Was die Kinder freut, treibt Autofahrern, Fußgängern und Menschen, die auf der Straße arbeiten, den Schweiß auf die Stirn : So viel Schnee wie in diesem Jahr hat es seit mehr als 20 Jahren nicht gegeben. Eine Ausnahmesituation, auf die jetzt auch die Kommunale Beschäftigungsagentur des Landkreises reagiert hat.

Zerbst. " Stellen Sie sich mal diesen Unsinn vor ", berichteten am Freitagvormittag zwei Zerbster in der Redaktion. Die beiden wollten anonym bleiben, doch was sie erzählten, hörte sich zunächst wie ein schlechter Scherz an. Demnach sollten Ein-Euro-Kräfte am vergangenen Donnerstag im Zerbster Waldfrieden Schnee geschoben haben. Von dieser Arbeit berichteten gestern auch zwei Förster, die die Aktion am besagten Tag beobachteten. " Warum wird im Waldfrieden Schnee geschoben und nicht auf den Fußwegen der Stadt ?", wollten die Besucher von der Redaktion wissen.

Revierförsterin klärt

den Sachverhalt auf

Licht ins Dunkel brachte gestern die Revierförsterin beim Betreuungsforstamt Nedlitz, Rosemarie Eichhorn. " Der Einsatz der ABM-Kräfte im Wald ist im Moment nicht einfach. Man kann nichts machen. Wir wissen, dass es im Waldfrieden viele Spaziergänger gibt. Darum gab es die Anweisung, den Schnee dort zu beräumen. Alternativ hätten wir die Leute ansonsten nach Hause schicken müssen ", begründet die Revierförsterin die ungewöhnliche Maßnahme. An anderen Stellen als im Waldfrieden durften die Leute nicht eingesetzt werden.

Die Arbeiten in der Winterzeit von Ein-Euro-Kräften, die ansonsten beispielsweise für die Pflege der Grünanlagen tätig sind, kristallisiert sich in jedem Winter erneut zum Thema heraus. " Wir dürfen die Leute nicht anders beschäftigen als in der zugelassenen Maßnahme beschrieben ", klärte gestern auf Anfrage der Volksstimme Petra Lindner von der B & A Strukturfördergesellschaft Zerbst auf. Würden die Maßnahmeträger gegen die Vorgaben verstoßen, müsste das Projekt eingestellt und müssten Fördermittel zurückgezahlt werden.

Aber in diesem Jahr ist alles ein wenig anders, was mit den Massen an Schnee zu tun hat. Die Beräumung ist und bleibt eine Pflichtaufgabe der Kommune. ABM-Kräfte dürfen dafür nicht eingesetzt werden.

Einsatz in Zerbst

und den Ortsteilen

" Doch die Wettersituation derzeit ist wirklich außergewöhnlich. Aus diesem Grund hatten wir für die vergangene Woche von der Kommunalen Beschäftigungsagentur die Ausnahmegenehmigung erhalten, dass ABM-Kräfte auch mit der Schneebeseitigung beauftragt werden können ", berichtet Petra Lindner.

Das sei in Zerbst und in den umliegenden Orten, wo einzelne Projekte laufen, auch geschehen. So wurden beispielsweise die Schneemassen in Bushaltestellen abgefahren oder auch im Zerbster Schloßgarten die Wege beräumt – also ähnlich wie im Waldfrieden.

Nach dem Schnee kommt jetzt der Matsch. Zumindest in den nächsten zwei Tagen noch, bevor die Temperaturen wieder unter den Gefrierpunkt sinken werden. Die Folge : Das Wasser, das jetzt nicht abfließt, wird sich vermutlich schon morgen Abend zu einer spiegelglatten Rutschbahn verwandeln. Und das bis Monatsende, denn erst dann soll es wieder Plusgrade geben.