Als markantes Marktgebäude haben viele Leser das einstige "Hotel Anhalt" sofort erkannt. Schwieriger gestaltete sich die Einordnung des inzwischen ebenfalls historischen Heimatfotos.

Zerbst l "Um die Wende muss das Foto entstanden sein", mutmaßt Birgit Herrmann. Damit liegt die Nuthaerin recht nah am Aufnahmedatum. 1994 fing Volksstimme-Redakteur Thomas Drechsel den schlechten Zustand des einstigen "Hotel Anhalt" für einen Beitrag über sanierungsbedürftige, denkmalgeschützte Gebäude in Zerbst ein.

"Es war ziemlich verwahrlost", bemerkt Siegfried Schellin aus Güterglück mit Blick auf das Schwarz-Weiß-Bild. "Da ist noch die alte Verkehrsführung erkennbar mit dem Parkplatz in der Mitte - nicht so chaotisch wie heute", erklärt der Zerbster Detlef Teßmann. Wie die meisten anderen Anrufer denkt er bei dem Eckhaus sofort an den "Unions-Keller", auch "Uni-Keller" genannt. "Da war immer Hochbetrieb wegen dem Busbahnhof auf dem Markt", weiß er. "Dort hat man schnell mal einen Kaffee getrunken oder ein Würstchen gegessen", erzählt Lothar Platte aus Schora. "Die Küche vom ,Uni-Keller` befand sich in der ersten Etage", berichtet Birgit Herrmann. Als Kind ist sie oft zu Besuch in dem Gebäude gewesen. "Meine Tante hat oben drin gewohnt." Noch gut kann sie sich an die steile Treppe im Inneren entsinnen. "Meine Tante ist die hochgeflitzt wie ein Wiesel", sagt die Nuthaerin.

Auch Hans-Joachim Fambach hat eine persönliche Beziehung zum gesuchten Objekt. "In der Gaststätte habe ich in den siebziger Jahren gekellnert bei Gastwirt Günter Neumann." Und er hatte tüchtig zu tun. "Damals war es stets voll von früh bis abends", erzählt der Zerbster. Er erwähnt auch Dora Beck, die die Gaststätte führte, später übernahm die HO (Handelsorganisation).

"Früher gab es am Markt noch die Würtschen-Bude von Heinrich Thiele", weiß Lothar Platte. Lachend erzählt er von dessen Spitznamen. "Er hieß ,Luken-Heinrich`, weil er alles durch eine Luke ausschenkte."

Eckgebäude beherbergte einst einen Milchladen

Doch noch einmal zurück zum Fotorätselmotiv. "Darin befand sich mal ein Milchverkaufsgeschäft, der Eingang war von der Brüderstraße aus", berichtet Helmut Lehmann von "Herrn Polte". Unterdessen erinnert sich Annegret Gründer an "Kellerlieschen", die Obst und Gemüse verkaufte.

Reger Betrieb scheint stets in dem Eckgebäude geherrscht zu haben, bis es Anfang der neunziger Jahre zunehmend verfiel. Zur Sicherung wurde ein Bauzaun errichtet. Nichts desto trotz deutete sich eine Rettung des Hauses an, das im Gegensatz zu manch anderem Objekt in Zerbst nicht der Abrissbirne zum Opfer fiel. Stattdessen erfolgte die dringend notwendige Sanierung. Heute bildet der mehrgeschossige Bau wieder einen schmucken Anblick auf den Markt. Und im urigen Keller können sich Gäste wieder bei Speis und Trank stärken.

Unter allen Teilnehmern des Heimatfotorätsels hat die Volksstimme in dieser Woche einen Kaffee-Pot verlost. Den Gewinn kann sich Birgit Herrmann aus Nutha ab Montag, 9 Uhr, in der Lokalredaktion auf der Alten Brücke 45 abholen.

 

Bilder