Zerbst / Köthen ( mz / mb / ar ). Geht es nach der Witterung, so ist kaum die Zeit, über Radfahren oder gar Radtourismus zu sprechen. Geht es nach der Wirkung, die man mit einem gut organisierten und ausgestatteten Radtourismus erzielen kann, so ist immer die Zeit dafür.

Abgesehen davon werden die Grundsteine für den Erfolg in diesem Segment ohnehin in der Jahreszeit gelegt, die Zeit lässt, sich strategisch mit Radtourismus oder Radwegen zu befassen. Oder mit den sinnhaften Feinheiten, mit denen man sich aus der Masse der Kreise oder Orte herausheben kann, die von Reisenden zu Rade profitieren wollen.

Lob für

Dienstleistung

Der Kultur- und Tourismusausschuss des Kreistages Anhalt-Bitterfeld hat sich in seiner ersten Sitzung des Jahres 2010 mit dem Landesradverkehrswegeplan beschäftigt, der Ende 2009 schon Thema im Bauausschuss war.

Kulturausschuss-Chef Ronald Mormann ( SPD ) und Landkreis-Mitarbeiter Hans-Ulrich Reisbach konnten mit einiger Zufriedenheit registrieren, dass die einst von ihnen auf den Weg gebrachten Fahrradgaragen in Köthen und Reppichau sich zu einem Renner entwickelt haben und bei den Radlern aus der Ferne jede Menge Dankbarkeit hervorrufen.

Das sei, so Reisbach, Experte auf dem Gebiet des Radtourismus, auch nachvollziehbar. Oft wisse der mit Sack und Pack reisende Radler bei einem Besuch in der Stadt nicht, wo er seinen Kram lassen solle, damit er ihm nicht abhanden kommt.

Für Gruppen hieß das immer : Fünf Mann essen, einer passt auf. Mit den acht nicht einsehbaren Garagen am Köthener Schloss ist dieses Problem erledigt, noch dazu muss man für die Nutzung nichts aufwenden, als eine Münze zu opfern, die man – vergleichbar einem Garderobenschrank im Hallenbad – zurückerhält, wenn man weiterfährt.

Über derlei Annehmlichkeiten zu reden, war auch daher Grund, weil Reisbach den Ausschuss über den Landesradverkehrswegeplan aus Anhalt-Bitterfelder Sicht informierte. Das Ganze geschah zwar im Friedensfahrertempo, dennoch war deutlich zu erkennen, dass sich hierbei für ABI auf einem über Jahre hinweg gelegten Fundament weiterhin erfolgversprechende touristische Ansätze ergeben.

180 Kilometer

überregionale Radwege

Sachsen-Anhalt, resümierte Reisbach, sei eines der letzten Bundesländer, das sich einen solchen Plan gebe – dabei reichen die Vorbereitungen dazu bis ins Jahr 2006 zurück. Damals waren die ersten Zuarbeiten abgefordert worden, aber in den Jahren 2007 und 2008 habe sich bei Workshops zum Abgleich und zur Aktualisierung der gesammelten Daten herausgestellt, dass die Informationsgebung überall unbefriedigend erfolgt war – aus Bitterfeld sei gar nichts gekommen, aus Zerbst ein bisschen und auch für den Bereich Köthen habe man Lücken feststellen müssen.

2009 habe man dann nach einer Anhörung Ende Juli nochmals Kommunen und Verwaltungsgemeinschaften anschreiben und um Daten bitten müssen. " Da wurde es dann knapp, denn bis September mussten die Informationen in Magdeburg vorliegen. "

Die Krise hat dem Radtourismus in Anhalt-Bitterfeld nicht geschadet. Der Boom sei ungebrochen, stellte Hans-Ulrich Reisbach von der Landkreisverwaltung fest, vor allem auf Flussradwegen. Statistische Erhebungen haben für den Juli 2009 ergeben, dass der Elberadweg ( 30 Kilometer davon in Anhalt-Bitterfeld, von Ronney bis " Mutter Sturm " bei Aken ) von rund 10 000 touristischen Radlern genutzt wurde. Pensionen wie " Drei Kastanien " in Aken seien gut gebucht gewesen. Es gibt Überlegungen, die " magische Anziehungskraft des Wassers " späterhin mit einer Vier-Flüsse-Tour entlang von Elbe, Mulde, Fuhne und Saale zu nutzen.

An touristisch bedeutsamen Radwegen gibt es in Anhalt-Bitterfeld 40 Kilometer des Europa-Radweges R 1 ( zwischen Frenz und Aken ), 20 Kilometer Muldetal-Radweg ( zwischen Pouch und Burgkemnitz ), dazu kommen die Nord- und Südspange ( 60 beziehungsweise 30 Kilometer ) des Lutherweges. Insgesamt gibt es in Anhalt-Bitterfeld 180 Kilometer überregionale Radwanderwege.