Das Zerbster Traditionsunternehmen Wema wird die im vorigen Jahr ausgebrochene und noch nicht überwundene, tiefgreifende Wirtschaftskrise aus eigener Kraft meistern. Davon geht Geschäftsführer Dieter Fischer aus. Noch bis Anfang 2011 wird die Firma Kurzarbeit in Anspruch nehmen. Es gibt einen strikten Sparkurs. Betriebsbedingte Kündigungen gab es bisher nicht. Inzwischen wächst das Auftragsvolumen wieder an.

Zerbst. Noch in diesem Jahr wird die Wema die 1997 in der Nachbarschaft gegründete Firma Siro / Blechbearbeitung und Lackierung GmbH komplett übernehmen. Das bestätigte gestern Wema-Geschäftsführer Dieter Fischer auf Volksstimme-Nachfrage. Grundlage dieses Schrittes ist ein Vertrag aus dem Jahr 2001. Danach besitzt die Wema die Option, die Anteile des Hauptgesellschafters an Siro / Blech übernehmen zu können. " Diese Option nimmt die Wema wahr ", betonte Fischer. Die Wema hält bisher knapp unter 25 Prozent Gesellschafteranteile. Etwas über 75 Prozent liegen bei Hauptgesellschafter Siegfried Roßfeldt. Der Firmengründer und Geschäftsführer zieht sich altersbedingt zurück.

Als Grund für den massiven Einstieg der Wema nannte Fischer die enge Verknüpfung der beiden Unternehmen. Bis zu 80 Prozent des Umsatzes macht Siro / Blech mit der Wema. Mit dem 100-prozentigen Einstieg stelle die Wema sicher, dass diese engen Geschäftsverhältnisse nicht gestört werden können.

Zugleich stellte Fischer klar : " Siro / Blech wird ein eigenständiges Unternehmen bleiben. " Dies bezieht sich auch darauf, dass die Firma eigenverantwortlich Wege aus der Wirtschaftskrise finden müsse. Für Fischer steht dennoch fest : " Die Firma ist ein wichtiges Standbein in dem hiesigen Industriegebiet. " Das soll sie auch bleiben.

Hinter der Wema wie der gesamten Branche liegt ein hartes Jahr. Nur knapp 50 Prozent des Umsatzes des Jahres 2008 hat die Wema im vorigen Jahr erwirtschaftet. In diesem Jahr will die Firma zwei Drittel des 2008 er Niveaus erreichen. " Das ist sicher optimistisch, zumal dieses Jahr ein sehr gutes Jahr war. Aber wir wollen uns dem stellen ", betonte Fischer.

Im August / September 2009 hatte das Zerbster Unternehmen, das als Kernstandort zur weltweit operierenden EMAGGruppe aus Salach gehört, den Tiefpunkt erreicht. Seitdem steigt das Auftragsvolumen, wenn auch langsam, aber wieder an, erklärte Fischer zur aktuellen wirtschaftlichen Lage.

Die Bewältigung der Krise, deren Nachwirkungen und daraus erwachsende Unwägbarkeiten bleiben weiter bestimmend für den in der Wema und der EMAG-Gruppe geschlagenen Kurs. " Deswegen wird es weiterhin einen strikten Sparkurs geben, werden wir effizientere Strukturen aufbauen ", so Fischer. Seit einem Jahr fährt der Zerbster Betrieb außerdem Kurzarbeit. Das wird auch weiter so bleiben, kündigte Fischer an. Er geht davon aus, dass Kurzarbeit noch bis Januar 2011 ein Instrument sein wird, mit dem die Wema gegensteuert. Bisher gab es keine betriebsbedingten Kündigungen. 65 von 380 Stellen wollte das Unternehmen einsparen.

Mit einer Transfergesellschaft, in der aktuell noch etwa 40 Mitarbeiter ausgebildet und für neue Aufgaben fit gemacht werden, hält das Unternehmen seit vorigem Jahr Beschäftigte. " Einige haben neue Jobs gefunden ", so Fischer. Er stellt nochmals ausdrücklich klar : " Wir wollen unsere gut ausgebildeten Mitarbeiter behalten. " Für neue Aufgaben und für die Zeit, wenn es wieder aufwärts geht. Um effizienter zu produzieren, werden wegen der noch zu geringen Auslastung längere Produktionspausen eingebaut. Das sei mit 14 Tagen um die Weihnachtszeit herum so gewesen und ist für den März ebenso geplant, erklärte Fischer.

Die Wema gehört seit ihrer zweiten Privatisierung 1994 zur EMAG-Gruppe. Damals hatte sie 160 Mitarbeiter. Die EMAG mit Sitz in Salach bei Göppingen beschäftigt rund 2000 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2007 einen Jahresumsatz von rund 500 Millionen Euro.

Fischer betonte, dass sich nichts an der Unternehmensphilosophie der EMAG geändert habe, den Zerbster Standort weiter zu stärken. Er ist sich sicher : " Wir packen die Krise aus eigener Kraft. "