Die Stadtväter machen sich Sorgen. Der Grund : Trotz der Eingemeindung zu Beginn dieses Jahres soll Prognosen nach die Einwohnerzahl in Zerbst weiter abnehmen.

Zerbst. Werden die Berechnungen eintreten, dann sinkt die Zahl der Einwohner in der Stadt Zerbst im Jahr 2025 wieder auf den Stand von vor mehr als 150 Jahren. Waren im Jahr 1871 nach Angaben des Zerbster Stadthistorikers Helmut Hehne genau 11 995 Menschen in der Nuthestadt registriert, sagt eine Prognose des Statistischen Landesamtes im Jahr 2025 wiederum 11 200 Einwohner in der Kernstadt voraus. Eine Tendenz, die auch vor dem Hintergrund von Eingemeindungen nur marginal auszugleichen ist. Schon vor Jahren haben sich Stadt und Ausschüsse mit dieser Prognose auseinandergesetzt.

Stoppen oder gar umkehren lässt sich diese Tendenz nach Ansicht von Experten nur, wenn sich die Bedingungen wieder ändern. Wegzüge aus der Stadt und eine höhere Sterbe- als Geburtenrate setzen die Grundlage für den negativen Trend.

Wurde früher von einer Alterspyramide gesprochen, bei der die Älteren gegenüber den Jüngeren in der Unterzahl waren, stellt sich das Bild heute mehr einem Baum oder einem Ampelmännchen dar ( siehe Grafik links ). Schwankungen aus der Historie sind klar zu erkennen und einzuordnen. " Der Lebensbaum, der sich hier abzeichnet, verdient den Namen eigentlich nicht. Was fehlt, ist die bereite Basis, der jugendliche Nachwuchs ", schreibt die Stadt Zerbst dazu auf ihrer Internetseite.

100 Jahre sind heute

keine Seltenheit mehr

Erkennbar wird, dass in Zerbst mehr Frauen als Männer leben. Neben den biologischen Ursachen und der durchschnittlich höheren Lebenserwartung – 100-Jährige sind heute viel häufiger als noch vor Jahren – sind dafür auch die Auswirkungen der beiden Weltkriege verantwortlich. Darauf verweist Hobbyhistoriker Helmut Hehne. " Ich weiß aus meiner Kindheit, dass die Jahre 1935 bis 1942 starke Geburtsjahrgänge und die Klassenstärken in der Schule sehr groß waren. Zudem machten sich die Flüchtlinge aus dem Osten langsam bemerkbar ", analysiert Hehne die Zahlen.

Vor allem am Ende des Zweiten Weltkrieges sind die Spuren in der Altersstruktur noch heute deutlich zu erkennen. Allein bei der Bombardierung der Stadt am 16. April ließen mindestens 570 Menschen ihr Leben, mehr als 200 Zerbster kamen nicht aus dem Krieg zurück. Hinzu kommt der Hungerwinter des Jahres 1946 / 47.

Mit der Pille gehen

Geburten stark zurück

Der nächste schmerzliche Einschnitt auf dem Gebiet der DDR war Ende der 1960 er Jahre zu verzeichnen, als die Antibabypille kostenlos verschrieben wurde. Daraus folgend gingen die Geburten in den 70 er Jahren stark zurück.

Vor allem soziale Unsicherheiten dürften zu dem Geburtenknick in der Nachwendezeit geführt haben. Erst Mitte der 1990 er Jahre ist in Zerbst wieder eine leicht positive Tendenz zu verzeichnen.