Zerbst. " Guten Morgen allemann. Das sag ‘ ich nur beim ersten Mal. " Willi Saar, seit 62 Jahren Mitglied im Zerbster Anglerverein organisiert, begrüßt am frühen Sonnabend 15 durchweg junge Leute im Saal der Kreisvolkshochschule. " Das nächste Mal grüßen wir uns mit Petri Heil. So, wie das die Angelfreunde stets höflich und freundlich tun. " Die erste " Lektion " galt also mal noch nicht der Gerätekunde – das eigentliche Thema des versierten, fachlich überaus geachteten Petrijüngers.

Seit über 50 Jahren gibt Willi Saar sein Wissen bereits an die jungen Leute weiter. Zu DDR-Zeiten war er unter anderem auch Übungsleiter bei den Kursen zur Raubfisch- und Salmonidenqualifikation – dem so genannten " Raubfischschein ". Die Unterscheidung in Raub- und Friedfischangelscheine gibt es heute nicht mehr. " Ist beides im Anglerschein enthalten. "

Und den kann man im Zerbster Raum im Zuge von zwei Schulungszyklen erhalten. Im Frühjahr und im Herbst bietet die Kreisvolkshochschule in engster Zusammenarbeit mit dem Anglerverein Zerbst e. V. einen Vorbereitungskurs an. Wer diesen Kurs erfolgreich absolviert hat, kann sich zur Fischereischeinprüfung bei der Landkreisverwaltung anmelden. Mit dem Fischereischein wiederum kann man ein Angelgewässer pachten oder sich als geschulter Angler ausweisen, um an einem bewirtschafteten Gewässer zu angeln.

Zuvor aber zurück in die Gerätekunde-Stunde von Willi Saar. Ruten sind " der verlängerte Arm des Anglers ", drauf gekommen sind übrigens die Chinesen vor rund 4000 Jahren. Sie verwendeten ihren Bambus, in Europa wurde der Haselnusszweig bemüht.

Saar erklärt die Bestandteile und Ausfertigungen von Angeln. Vom wichtigsten – dem Haken – über das Vorfach, die Pose, die Schnur, die Rolle. Äußerst kurzweilig und mit Tipps garniert trug der 77-Jährige vor. Wo die Rolle beim Fliegenangeln angebracht ist, sei eine beliebte Prüfungsfrage. Und Luxus-Angeln aus Karbon leiten elektrischen Strom. Vorsicht also bei Gewitter – und unter Freileitungen. Zwar hat kaum jemand derart teure Angelausstattung, " doch mal sollte davon gehört haben ".

Die Angelschein-Vorbereitungskurse sind gut besucht. Lediglich einmal, so Saar, im Herbst 2007, sei ein Kurs ausgefallen. " Damals sind die Loburger weggegangen und alles war ein bisschen durcheinander wegen der Kreisreform. " Am Sonnabend saßen 15 der angemeldeten 24 Teilnehmer pünktlich in den Bänken, bezahlten zuvor ihre 50. 40 Euro Teilnehmergebühr. Zwei kamen sogar noch kurzfristig hinzu. Am kommenden Sonnabend – der Kurs geht über 36 Stunden an sechs Sonnabendvormittagen – dürften dann auch die diesmal wegen der Ferien entschuldigt Fehlenden anwesend sein. " Einmal darf man fehlen, denn 30 Unterrichtsstunden sind vom Gesetzgeber vorgeschrieben ", erklärt Volkshochschul-Mitarbeiterin Karin Brühl. Wer die Stunden nicht nachweisen kann, wird nicht zur Prüfung zugelassen. Die wiederum findet bereits am 20. März statt. Bis dahin werden neben Saar noch Kurt Zebisch in Gewässerkunde und Michael Kirchner in Fischkunde und Gewässerkunde unterrichtet haben.