Zerbst. " Das Rückhaltebecken wird auf jeden Fall in diesem Jahr neu gebaut. " Bernd Köhler, zuständiger Bauamtsmitarbeiter im Zerbster Rathaus, wartet auf einen beschlossenen Haushalt. Mit Rückhaltebecken meint er die verfallene Grube zwischen Karl-Marx-Straße und Bahnanlage, im Grünstreifen neben dem Fußweg. Das Becken soll Regenwasser zwischenspeichern, weil das Rohr Richtung Käsperstraße große Güsse nicht verkraftet. Doch Rohre und Becken sind verrottet. Der Regen steht auf der Straße.

Im Haushaltsentwurf 2010 sind laut Köhler neben dem obligatorischen " Geld für Kleinreparaturen an Schächten und Kanaleinläufen " auch Mittel für die Sanierung der allernötigsten Bereiche des Zerbster Regenkanals enthalten. " 81 000 Euro für zwei Stücken von 70 und 50 Metern in der Neuen Brücke und in der Langen Straße. Es kommen sicherlich weitere Kanalabschnitte hinzu, wenn wir uns mit den Baumaßnahmen des Wasser- und Abwasserverbandes koordiniert haben. "

Koordinierte Sanierung

Der hat in seinem Wirtschaftsplan 2010 Abwasserkanalbau in der Lepser Straße, der Kastanienallee, der Luther-Promenade und auf dem Markt vorgesehen. " Hier soll natürlich auch der Regenkanal der Stadt mit erneuert werden ", erklärt Köhler. " Wir müssen zusehen, das koordiniert zu bekommen. " Im Wasser- und Abwasserzweckverband denkt man genauso. Wenn im städtischen Haushalt 2010 die Neue Brücke und die Lange Straße als dringendste Regenkanal-Baustellen aufgeführt werden, schließt sich der Abwasserkanalbau an. Hierfür sind beim AWZ für 2010 insgesamt 486 000 Euro vorgesehen.

Eine mehrjährige Untersuchung hatte ergeben, dass 53 Prozent des Zerbster Regenkanalsystems umgehend erneuert werden müsste. Kameras wurden durch die Rohre geschickt. Jeder Riss, jede Spalte, jede Scherbe, jede Wurzel und jeder defekte Schachteinlauf wurden registriert. Und es gibt " neuralgische Bereiche ", an denen die Kamera nicht mehr vorwärts kam. Wo die sind, erfährt die Stadt bei Regen : In der Karl-Marx-Straße, der Jeverschen Straße, in der Kastanienallee, der Neuen Brücke, am Fischmarkt, in der Käsperstraße. Auch in der Grünen Straße und somit der beinahe einzigen Straße im Ankuhn mit Regenkanal kam die Kamera nicht durch.

" Regenwassergeld "

Zur Beteiligung an den Kosten der Regenkanalsanierung ist eine alte Idee neu im Gespräch. Die " Niederschlagsentwässerungsgebührensatzung ". 2005 hatte sich der Stadtrat nicht durchringen können, den Betrag von seinerzeit 45 000 Euro ( der jährliche Betrag, den die Stadt in die Unterhaltung des Regenkanalnetzes steckte ) von den Grundstückseignern abzufordern. Angesichts des Sanierungsstaus steht die Neuvorlage jedoch kurz bevor. Einen Obolus soll entrichten, wer Oberflächenwasser in die öffentliche Regenkanalisation einleitet. Die Gebühr soll aus Kostengründen zusammen mit dem Grundsteuerbescheid erhoben werden. Folglich wäre frühestens 2011 mit einer Gebühr zu rechnen. " Wir haben jetzt aber auch die ehemaligen Gemeinden mit im Boot. Von denen müssen wir noch die Ist-Daten erheben, was ja in Zerbst bereits einmal erfolgt ist. Doch auch diese Daten müssen aktualisiert werden. Ich denke, es wird wohl erst 2012 zu einer solchen Gebühr kommen – natürlich vorausgesetzt, der Stadtrat beschließt die Satzung ", schätzt Köhler.