Seit drei Wochen ist der Nordosten der Stadt Zerbst vom Rest der Welt abgeschnitten. Zumindest Bus-technisch. Seit dem 8. Januar nämlich fährt der Stadtbus die beiden Haltenstellen Mozart- und Dobritzer Straße nicht mehr an. Der Grund : Schnee, Eis und parkenden Autos behindern die gefahrlose Durchfahrt der Busse.

Zerbst. " Keine Bedienung durch Stadtlinie 450 ", prangt in großen Lettern an den Abfahrtsplänen der beiden Haltestellen in der Mozart- und der Dobritzer Straße. Die Anwohner dort, die kein Auto nutzen und bei dem derzeitigen Winterwetter erst recht kein Fahrrad nehmen können, bleibt für Wege in die Stadt nur der Gang zu Fuß. Der Grund : Seit drei Wochen fährt die in Zerbst anstelle mit der Vetter GmbH tätige Firma Ruthe die beiden Haltstestellen im Norden der Stadt nicht mehr an.

Bei der Suche nach den Gründen fällt eine Verkettung von Umständen auf, die sowohl zur Einstellung des Busverkehrs in diesem Bereich als auch zur bisherigen Nichtlösung des Problems führten. Erst eine Leserin, die sich am Mittwochnachmittag in der Redaktion der Volksstimme meldete, brachte den Stein nun langsam ins Rollen.

Auf seiner Runde durch die Stadt fahren die Busse der Linie 450 in die Mozartstraße ein, halten an der dortigen Haltestelle, müssen dann durch eine enge Rechtskurve in die Goethestraße einbiegen, um anschließend wieder nach rechts auf die Dobritzer Straße zu nächsten Haltestelle zu kommen. Doch mit den heftigen Schneefällen Anfang des Jahres wurde vor allem im Bereich der Mozartstraße der Schnee nur zaghaft von der Straße geräumt. Außerdem – und das scheint in der ganzen Stadt eine Unsitte zu sein – schoben die Anwohner und Hausmeister die Schneemassen auf die Straße. Die Folge : Die Autos parken nun nicht mehr wie vorgeschrieben am Bordsteinrand, sondern neben den Schneebergen, manchmal einen halben Meter zur Straßenmitte hin.

" Am 8. Januar hat uns die Firma Ruthe informiert, dass in der Mozartstraße kein Durchkommen mehr für die Busse ist und deshalb die Haltestellen in diesem Bereich nicht mehr angefahren werden ", erklärte gestern eine Sprecherin des Busunternehmens Vetter aus Salzfurtkapelle. Warum aber diese Mitteilung der Behinderung erst eine Woche später, nämlich am 14. Januar, an die Stadtverwaltung Zerbst weitergegeben wurde, lässt sich heute nicht mehr ermitteln. Genauso wie der Umstand, warum im Rathaus die Meldung der Firma Vetter bis gestern unberücksichtigt und unbearbeitet blieb und damit nochmals zwei Wochen ins Land gingen. Kein Winterdienst und kein Bauhof nahmen sich des Hilferufes der Busfirmen an.

Dem widersprach gestern der Pressesprecher der Stadt Zerbst, Jan Hädrich. " Nach der Info hat der städtische Bau- und Wirtschaftshof durch erhöhten Personal- und Materialaufwand umgehend die Haltestellenbereiche in der Mozart- und Dobritzer Straße sowie die Mozartstraße selbst von Schnee und Eis befreit, was sich auf Grund der Pflasterung als schwierig erwies. "

Dass die Stadtlinie die besagten Haltestellen aufgrund der zu geringen Straßenbreite nicht anfahren konnte, ginge aus der Mitteilung nicht hervor. Eine Beräumung der schmalen Bereiche der Straßen kann jedoch nur erfolgen, wenn der Räumdienst nicht durch parkende Fahrzeuge behindert wird. " Um eine Lösung herbeizuführen, soll die Situation vor Ort noch einmal in Augenschein genommen werden. Zusätzliche Maßnahmen könnten beispielsweise zu den Zeiten erfolgen, in der normalerweise die Kehrmaschine reinigt und in der Goethestraße ein absolutes Halteverbot gilt ", so Jan Hädrich.

Nach der Anfrage der Volksstimme gestern war der Bauhof nochmals zu Streumaßnahmen in der Goethestraße und im Kurvenbereich Mozartstraße / Goethestraße im Einsatz. " Jetzt müsste es wieder breit genug für Busse sein ", hofft der Pressesprecher.