Die ersten Familien in Zernitz verfügen bereits über einen schnellen Internetzugang. Per Funk können sie bequem durch das Netz surfen. Eine Einwohnerversammlung stellte den Anschluss vor. Der parallel tagende Ortschaftsrat ärgerte sich zudem über die Stadt Zerbst.

Zernitz. Ob Verwaltungsgemeinschaft Vorfläming, Elbe-Ehle-Nuthe oder in der Stadt Zerbst – Zernitz landet dank seines Anfangsbuchstabens immer am Ende. Zur Einwohnerversammlung konnte Ortsbürgermeisterin Birgit Jacobsen aber zufrieden ausrufen : " Die Letzten werden die Ersten sein …" Seit Donnerstag sind die ersten Familien in Zernitz ( und Umgebung ) mit schnellem DSL online. Funktechnik macht es möglich.

Birgit Jacobsen hatte sich über alle Bürokratie und langwierige Umfragen hinweggesetzt und Kontakt zur Firma Mancitynet aufgenommen. Das Unternehmen stellte sich am Donnerstagabend im Bürgerhaus Zernitz vor. Auf mitgebrachten Notebooks konnten die rund 30 Frauen und Männer die Schnelligkeit des Internetanschlusses gleich ausprobieren.

In dieser Woche ist der Techniker vor Ort und wird die Anschlüsse an den Häusern der Neukunden anbringen. Antenne und Router befinden sich in einem kleinen länglichen Kasten aus witterungsbeständigem Material. Vom Spitzberg aus wird das Signal gesendet. In Strinum ist beispielsweise die Antenne auf der Kirche direkt über der Ziffer 12 angebracht. Wer nicht danach Ausschau hält, wird die Antenne vermutlich nicht entdecken.

Es soll kein Risiko bestehen, dass zu viele Nutzer online sind und sich deshalb die Übertragungsraten rapide verschlechtern. Mehrere Geschwindigkeiten und Flatrates hat die Firma im Angebot. Diese wurden zur Einwohnerversammlung vorgestellt.

Die Ortsbürgermeisterin nutzte die Gelegenheit, sich bei der Familie Wörlitz / Bergholz zu bedanken, die auf der ersten Veranstaltung spontan ihr Dach für den Sendemasten zur Verfügung gestellt hat. Sie erhielten auch als Erste den Empfänger in Zernitz.

Parallel zur Einwohnerversammlung im großen Veranstaltungsraum des Bürgerhauses trafen sich die Mitglieder des Ortschaftsrates im kleineren Versammlungsraum nebenan. Gleich in ihrem ersten Bericht als Ortsbürgermeisterin musste Birgit Jacobsen von Diskrepanzen mit der Stadt Zerbst sprechen.

Auf den Einladungen zum Ortschaftsrat war das Zernitzer Gemeindewappen zugeklebt gewesen. Bei ihrer verärgerten Nachfrage in der Stadtverwaltung wurde Birgit Jacobsen auf die neue Hauptsatzung der Stadt Zerbst, beschlossen am 9. Januar 2010, hingewesen. Dort sei vermerkt, dass die Ortsteile " kein eigenes Wappen und keine Flagge als Hoheitszeichen führen ".

Hoheitszeichen kann nach der Eingemeindung nur das Zerbster Stadtwappen sein. Bei Eingemeindungen ist es deshalb üblich, dass die Ortsteile ihre Gemeindewappen als identitätsstiftendes Symbol weiter benutzen dürfen. Diese Aussage trifft auch der Gebietsänderungsvertrag zwischen Zernitz und Zerbst. In Paragraf 2 " Namen, Benennungen und Bezeichnungen von Ortsteilen " heißt es : " Die Ortschaft Zernitz führt das bisherige Wappen und die bisherige Flagge der bisher selbstständigen Gemeinde Zernitz als Ausdruck der Verbundenheit der Bevölkerung mit ihren Ortsteilen und deren Geschichte weiter. "

Das sei leider noch nicht alles, leitete Birgit Jacobsen zur nächsten unerfreulichen Nachricht aus der Stadt über. Es sei durchaus verständlich, dass die Feuerwehr der Stadt Zerbst eine einheitliche Satzung zur Regelung ihrer Rechte und Pflichten benötige. Aber das müsse den Verantwortlichen der Stadt auch schon bei Abschluss der Gebietsänderungsverträge klar gewesen sein. " Und doch ist die Feuerwehrsatzung die erste, die man aus dem Gebietsänderungsvertrag zwischen der Ortschaft Zernitz und Zerbst streicht. Die Satzung wurde zur Erhaltung über fünf Jahre in den Vertrag mit eingebunden ", setzte die Ortsbürgermeisterin hinzu.

Ratsmitglied Martin Reichel, der zur Sitzung nicht anwesend sein konnte, stellte zwei Anträge. Zum einen handelte es sich um Informationen zum Konjunkturpaket I und II und zum anderen um den Antrag, die Wahl des Stadtrates in Zerbst auf 2010 vorzuverlegen. Er begründete seinen Antrag mit der Durchsetzung der demokratischen Grundrechte.

Nach Diskussion im Ortschaftsrat wurde der Antrag jedoch abgelehnt, da die Weichen bereits 2009 für eine kooperative Zusammenarbeit mit der Stadt gestellt worden seien und diese ja auch auf den Sitzungen und in den Ausschüssen praktiziert werde.