Der Vogel des Jahres 2010, der Kormoran, hat nach den Teichen in der Umgebung nun auch die Zerbster Innenstadt für sich entdeckt. Am Alten Teich sitzen die Vögel auf einem Baum und jagen zuweilen in der Nuthe darunter.

Zerbst. " Große schwarze Vögel " sitzen seit einigen Tagen auf einem hohen Baum am Alten Teich. Es sind Kormorane – in ganz Europa verbreitete, fischfressende Vögel. " Ich habe sie seit etwa sieben Jahren im Winter immer schon mal hier beobachtet. Aber neuerdings übernachten sie auch auf dem Baum ", berichtet Winfried Ebenhan, Grundstücksnachbar des besagten Baumes am Alten Teich. " Die sind ganz arm dran in dieser Zeit, weil sie nicht einmal mehr zu ihren Schlafbäumen fliegen. "

Ebenhan hat völlig recht. Kormorane weichen von ihren bevorzugten Nahrungsgebieten – Standgewässer und die Elbuferbereiche – auf Fließgewässer aus, wenn Teiche und Seen zufrieren. Wird auch dort die Nahrung knapp oder schwer erreichbar, reduzieren die Vögel schlau ihren Energieverbrauch : Sie fliegen nicht mehr zu ihren Schlafbäumen zurück. Ebenhan sagt ‘ s anders : " Die haben mächtig Kohldampf. Denen geht es schlecht. "

Was mancher begrüßt. Der Kormoran konkurriert mit Fischereiunternehmen wie mit Anglern. Proteste und deutliche Aufforderungen an die Politik, den Bestand zu regulieren, sind seit Jahren die Regel. " Wir möchten ein ausgewogenes Maß, wollen ökologisch ausgewogene Verhältnisse in der Natur ", erklärte Axel Ritzmann, Geschäftsführer des Landesanglerverbandes. Grundsätzlich gebe es zu viele Kormorane. Weil er in ganz Europa verbreitet ist, sei dies auch ein " europäisches Problem. Maßnahmen zur Bestandsregulierung müssten auf europäischer Ebene vereinbart werden ", erklärte Ritzmann auf Volksstimme-Nachfrage.

Die hiesigen Angler betreuen auch die Fließgewässer im Zerbster Umland. Und verzeichnen " gerade im Winter, wenn die Kormorane in Massen kommen, tatsächlich erhebliche Schäden in den Fischbeständen ", wie der Zerbster Anglervereinsvorsitzende Michael Kirchner sagt. Manch junger, von den Anglern mit viel Hoffnung eingesetzter Fisch werde so zum " Frühstückshäppchen der Kormorane. Da kann sich kein Angler freuen. "

War der Vogel vor wenigen Jahrzehnten kaum anzutreffen, haben sich zwischenzeitlich die naturräumlichen Bedingungen, die Wasserqualität, die Fischbestände sehr zu seinem Gunsten entwickelt. Der Kormoran wird mancherorts als Plage betrachtet. Einst fast völlig ausgerottet, steht der Kormoran unter Schutz, obgleich die Population sich längst wieder gefestigt habe, wird argumentiert. Andererseits darf der Vogel mit spezieller Genehmigung vergrämt und sogar bejagt werden. 2008 und 2009 sind alle genehmigt geschossenen 95 Kormorane aus Sachsen-Anhalt in der Vogelschutzwarte Steckby untersucht worden. In den Mägen befanden sich 16 Fischarten, vor allem Stichling, Kaulbarsch, Plötze – alle zwischen drei und sechseinhalb Zentimeter lang. Keine der besonders gehegten Fischarten ( zum Beispiel Esche oder Barbe ) war darunter, wie Stefan Fischer, Mitarbeiter der Vogelschutzwarte, informierte.

Auch am Deetzer Fischereiteich knallt es manchmal. Die Kormorane werden zuweilen vertrieben, wenn sie sich zu arg in die Bestände begeben – für Teichwirtin Hannelore Sachse eine existenzielle Frage. Zum Thema Kormoran wird am kommenden Donnerstag um 21. 15 Uhr ein Beitrag im mdr-Fernsehen gesendet, in welchem sich neben Fischer auch Umweltminister Aeikens und die Deetzer Teichwirtin äußern.

• " Kormoran " stammt von " Corvus marinus " ( lat. ) ab und bedeutet " Meerrabe ". Der Kormoran gehört zur Ordnung der Ruderfüßer wie auch Pelikane und Basstölpel. Wegen der Schwimmhaut an den Füßen kann er hervorragend schwimmen und tauchen.

• Der Kormoran ist etwa 80 bis 100 cm groß und wiegt zwischen 1, 7 und 3 kg. Meist verhalten sich Kormorane ruhig. Nur an Brut- und Schlafplätzen geben die Vögel unterschiedliche Laute von sich. Kormorane fressen fast ausschließlich Fische und tauchen oft gemeinsam nach Nahrung.

• Kormorane sind Koloniebrüter, die meist auf höheren Bäumen brüten. Im Elbe-Saale-Winkel befand sich die einst größte Brutkolonie Sachsen-Anhalts ( 2002 : 300 Paare ). Waschbären lösten sie auf. Aktuell gibt es in Anhalt-Bitterfeld drei Brutkolonien : an der Goitzsche, bei Sandersdorf und bei Trebbichau. 2008 gab es 810 registrierte Brutpaare. Über den Winter 2007 / 08 wurden bis zu 3000 Tiere an den 135 Wasservogelzählgewässern Sachsen-Anhalts festgestellt.