Jeden Dienstag tauchen die Drei- bis Sechsjährigen des Garitzer " Spatzennestes " in eine rhythmische Klangwelt ein. " Musisch-ästhetische Bildung ", kurz MäBi, heißt das Projekt, das nun im zweiten Jahr an der Kita der Volkssolidarität läuft. Partner ist die Zerbster Kreismusikschule " Johann Friedrich Fasch ".

Garitz. Ausgelassen tanzen die Steppkes der Wichtelgruppe durch den sonnengelben Raum. Sobald die Orchestermusik verstummt, verharren sie lachend mitten in der Bewegung. " Die Kinder lieben den Stopptanz ", erzählt Elke Wollschläger. Jeden Dienstag kommt die Gitarrenlehrerin der Zerbster Kreismusikschule " Johann Friedrich Fasch " für zwei Stunden an die Garitzer Kita. In der Zeit versucht sie, die Drei- bis Sechsjährigen auf vielfältige Weise an die Musik heranzuführen.

Spielend, tanzend und sogar malend tauchen die Mädchen und Jungen in eine fröhliche Welt der Klänge ein. Nebenbei lernen sie nicht nur verschiedene Instrumente kennen und entwickeln motorische Fähigkeiten. Rhythmus- und Taktgefühl werden bei der musischästhetischen Bildung ebenso gefördert wie Konzentration und Ausdauer, erläutert Elke Wollschläger, während sie letzte Vorbreitungen trifft. In einem Halbkreis stellt sie die hölzernen Kinderstühle auf, auf denen kurz darauf die Garitzer " Wichtel " Platz nehmen. Den Drei- und Vierjährigen folgen später die Fünf- und Sechsjährigen der Koboldgruppe. " Wer mal keine Lust hat, braucht nicht mitzumachen ", bemerkt Kita-Leiterin Silke Habelmann. Dem Nachwuchs macht das Projekt jedoch viel zu viel Spaß, als dass sie sich das bewegungsreiche Angebot entgehen lassen. " Ich finde es wichtig, dass sich die Kinder bewegen und sie genießen es auch ", sagt Elke Wollschläger.

Mit strahlenden Augen und ganzem Körpereinsatz lassen die " Kobolde " die bunten Tücher zur flotten Musik energisch durch die Luft tanzen. Als das Tempo abflaut, bewegen sie sich wie in Zeitlupe. Mit gleichem Elan haben die " Wichtel " auf dem Bauernhof mitgeholfen. Sie ziehen an imaginären Kuheuter, schwingen die unsichtbare Mistgabel und drehen am Lenkrad des fiktiven Traktors. Zwischendurch werden lustige Geräusche geraten.

Gleich zu Beginn haben die Steppkes bereits selbst Geräusche fabriziert. Beim " Begrüßungslied " schnappt sich jedes Kind immer ein Instrument. Nacheineinder werden Triangel, Ratsche, Tamburin, Glocken usw. begrüßt. Dabei spielt jeder Mini-Musiker erst ein dreitaktiges Solo, bevor am Ende alle gemeinsam musizieren. Klanghölzer, Rasseln und Kastagnetten ertönen da als schwungvolles Orchester.

" Ich bringe auch mal eine Geige zum Ausprobieren mit ", berichtet Elke Wollschläger, die ihre Gitarre stets mit im Gepäck hat, wenn sie die Kita besucht. Aber auch ein Akkordeon oder eine Flöte holt sie ab und zu hervor, um den Mädchen und Jungen die Scheu vor den Instrumenten zu nehmen und sie motivieren, eines Tages eines zu erlernen. " Bei den Älteren versuche ich auch, das Verständnis für Noten zu entwickeln ", ergänzt die Musikpädagogin. Sprungseile werden dann zu Notenlinien, in deren Zwischenräume die Kinder hin und her hüpfen, wenn sie nicht zu Stift und Papier greifen und notengleich Gesichter zwischen Notenlinien malen. " Das fördert die Feinmotorik ", bemerkt Elke Wollschläger.

Nicht zu vergessen zu erwähnen sind die musikalischen Geschichten, bei denen das schauspielerische Talent der Mädchen und Jungen gefragt ist. Die " Kobolde " und " Wichtel " lieben besonders die Erzählung vom Huhn Hattie, das einen Fuchs im Gebüsch entdeckt, der am Ende vom lautstarken " Muh " der Kuh verjagt wird, in das alle Steppkes fasziniert einstimmen.

Kita-Leiterin Silke Habelmann ist ebenfalls von MäBi begeistert. " Ganz toll " findet sie vor allem, dass es sich um ein kostenloses Angebot handelt, somit jedes Kind teilnehmen kann und keines benachteiligt wird. Ermöglicht wird das durch die Förderung von Seiten des Kultusministeriums des Landes. Träger des Projektes ist der Landesverband der Musikschulen Sachsen-Anhalt e. V. Die Mitgliedsschulen setzen es vor Ort um. Dank der Finanzierung von insgesamt vier Wochenstunden führen die Zerbster Musikschulpädagogen neben dem Garitzer Nachwuchs auch die Drei- bis Sechsjährigen der Lindauer Kita auf unterhaltsam-lehrreiche Art an die Musik heran.