Zerbst. " Ich möchte mich ganz herzlich bei Ihnen bedanken. Das war wirklich eine tolle Überraschung ", berichtete dieser Tage Gretchen Diem am Telefon. Die ältere Dame hat aus Bergisch Gladbach angerufen und war eine der glücklichen Empfängerinnen des " Ost-Paketes ". Die Volksstimme hatte im November des vergangenen Jahres, genau zur Zeit, als vor 20 Jahre die Mauer fiel, Leser aufgerufen, interessante, amüsante oder abenteuerliche Geschichten zum " West-Paket " zu schicken. Das nämlich war zu DDR-Zeiten millionenfach in Richtung Osten unterwegs.

An der Aktion beteiligte sich unter anderem auch die Familie Diem aus Leitzkau. Sie berichtete damals ausführlich, wie beispielsweise Blumenzwiebeln, die im Westen liebevoll in das Paket gepackt wurden, nie im Osten ankamen.

Für die viele Hilfe wollten sich die Leitzkauer nun bei den Bergisch Gladbachern bedanken.

Einen Tag vor Heiligabend brachte die Post die Überraschung pünktlich ins Haus. " Einige der Ostprodukte in dem Paket kennen wir auch hier im Westen, viele Sachen aber nicht ", berichtete Gretchen Diem der Volksstimme. Rotkäppchensekt oder die Fischbüchse aus Rügen waren den Diems im Westen relativ unbekannt. Halberstädter Würstchen dagegen standen schon häufiger auf dem Tisch der Familie.

" Dass wir damals unseren Verwandten im Osten geholfen haben, war und keine Last ", so Gretchen Diem. Im Gegenteil : Das Packen eines Westpaketes und das Verschicken war für die " Westler " immer eine Freude. Damit sie auch nichts falsch machten, hatten sie einen Handzettel parat, auf dem genau beschrieben war, was in die " Zone " geschickt werden durfte. " Aber trotzdem wurden die Pakete geöffnet, und viele Dinge erreichten nicht den Empfänger ", weiß Gretchen Diem zu berichten. Gerade in der Vorweihnachtszeit,

wenn Gewürze oder hochwertige Backzutaten eingekauft und verschickt wurden, verschwanden diese auf wundersame Weise aus den Paketen.

Was für viele junge Leute von heute kaum zu verstehen ist, bringt Gretchen Diem auf den Punkt : " Wir haben damals auch mehrmals die DDR besucht. Sie werden es kaum gauben, aber immer, wenn wir hinter der Grenze waren, hat man gesehen, dass man im Osten ist. Es war alles so trist und grau. "

Angst hatten die Diems auch vor der schikanenreichen Einreise. Die DDR-Grenzer waren dafür bekannt, nicht unbedingt die höflichsten zu sein. Schroffes Vorgehen bestimmte den Grenzübertritt. " Das war ein Graus, das kann ich Ihnen sagen ", erinnert sich die Frau aus Bergisch Gladbach.

Doch all das ist nun vorbei. Das Land – aber was noch viel wichtiger ist – die Familie ist wieder vereint.