustig. Manchmal auch bunt. Er bringt Menschen zum Lachen, kann sogar Schmerzen lindern. Das alles schafft ein solch fröhlicher Geselle in einer Schlagenthiner Scheune.

Schlagenthin l Antje Teske strahlt mit der Schlagenthiner Mittagssonne um die Wette. Niemals hätte ich mir träumen lassen, dass ich mit dem gestrigen Besuch in der Scheune die 5000-Euro-Marke knacken werde. Die Besucher waren zwölf Genthiner Mountainbiker um Hans-Werner Kant aus Mützel. Als die sympathische Fahrradtruppe weiterzog, machte Antje Teske Kassensturz: 5155 Euro. Sagenhaft! Sie sagte zur Volksstimme: "Noch kann ich nicht fassen, dass wir diese Summe erreicht haben."

Rückblick: Gebastelt haben Antje Teske und ihre Brandenburger Karneval-Vereinsmitglieder ein große, hölzerne Leinwand mit einem radelnden Clown. Für einen Euro können sich die Menschen einen Mosaikstein kaufen und somit das große Spendenbild mitgestalten. Die Steine gibt es in vielen Farben. Die ersten Steinchen hat Antje Teske als Harlekin am Rande der karnevalistischen Prunksitzungen in Brandenburg verkauft. Sie werden auf eine Vorlage geklebt.

Nachdem die Volksstimme Jerichower Land im Januar von dieser Aktion berichtete, kam mächtig Bewegung in das Projekt. Antje Teske sagte seinerzeit: "Wer für kranke Kinder Mosaiksteine kleben möchte, kein Problem: Ruft mich an, damit ich die Scheunentür öffnen kann. Die Nummer: 0176/57898176." Heute sagt sie: "Das Angebot gilt noch immer."

Von der Clowns-Mosaik-Spende wird der Sonnenhof profitieren. Das Hospiz Sonnenhof bietet schwerkranken Kindern einen Ort des Lichts für die letzte Zeit ihres kurzen Lebens. Den Namen verdankt die Stiftung Björn Schulz, einem krebskranken Jungen, der 1982 im Alter von sieben Jahren verstarb. Kurz nach seinem Tod gründeten seine Eltern einen Verein, der sich um Familien kümmert, deren Kind an Krebs erkrankt.

Seit Januar durfte Antje Teske ihr Scheunentor häufig öffnen: "Ich hatte viele Begegnungen mit Menschen, die ich vorher teilweise nicht kannte. Zudem gab es sehr viel Unterstützung von Freunden und der Familie. Und es gab interessante Gespräche."

Auch mit den Genthiner Mountainbikern, die ihre Donnerstags-Tour extra über Schlagenthin gelegt hatten, um mehr über diese Aktion zu erfahren und Mosaiksteine zu kleben. "Sie empfanden es als besonders schön, nicht nur Geld zu geben, sondern durch das Kleben an der Sache beteiligt zu sein. Natürlich war unter Radlern auch die Hansetour als sportliches Event ein willkommenes Gesprächsthema.

Hansetour?

Die Hansetour-Sonnenschein radelt mit rund 300 Teilnehmern jährlich hunderte Kilometer durch Deutschland, um Spendengelder einzusammeln. Tourchef Helmut Rohde erklärt: "Mit Hilfe unserer Akteure möchten wir das Leben von krebs- und chronisch kranken Kindern und ihrer Familien ein Stück lebenswerter machen. 100 Prozent des Geldes werden gespendet. Alle Kosten der Tour werden von den Teilnehmern getragen. Sie fahren seit 18 Jahren für Krebs- und chronisch kranke Kinder durch das Land."

In diesem Jahr startet die Tour am 4. August in Havelberg. Antje Teske und ihre Mitfahrer radeln über die Buga-Städte Rathenow, Premnitz und Brandenburg weiter nach Oranienburg, um dann in Rostock bei der Hansesail mit vielen Schecks in der Tasche von Ministerpräsident und Schirmherr Erwin Sellering (SPD) empfangen zu werden.

In der Zwischenzeit hat Antje Teske die Björn-Schulz-Stiftung in Brandenburg besucht. Sie bekommt das Geld der Aktion: "Ich habe vor Ort mit den Mitarbeitern gesprochen. Sie werden auch das fertige Mosaik-Clownsbild erhalten. Es wird im Trauerraum, der von kranken Kindern, den Geschwistern und Angehörigen genutzt wird, seinen Platz finden. Der Clown mit diesen bunten Glassteinen wird hoffentlich dem ein oder anderen Kind ein kleines Lächeln ins Gesicht zaubern."

Nach dem Volksstimme-Artikel vom Januar mit dem Titel "Wie Harlekin Antje den Sonnenhof erobert" klingelten Nachbarn an der Haustür. Antje Teske erzählt: "Sie haben mir Geld gegeben und Mosaiksteine geklebt. Sie wollten bekunden, wie wichtig diese Aktion auch für sie ist." Freunde hingen den Zeitungsartikel in Burg beim Arzt, im Kindergarten und in der Schule aus: "Freunde unserer Familie, ehemalige Arbeitskollegen meiner Eltern, unsere Kollegen, Verwandte, Bekannte, Nachbarn, viele spendeten. Da wurde aus einer Geburtstagsfeier eine Klebeaktion in der Scheune."

Gelesen hatte den Volksstimme-Artikel auch Radsportler Wolfgang Röseler aus Genthin, der spontan mit dem Rad nach Schlagenthin fuhr: "In der Scheune hatten wir uns ganz lange über die Aktion und das Radfahren unterhalten."

Eine Sammlung von Anja Schröter gab es unter den Mitarbeitern der Sparkasse. Der Hort der Grundschule Schlagenthin rief mit einer Pfandflaschensammelaktion auf, sich an der Sonnenschein-Sammlung zu beteiligen. Antje Teske besuchte die Kinder und erzählte ihnen Wissenswertes über die Hansetour-Sonnenschein.

Im Volksstimme-Gespräch sagt Antje Teske: "Ich habe durch diese Aktion unzählige hilfsbereite Menschen mit ihren ganz eigenen Geschichten kennengelernt, die mich motivieren, weiter zu sammeln. Das Projekt macht unheimlich viel Spaß, ist noch immer eine Herzensangelegenheit."

Aus den vielen Gesprächen ergab sich der Kontakt zu einer Stiftung von Brandenburger Ärzten. Sie möchte einer betroffenen Familie konkret helfen und ihnen einen Urlaub finanzieren. Die ersten Verbindungen sind geknüpft. Noch in diesem Jahr soll die kleine Familie auf Reisen gehen.

Ansonsten verbringt die Schlagenthiner Familie Teske derzeit viel Zeit auf den Fahrrädern. Das Auto bleibt stehen, denn im August wollen die 650 Hansetour-Kilometer in fünf Tagen geschafft sein.

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