Mit seinem " Else " getauften Fahrrad erkundete Thomas Meixner 35 Länder auf fünf Kontinenten. Über dreieinhalb Jahre war der abenteuerlustige Wolfener unterwegs. Er tauchte ein in faszinierende Landschaften und fremde Kulturen. Im " Dorfkrug " Nutha ließ er am Sonntag zahlreiche interessierte Zuhörer teilhaben an seiner eindrucksvollen Weltreise.

Nutha. Kein Platz bleibt am Sonntagnachmittag im ausverkauften Saal des " Dorfkrugs " unbesetzt. Gespannt erwarten die vielen Zuhörer den Beginn der visuellen Weltreise, auf die sie Thomas Meixner mitnehmen will. Bevor die reich bebilderte Tour rund um den Globus beginnt, stellt sich der 45-Jährige seinem Publikum vor. Lächelnd erzählt er, wie ihn das Fernweh packte. Er arbeitete damals als Fahrradmechaniker in seiner Geburtsstadt Wolfen. Mal suchte ein Student ein Rad für eine Tour durch Norwegen, mal für einen Trip durch Mexiko. " Irgendwann hält man das nicht mehr aus ", sagt Thomas Meixner, der neben dem Abenteurer Rüdiger Nehberg den Bergsteiger Reinhold Messner als seine Inspiration nennt.

Der Entschluss war gefasst, mit Sydney als Austragungsort der Olympischen Sommerspiele das Ziel gefunden. Zum Glück seien die Wettkämpfe nach Australien gegangen und nicht an den Mitbewerber Berlin, " sonst wäre das eine Reise von nur einem Tag geworden ", bemerkt der Wolfener schmunzelnd. So sollte ihn sein Plan in drei Jahren, sieben Monaten und zwei Tagen durch 35 Länder und über fünf Kontinente führen. Doch die Statistik sei nicht wichtig, betont Thomas Meixner. Ihm gehe es darum, die Welt vom Fahrrad aus zu entdecken. " Man ist allem direkt ausgesetzt ", schwärmt er von der intensiven Erfahrung, die am 1. Mai 1998 begann.

Die Wohnung hatte er aufgegeben, schweren Herzens den Job gekündigt und sein Fahrrad in Anlehnung an einen " Dick und Doof " -Film auf den Namen " Else " getauft. Ohne Wasser und Proviant brachte " Else " bereits 73 Kilo auf die Waage ( vollbeladen waren es dann zwischen 85 und 90 Kilo ). " Da kamen erste Zweifel auf, doch die muss man wegdrücken ", sagt der 45-Jährige. Zumal die offizielle Verabschiedung schon organisiert war. " Muss i denn zum Städele hinaus ", stimmte der Wolfener Spielmannszug an, als sich Thomas Meixner in den Sattel schwang.

Über Polen näherte er sich dem Riesenreich Russland, das nicht nur wegen seiner gigantischen Dimensionen nachhaltigen Eindruck bei dem Weltenradler hinterließ. " Ich wurde von Hütte zu Hütte weitergereicht ", beschreibt er lächelnd die Gastfreundschaft, die zugleich eine gewisse Trinkfestigkeit voraussetzte. Neben Gratis-Wodka erhielt er auch den halben Liter Benzin für seinen Kocher im ganzen Land umsonst. In den USA sollte ihn die geringe Treibstoffmenge dank einer übellaunigen Amerikanerin derweil für eine Nacht ins Gefängnis bringen …

Mit dem Grenzübertritt nach China tauchte Thomas Meixner in eine völlig andere Kultur ein. Er ließ es sich selbstverständlich nicht nehmen, mal mit einer Rikscha zu fahren. Er blieb dann aber doch bei seiner " Else ", die auf der gesamten Tour um die 35 Reifen verschliss. Allein in Mexiko musste der versierte Mechaniker bis zu viermal täglich Reifen flicken. Das war jedoch nur eine eher geringere von vielen Herausforderungen.

Thomas Meixner musste auf seiner Reise mit 40 Grad im Schatten ebenso klarkommen wie mit Schneegestöber, Sandstürmen und Erdrutschen. Er quälte sich mit " Else " über verflüssigte Teerstraßen, Schlammpisten und 5 000 Meter hohe Berge. Er kämpfte in Indien gegen das Dengi-Fieber und überstand in Equador einen versuchten Raubüberfall mit zwei Platzwunden am Kopf. In Peru wanderte er den Inka-Pfad ab und erklomm in den südamerikanischen Anden den 6 310 Meter hohen Chimborazo.

" Die größe Kraftquelle waren die Menschen vor Ort ", erzählt Thomas Meixner von unvergesslichen Begegnungen. Zum Beispiel mit dem jungen Mönch in Lhasa, mit dem er Englisch übte. Er schwärmt von der locker-lässigen Art der Australier und schüttelt den Kopf über die penetrant neugierigen Inder. Der Globetrotter traf aber auch auf Gleichgesinnte, die ihn auf einem Teil der Strecke begleiteten, wie der Japaner Takeshi oder die beiden Leipziger Studenten Martin und Stephan. " Und es gibt noch Verrücktere ", zeigt er das Foto eines durch die Welt joggenden Franzosen.

Nach über zwei Stunden Dia-Vortrag ist völlig nachvollziehbar, warum Thomas Meixner über diese Reise sagt, dass sie die " Tour meines Lebens " war – zumindest bis jetzt. Das nächste Projekt steht kurz bevor. Am Gründonnerstag will er ins russische Wladiwostok aufbrechen – mit gut 13 000 Kilometern ein Kurztrip für den Weltenradler. Wer Lust und Zeit hat, kann ihn gern ein paar Tage begleiten.

www. thomasmeixner. de