Zerbst ( am ). Die von den Stadtwerken in Zerbst betriebene Biogasanlage am Boneschen Weg hält die für einen korrekten Betrieb auferlegten Grenzwerte im Emissionsschutz ein. Das hat das Landesverwaltungsamt Halle auf Volksstimme-Anfrage mitgeteilt, nachdem der Aufsichtsbehörde die Auswertung von Kontrollmessungen aus dem Landesumweltamt vorgelegt wurden. Dessen abschließende Einschätzung hatte noch gefehlt, um den Betrieb der Anlage einschätzen zu können.

" Laut dem Bericht werden sämtliche im Genehmigungsbescheid festgesetzten Emissionsgrenzwerteeingehalten ", erklärte Denise Vopel, Pressesprecherin des Landesverwaltungsamtes. " Die strittigen Formaldehydemissionen betragen weniger als 40 mg / m. " Formaldehydemissionen, auch Grubengas genannt, entstehen im Gasereiprozess. Nach Betreiberangaben hat die Biogasanlage den Grenzwert des anfallenden Formaldehyds deutlich unterschritten. Aktuell dürfen nur 60 Milligramm je Kubikmeter anfallen, 2011 gar nur noch 40 Milligramm. Zeitweilig wurden 2009 nur 26 Milligramm erreicht. Um diesen niedrigen Wert dauerhaft sicherzustellen, wird in diesem Jahr in die Gasreinigungsanlage investiert.

" Es ist sehr gut, dass künftig die Belastungen für die Anwohner der Biogasanlage weniger werden ", erklärte Anwohner Udo Baake. Neben Geruchsbelästigungen und lange Zeit vor der eigenen Haustür vorbeibeiführendem Transportverkehr hatten vor allem auch die laute Schepperei und Klapperei bei der täglichen Beladung der Anlage den Anwohnern ganz schön den Nerv geraubt. Wenn die Technik mit mehr Fingerspitzengefühl bedient würde, könnte der Lärmpegel weiter auf ein erträgliches Maß sinken. Baake erkennt an, dass die Betreiber zahlreiche Schritte unternommen haben, um die kritisierten Umstände aus der Welt zu schaffen. Ob sie ausreichen, hat er noch seine Zweifel.

Bezüglich möglicher Geruchs- und Lärmbelästigungen weist das Landesverwaltungsamt ausdrücklich nochmals darauf hin, " dass sich die Bürgerinnen und Bürger bei Beschwerden direkt an das Landesverwaltungsamt wenden können ".

Im ersten Jahr hat die Biogasanlage nach Betreiberangaben zwischen 70 und 80 Prozent ihrer Leistung ausgeschöpft. Wegen Problemen mit dem biologischen Prozess war die Anlage im Frühsommer heruntergefahren worden. Bei konstanter Fahrweise und 7 500 Stunden Laufzeit werden im Jahr rund vier Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt. Das reicht, um 1 300 bis 1 600 Haushalte in Zerbst zu versorgen. Zugleich fallen im Jahr etwa 3, 8 Millionen Kilowattstunden Gas an. Damit können 600 bis 700 Wohnungen beheizt werden. Pro Tag wird die Anlage mit 27, 5 Tonnen Silage " gefüttert ". Jährlich sind das etwa 10 000 Tonnen Silage.