Es bleibt frostig in den nächsten Tagen. Somit bleibt der Schnee liegen. In Großstädten wird die pampige Masse, die nahezu jedem das Ein- und Ausparken verleidet, bereits vor die Stadttore gefahren. In Zerbster Nebenstraßen bleibt sie liegen.

Zerbst. Vor allem in Seitenstraßen hat Ute Reinsdorf aus Zerbst " schlechte Erfahrungen " mit dem Winterdienst gemacht. Hier werde von der Stadt nichts gemacht. Als Hauseigentümer oder Mieter werde man belangt, wenn man seinen Winterdienstpflichten nicht nachkäme. Vor allem für Menschen mit Behinderungen, etwa im Rollstuhl, seien dies unvorstellbar schwierige Bedingungen. " Soll doch der Bürgermeister mit dem Rollstuhl durch die Stadt fahren. Dann wird er es selbst erleben. "

Frau Reinsdorf befürchtet, dass bei starkem Frost zerfahrene und unberäumte Straßen wie etwa im Bereich Brüderstraße unpassierbar würden. " Da wird doch die Sturz- und Unfallgefahr enorm. Und auch wir müssen zur Arbeit kommen. " Die Brüderstraße ist im Straßenunterhaltskataster der Stadt für den Winterdienst vorgesehen. Hier wurde auch geräumt, allerdings nicht an den Seiten, denn dort parken ständig Fahrzeuge. " Das ist das Problem in den allermeisten Straßen. Wie will man da schieben ?", erklärt Rathaussprecher Jan Hädrich.

Um die Ämter und Einrichtungen der Stadtverwaltung für die Bürger auch mit dem Pkw erreichbar zu machen, wurden angefallene Schneemassen von der Schloßfreiheit in den angrenzenden Schlossgarten verbracht. " Eine Entfernung des Schnees aus dem gesamten Stadtgebiet ist aus logistischer und finanzieller Sicht für kleinere und mittlere Kommunen wie die Stadt Zerbst nicht zu leisten. Dennoch werden durch die Stadt zusätzliche Maßnahmen ergriffen, um insbesondere Rettungswege für die Feuerwehr bestmöglich freizuhalten. Hierzu finden derzeit Ortsbesichtigungen durch die zuständigen Fachämter statt. "

Leser Hans-Joachim Fambach aus der Wachsbleiche hat beobachtet, wie Leute aus Richtung Kastanienallee zum Einkaufen in Richtung Dessauer Straße den Rephuns Garten durchqueren und an den drei Betonstufen zur Wachsbleiche hinauf " hinfliegen. Kann man da nicht auch mal räumen ? Und kann man da nicht auch mal ein Geländer anbauen ?" Für Hädrich ein " typischer Fall. Derartige Situationen schildern uns die Bürger, und wir gehen dem nach. Schauen uns das vor Ort an und suchen nach Lösungen. "

Lutz Büchler aus Zerbst fährt normalerweise mit dem Fahrrad durch die Friedrich-Naumann-Straße zur Arbeit. " Die linke Seite Richtung Bahnhof ist wunderbar von den Anwohnern beräumt, auf der anderen Seite vor dem Krankenhaus nicht. " Aus dem Zerbster Ordnungsamt wurde ihm empfohlen, auf dem Fußweg zu fahren. " Das Ordnungsamt könnte Bußgelder verhängen. Wenn man mal falsch parkt, passiert es gleich, aber jetzt ?" Er geht jetzt teilweise schon zu Fuß, weil die Radwege nicht frei sind und er auf der Straße nicht fahren möchte.

Was angesichts der Umstände nur zu empfehlen ist. Hädrich relativiert : " Wir haben Winter mit mehr Schnee als sonst. Dem entsprechend sind die Umstände. Die Hauptverkehrswege werden geräumt, man kommt gut durch die Stadt. In Nebenstraßenbereichen packen vielfach die Anwohner selbst an und räumen die Fahrbahn frei. "

In den Zerbster Ortsteilen sehen die Nebenstraßen aus wie in Zerbst. " Der Winterdienst wird entsprechend der Priorität vorgenommen wie in den vergangenen Jahren. Denn die Regelungen der jeweiligen Straßenreinigungssatzungen der Gemeinden mit den Bestimmungen zum Winterdienst gelten auch nach der Gemeindegebietsreform weiter ", erklärte Hädrich. Also auch hier : Winterdienst durch die Kommune in den Straßen, die wegen ihrer Verkehrsbedeutung dafür bestimmt sind. Alle anderen Bereiche bleiben sich selbst überlassen – also vor allem den Anwohnern.