Zerbst. " Jetzt fasse ich mal zusammen : Die Stadt hat kein Geld. Die Zeit ist knapp. Die Telekom macht nichts. Es gibt also keine Alternative zum Internet per Funk. " Elard Schmidt, der Reudener Ortsbürgermeister, hatte viele Informationen zum Thema " Breitbandanschluss im ländlichen Raum " gehört und war dennoch nicht zufrieden : wenig Neues, sagt er. Immerhin schien er aber die letzte Sicherheit gefunden zu haben, um seinen Reudenern zu empfehlen, sich per Funk-Technologie ans Internet anbinden zu lassen.

Nach wie vor ist die Versorgung mit Internetanschlüssen keine Pflichtaufgabe der öffentlichen Hand. Die Politik drängt und lockt die Wirtschaft, sich auf die sicher nicht allzu lukrativen, dünn besiedelten Gebiete Deutschlands zu stürzen, also auch auf die Stadt Zerbst mit ihren Ortsteilen. Dies funktioniert – am Beispiel der Stadt Lindau wird es sichtbar. Sie ist 2009 mit hohem individuellen Aufwand alle Verfahrensschritte bis hin zum Fördermittelantrag beim Land gegangen und kann nun von der Telekom erwarten, ein Glasfasernetz in den Ort verlegt zu bekommen, das gewaltige Datentransfers ermöglicht. Knapp eine halbe Million Euro wird das kosten, Lindau muss über 50 000 Euro selbst tragen. Und erkauft sich damit zukunftssichere Übertragungstechnologie. Der Prozess bis dahin wird von Rüdiger Kramer, dem für die Kreise Wittenberg und Anhalt-Bitterfeld zuständigen zertifizierten Breitband-Berater, fachkundig begleitet. Er informierte am Dienstagabend während der Breitbandkonferenz in Zerbst Ortsbürgermeister und Interessierte aus zwölf Orten zur staatlichen Förderung und zur Prozedur.

Hochleistungs-Internetanschlüsse versprechen auch Anbieter anderer Technologien. Dr. Thomas Witt, Geschäftsführer von NU Informationstechnik GmbH aus Riesa, beispielsweise hat jüngst in Zernitz, Strinum und Kuhberge funk-basierende Internetanschlüsse unter Vertrag gebracht. Der Riesen-Vorteil gegenüber Kabeln in der Erde : vergleichsweise geringe Kosten, kein Fördermitteleinsatz ( damit auch kein voluminöses Antragsverfahren ). Der Nachteil : Die Übertragungskapazitäten von Glasfaserkabel werden nicht erreicht. Dennoch hat sich in Zernitz und Umgebung eine ausreichende Anzahl Leute verbindlich mit NU Informationstechnik vereinbart, so dass deren Investition Richtung Zernitz wirtschaftlich darstellbar wurde.

In zahlreichen Orten ist die Meinungsbildung so weit noch nicht. Aus anderen hört man gar nichts – in Bornum beispielsweise hat die Telekom bereits 2005 Kabel verlegt. Weshalb gerade dort, weiß niemand. Bernd Köhler, der Amtsleiter für Tiefbau im Zerbster Rathaus, jedenfalls appellierte an die Ortsbürgermeister, sich die Riesaer Internettechnologiefirma einzuladen und ein Angebot abzufordern. Zügig Glasfaserkabel in die Dörfer zu bekommen, scheint aussichtslos.