Als Zwischenbericht nach der Feuerwehrfusion zum Jahresbeginn gedacht, endete der dem Hauptausschuss vorgetragene Brandschutzbericht von Stadtwehrleiter Jürgen Dornblut dramatisch. Er könne die Einsatzbereitschaft nicht garantieren, wenn ihm nicht einmal allernotwendigste Mittel zur Ersatzbeschaffung zuerkannt würden. Tatsächlich sind 19 300 Euro ( der Betrag der einstigen Feuerschutzsteuer ) im Haushalt enthalten, stehen aber unter Sperrvermerk.

Zerbst. Die Feuerwehr der Stadt Zerbst ist permanent unter Druck. Stadtwehrleiter Jürgen Dornblut schilderte in dieser Woche dem Haupt- und Finanzausschuss sehr eindringlich den Verlauf des ersten Quartals der großen städtischen Wehr. Allein die Daten zu Beginn ließen eher auf einen Kreisfeuerwehrverband schließen : über 600 aktive Kameraden, 30 Gerätehäuser. Die kommen zusammen, wenn man die Bestände der 21 ehemaligen Gemeinden und der einstigen Stadt Zerbst in eine geeinte Struktur zusammenzieht. Das ähnelt dem gesamten Landkreis Friesland, meinte Dornblut nüchtern.

Die drei Monate waren voller Arbeit. Erste Hürde war die neue Feuerwehrsatzung, die von einer kleinen Gruppe Kameraden erarbeitet, dann vom Stadtrat beschlossen wurde. Daraus konnten sich Wahlen begründen, so dass die Führung der Wehr nun regulär auch einen Stellvertreter und einen Stadtjugendwart hat.

Dann war umzuziehen. Dornblut als Stadtwehrleiter räumte dem neuen Zerbster Ortswehrleiter Steffen Schneider das Büro, zog selbst in die Multifunktionsräume über der Jugendfeuerwehr. Dort soll im Katastrophen- und Großschadensfall eine Stabs- und Führungsstelle ihren Sitz nehmen können und die technische Einsatzleitung erfolgen.

Die kleine Gruppe, die bereits die Feuerwehrsatzung ausformulierte und auf Ausgewogenheit achtete, nahm sich dann der Feuerwehrkostensatzung an. So können kostenpflichtige Einsätze auch abgerechnet werden. " Die nächste und größte Aufgabe wird die Anfertigung der Risikoanalyse sein ", so Dornblut. Bis Jahresende muss das Werk fertig erstellt sein, und das will etwas heißen. Sämtliche Strukturen, jeder Meter Straße, jedes konzentrierter bewohnte oder belebte Gebäude – einfach alle feuerwehr-relevanten Gegebenheiten sind darzustellen, um daraus die nötige Brandschutztechnik und -Ausrüstung abzuleiten. " Hier benötigen wir die zügige Zuarbeit der Fachämter der Stadtverwaltung. "

Auch Angaben zur jeweiligen Löschwassersituation und zu den Rettungszufahrten sind wichtig. Aus allen Daten und Angaben entsteht ein Bild über die Hilfsfristen zum konkreten Objekt : Wann ist die Wehr tatsächlich da ? Wann ist sie schlagkräftig ? Was muss sie mitführen ?

Die Risikoanalyse muss jede einzelne Ortswehr einbeziehen. Sie dürfte gravierende Entscheidungen auslösen, denn es ist mit erheblichen Notwendigkeiten an der einen Stelle und nicht minder erheblichen Überausstattungen an anderen Stellen im Stadtgebiet zu rechnen. Wie sich Technikumsetzungen oder die Verknüpfung von Einsatzbereitschaftszeiten von Kameraden aus verschiedenen Ortswehren auswirken, ist also abzuwarten.

Da braucht es nicht auch noch Streit ums Geld. Der keimte in derselben Haupt- und Finanzausschusssitzung kurz auf, als die im Vermögenshaushalt mit Sperrvermerk versehenen 19 300 Euro zur Sprache kamen. Dornblut hat einen Pfl ock eingerammt : Wenn Ausgaben, die der Einsatzbereitschaft dienen, nicht getätigt werden, " kann ich die Gesamtverantwortung für den Brandschutz der Stadt nicht mehr allein tragen ".