Es mag vielleicht ein kalter trüber Januartag im Jahr 1744 gewesen sein, als sich Prinzessin Sophie Auguste Friederike von Zerbst nach Russland aufmachte, um später als Zarin Katharina II. Weltgeschichte zu schreiben. 266 Jahre später ist es gestern sonniger warmer Apriltag, als das deutschlandweit erste Katharina-Denkmal in Zerbst begrüßt wird.

Zerbst. Pavel Mischin ist es erst gestern Vormittag richtig bewusst geworden, mit welcher außergewöhnlichen Fracht er da um 11. 13 Uhr auf die Zerbster Schloßfreiheit einfuhr. Etwas Besonderes sei es schon, wusste der 31-jährige Mitarbeiter einer Minsker Spedition, der mit seinem 40-Tonner seit Mittwoch vergangener Woche von Moskau aus mit dem Katharina-Denkmal unterwegs war. Wie besonders aber … – er staunte doch über die Besucher und vor allem die Medienpräsenz vor dem Rathaus.

Problemlos hat Pavel Mischin seine kostbare Fracht transportieren können. Problemlos wurde gestern Morgen auch die letzte " Hürde " beim Zoll in Dessau genommen. Dann ist der Weg frei nach Zerbst. " Schon aufgeregt " stehen Tetyana Nindel, Vorsitzende des Internationalen Fördervereins " Katharina II. ", und ihre Vorstandsmitglieder Marlies Kellpinski und Karin Rettig unter den erwartungsvollen Gästen auf der Schloßfreiheit. " Erst möchte ich es sehen ", gibt es da doch noch die eine oder andere zweifelnde Stimme.

Eine Stunde später etwa sind auch sie verstummt. Der Lkw mit dem Denkmal ist da. Für Uwe Tschakert der Moment, " wie versprochen und mit großer Freude und herzlichen Grüßen aus Moskau " an Bürgermeister Helmut Behrendt ( FDP ) und damit die Stadt Zerbst die Schenkungsurkunde für das Denkmal zu übergeben. Zusammen mit Wladimir Teslenko hatte Uwe Tschakert in der vergangenen Woche in Moskau im Auftrag der Stadt Zerbst das Denkmal vom Künstler Michael Perejaslawez übernommen und auf den Weg geschickt ( die Volksstimme berichtete ).

Helmut Behrendt belässt es nicht beim verbalen Willkommensgruß für das Denkmal und der Würdigung für das Engagement von Uwe Tschakert und Wladimir Teslenko. " Sie bekommt einen Willkommenskuss ", so der Bürgermeister. Spricht ‘ s und setzt es, die Schenkungsurkunde noch in der Hand, auch unmittelbar am von der Folie befreiten Denkmalkopf auf der Lkw-Ladefläche um.

Für Wladimir Teslenko ist dieser Tag " wie die Geburt eines Kindes ". Bewegt und froh ist er, dass nach den vielen Jahren, nach allen Problemen und Zweifeln, nicht zuletzt auch nach dem vergangenen Jahr, als es mit dem Meisler-Denkmal zwischenzeitlich ein zweites Zerbster Projekt gab, das Vorhaben nun zu einem guten Ende kommt. Das Vorstandsmitglied des Katharina-Vereins erinnert sich noch genau an jenen Augusttag des Jahres 1995, als er mit Michael Perejaslawez – die beiden hatten sich im Umfeld der Eröffnung der Katharina-Sammlung gerade kennengelernt – durch den Schloßgarten lief. Der Künstler war Mitglied des Katharina-Vereins geworden und als solcher, meinte Wladimir Teslenko, müsse er doch etwas für Zerbst tun. So entstand die Denkmalidee. " Ich musste mich damals mit ausgebreiteten Armen in den Schloßgarten stellen für ein Foto ", erzählt Wladimir Teslenko von den ersten Denkmalstudien. Als junge Frau und kraftvoll habe Michael Perejaslewez schon damals die Katharina darstellen wollen.

Den Fotoapparat hat auch Ralf Walter von der Zetieba GmbH mitgebracht. " Ich finde das gut und eine tolle Sache, dass es Leute gibt, die sich für so etwas engagieren ", beschreibt er, dass dieser gestrige Verlade- und Transportjob für ihn kein alltäglicher ist.

Auf dem Gelände der Schraubenwerke wurde das Katharina-Denkmal vom Lkw auf einen Tieflader zum Weitertransport umgehoben. Eingelagert wartet es jetzt auf die Aufstellung und Einweihung im Schloßgarten. Vorgesehen ist dies im Juni oder Juli.