Wie die Großen lernen, das konnten die Kleinen gestern erleben. Hautnah, denn das Zerbster Gymnasium Francisceum hatte das Haus in der Jeverschen Straße für die künftigen Schüler der Klasse 5 geöffnet. Sie nahmen den ganzen Tag über am Schnupperunterricht teil.

Zerbst. " Wisst ihr, was der Unterschied zwischen Geschichten und Geschichte ist ?" Mit solchen und anderen interessanten Fragen machte Geschichtslehrer Günther Krüger seinen Unterricht bei den Noch-Grundschülern

schmackhaft. Gemeinsam mit den Kindern der Klasse 7 / 1 flogen sie im Schnelldurchlauf von der Menschwerdung bis zur heutigen Zeit. Dabei spielte auch das Gymnasium keine unwesentliche Rolle, das nämlich auch sehr geschichtsträchtig ist.

Im Kunstunterricht der Klasse 5 / 2 gab es zu Beginn der Stunde ein großes Hallo. Der Grund : Dort trafen die jetzigen Grundschüler auf ehemalige Grundschüler. Damit war die Brücke geschlagen und der " interne Austausch " folgte : Was macht ihr hier so ? Sind die Lehrer nett ? Ist das hier anstrengend ? Wenn Schüler Schülern die Schule erklären, dann erfolgt das grundehrlich und ohne rosa-rote Brille.

" Ich bin mit dem Tag sehr zufrieden ", resümierte am Nachmittag Veronika Schimmel, stellvertretende Schulleiterin. " Ich hoffe, das haben die Kinder genauso empfunden. " Das haben sie, denn die Herzlichkeit, die Freundlichkeit und das Gefühl, hier " zu Hause " zu sein, wurde ihnen zu jedem Moment vermittelt.

Der Tag begann mit einem Programm der 6. Klassen. " Das war echt toll ", freuten sich Jennifer, Christopher, Peter, Helene, Natalie und Hanna aus der Ankuhner Grundschule. Anschließend wurden kleine Gruppen gebildet, die von Schülern der Oberstufe durch das Haus und in den Unterricht geführt wurden. Dort durften sie mehr oder weniger mitmachen, was trotz des Alters- und Wissensunterschiedes recht gut klappte.

" Wir bemühen uns sehr, die Schüler für die Sekundarschule und für das Gymnasium vorzubereiten, damit der Anschluss wirklich nahtlos klappt ", berichtete Silke Fandrich, Lehrerin in der Grundschule im Ankuhn. Ähnliches bestätigte gestern Veronika Schimmel. Auch die Doppelstunden, die das Gymnasium inzwischen praktiziert, sind für die Grundschüler nichts Ungewöhnliches, wohl aber in der Intensität. " Ich denke, das ist zu verkraften. Rund 90 Prozent unserer Schülerschaft haben sich damit angefreundet ", so die stellvertretende Schulleiterin. Viele sehen darin auch einen Vorteil, weil eine intensivere Stoffvermittlung möglich und ein dauernder Raumwechsel mit einer Fächerumstellung ausgeschlossen ist.

Am Abend waren auch die Eltern der künftigen Fünftklässler eingeladen. Schulleitung und Gäste kamen dabei ins Gespräch ; das Konzept der Ganztagsschule wurde nur angerissen. " Erst wenn wir grünes Licht dafür haben, wollen wir in die Offensive gehen ", so Veronika Schimmel.

Im Großen und Ganzen ein gelungener Tag. Nur eines fanden die Grundschüler ungewöhnlich : Das Frühstück mussten sie im Stehen auf dem Hof einnehmen und nicht wie in der Grundschule gewöhnt im Klassenraum. " Ja, wir kennen diese Kritik und sind da offen. Diese Frage ist noch nicht endgültig geklärt ", informiert die stellvertretende Schulleiterin.