Die Wolfsexperten Klaus Puffer und Sebastian Koerner suchen regelmäßig auf dem Truppenübungsplatz Altengrabow nach Spuren von Meister Isegrim. Losungen, Markierungen, Fährten und Fotos verschiedener Kameras geben Aufschluss über das Leben des kleinen Rudels. Sieben Wölfe leben derzeit auf dem Platz. Als im September 2008 ein Schaf aus einer Herde bei Nedlitz im Altkreis Zerbst gerissen wurde, war bald klar : Der Wolf lebt wieder in Sachsen-Anhalt.

Dörnitz / Nedlitz. Spuren im Schnee verraten : Hier zog ein Wolf durch den Wald. Seine Pfotenabdrücke sind nicht einmal 24 Stunden alt. Die Fährte ist noch deutlich zu erkennen. Im geschnürten Trab lief er über den Truppenübungsplatz Altengrabow. Schnell holt Sebastian Koerner einen Zollstock aus dem Auto. Der Biologe arbeitet für das Wildbiologische Büro " Lupus " in Spreewitz. Seit der Wolf auch in der Region heimisch ist, schaut der 47-Jährige hier regelmäßig vorbei. Dass sich der Wolf in Jerichower Land, Anhalt-Bitterfeld und Brandenburg aufhält, ist schon seit Längerem klar. Als ein Schaf aus einer Herde nahe dem Flämingort Nedlitz gerissen wurde, war offensichtlich, dass der scheue Isegrim hier auch lebt. Gefahr besteht dennoch nicht. Dem Menschen weicht der Wolf aus.

Mit Klaus Puffer, Wolfsbeauftragter des Bundesforstbetriebes Nördliches Sachsen-Anhalt, geht Sebastian Koerner auf Spurensuche. " Der Schnee ist dabei optimal für uns ", erklärt er bei einer Rundfahrt über den knapp 10 000 Hektar großen Platz.

Die gemessene Schrittlänge der Fährte ist genau 1, 38 Meter lang. " Das war sicher der alte Rüde ", bemerkt Klaus Puffer. Vielleicht waren auch die Fähe ( weiblicher Wolf ) und Jungtiere dabei. Doch ihre Abdrücke sind schwer zu erkennen. Oft laufen die Tiere in einer Spur. Erst später kann sich die Fährte in mehrere aufteilen.

Sebastian Koerner und Klaus Puffer setzen sich wieder in ihren Geländewagen. Die Spur im Schnee ist zwar ein schöner Hinweis auf die Tiere, reicht den Experten aber längst nicht. Während sich der Bundesforstmitarbeiter auf den Weg konzentriert und das Auto durch den hohen Schnee lenkt, schaut der Biologe aus Sachsen aufmerksam aus dem Fenster. " Stopp. Hier ist was ", ruft er plötzlich. Und tatsächlich, mitten auf dem Weg liegt Losung ( Kot ). " Das ist typisch für den Wolf ", meint Klaus Puffer, während sein Kollege schon die Kamera zückt. Jetzt wird alles genau festgehalten, der Fundort protokolliert, Beweisfotos geknipst. Mit einem GPS-Gerät bestimmen die Männer auf fünf Meter genau den Ort. Zeit und Aussehen des Fundes werden ebenso notiert wie die Beschaffenheit des Geländes.

Mit einem Messer versucht Klaus Puffer die 32 Zentimeter lange, gefrorene Hinterlassenschaft zu zerteilen. Zwei kleine Stücke versenkt er in zwei Bechern mit einer 96-prozentigen Alkohollösung. " Die kommen zur Bestimmung der Genetik nach Frankfurt ", erklärt Sebastian Koerner. Den Rest tüten die Männer ein. Diese Stücke sollen in Görlitz genauer unter die Lupe genommen werden. Die Untersuchung soll klären, welche Nahrung der Wolf aufgenommen hat. " Vermutlich Schwarzwild ", meint der Wolfsbeauftragte schon nach einem kurzen prüfenden Blick. " Die Borsten sind noch deutlich zu erkennen. " Dass die Losung von einem Wolf stammt, scheint also sicher. " Sie riecht auch so ", erklärt Puffer, nachdem er seine Nase noch einmal in die Tüte steckte. Auch das gehört zum Job als Wolfsbeauftragter.

Noch ist die Losung offiziell nur ein Hinweis auf Meister Isegrim. Erst wenn die Untersuchungen des Senckenberg-Museums diesen bestätigen, gilt es als Nachweis.

Einen sicheren Beweis für die sieben Wölfe auf dem Truppenübungsplatz liefern fest installierte Kameras. Sechs Stück davon hat das Büro " Lupus " im Auftrag des Landesamtes für Umweltschutz ( LAU ) auf dem Platz angebracht. Versteckt an Bäumen reagieren diese auf sich bewegende Wärmequellen. So gelang auch ein Schnappschuss mit mehreren Jungtieren an einer Wasserquelle. Im Dezember entstanden sogar Aufnahmen der Tiere im Schnee. Und die Bilder auf dem Chip zeigen noch mehr. " Hier leben sämtliche Waldtiere, ja sogar Seeadler, im Einklang mit der Natur ", berichtet der Experte aus Spreewitz. Mindestens einmal im Monat kommt er nach Dörnitz, um die Fotofallen zu überprüfen und die Chips zu wechseln. Geplant ist auch, einige Wölfe mit einem Sender auszustatten. Aber das wird vielleicht erst im nächsten Jahr möglich. Wolfsmonitoring, wie es in der Fachsprache heißt, ist eben auch immer eine Frage der Finanzen. Mit dem Sender wäre es möglich, die Wanderung der Tiere zu verfolgen.

Die nächsten Jungtiere werden im Frühsommer dieses Jahres erwartet. Doch auch wenn sich die Tiere vermehren, zu viele wird es von ihnen auf dem Truppenübungsplatz wohl nie geben. " Wölfe leben in Territorien, die sie vehement gegen andere Artgenossen verteidigen. Neue Tiere ziehen dann weiter ", sagt Sebastian Koerner. " Schon deshalb ist ein Abschuss nicht notwendig. "

Wölfe leben wie eine kleine Familie. Eine Rangordnung wurde nur bei Tieren in Gefangenschaft nachgewiesen. Auch haben sie keine natürlichen Feinde. " Ihr Bestand wird vom Nahrungsaufkommen reguliert ", klärt der Biologe auf. Und Klaus Puffer fügt an : " Niemand muss Angst vor dem Wolf haben. Der Mensch steht nicht auf seinem Speiseplan. "