Bewährte Wege zu gehen und immer wieder auch neue – das wohl ist das Rezept, das die Zerbster Kulturfesttage zeit-, aber keineswegs charakterlos in ihren 45. ( und absehbar bei Weitem nicht letzten ) Jahrgang geführt hat. Er wurde am Sonnabendnachmittag in der Aula des Francisceums eröffnet – auf wieder neue Art.

Zerbst. Berührt und auf besondere Weise glücklich verließen die Gäste des Eröffnungsfestaktes der 45. Zerbster Kulturfesttage am Sonnabend die Aula des Francisceums am Weinberg. Der Grund, der die Herzen wärmte, war der erste eigenständig musikalische Beitrag der bis zum 14. März andauernden Kulturwochen. Erstmals gab es nicht " nur " eine musikalische Umrahmung der Auftaktveranstaltung. Walentina Wachtel spielte ein Solkonzert auf dem Klavier.

Die 20-jährige Steutzerin hat im vergangenen Jahr am Francisceum ihr Abitur abgelegt und ein Musikstudium an der Dresdner Hochschule " Carl Maria von Weber " begonnen. Seit ihrem vierten Lebensjahr hat sie Klavierunterricht und kann längst auf viele renommierte Preise verweisen. Ein Ausnahmetalent, mit dem sie während ihrer Schulzeit auch in Zerbst mehrfach begeisterte und das weiter gereift ist, wie das knapp einstündige Konzert am Sonnabend bewies.

Neun Stücke hatte Walentina Wachtel dafür ausgewählt, die sie bis auf zwei aus dem Kopf spielte. So auch zum Auftakt Wolfgang Amadeus Mozarts dreisätzige Sonate D-Dur KV 311, das längste Stück des Konzertes. Die junge Pianistin verschmilzt hochkonzentriert mit ihrem Instrument. Sie fasziniert hier wie in Prelude und Elegie von Sergej Rachmaninov, Ballade und Etüden von Frédéric Chopin, dem Stücklein A-Dur von Robert Schumann und dem abschließenden Rondo Capriccioso von Felix Mendelssohn Bartholdy mit einem kraftvollen, die teilweise dramatischen Passagen fesselnd gestaltenden Spiel. Das ebenso äußerst gefühlvoll und zart sein kann.

Die Urkraft der Festtage ist zugleich Motor und Treibstoff

Viel Beifall gab es für die junge Künstlerin. Und bei vielen der Festakt-Besucher die Überzeugung, dass eine Gestaltung wie mit solchem Konzert eine neue dauerhafte Form für die Eröffnungsveranstaltung werden könnte. Einziger Redner war dort dieses Mal Bürgermeister Helmut Behrendt ( FDP ), der auch Innenminister Holger Hövelmann ( SPD ) und Landrat Uwe Schulze ( CDU ) begrüßen konnte. Die erwarteten Gäste aus Rathaus und Künstlerforum Jever hatten witterungsbedingt ihr Kommen abgesagt.

In seiner Festansprache ging der Bürgermeister auf die Entwicklung der vor 45 Jahren von Gerhard Schuboth initiierten Kulturfesttage ein. " Sie waren von Beginn an keine verordneten Kunstspektakel, keine politischen Zwangsveranstaltungen, sondern eine selbst gewählte Ausdrucksform von Zerbster Künstlerinnen und Künstler beziehungsweise Kunstliebhabern ", sagte er.

Heute gebe es wohl keinen Kulturverein mehr, der sich nicht am vierwöchigen Festtage-Programm beteilige. Weitere Einrichtungen sowie eine Vielzahl von Einzelkünstlern weit über Zerbst hinaus wirken daran mit.

Möglich sei dies und das daraus entstehende vielseitige Programm – 26 Einzelveranstaltungen und sechs Ausstellungen in diesem Jahr – in erster Linie durch eine engagierte Bürgerschaft, die Begeisterung für Kunst und Kultur. Es werde dabei nicht nur konsumiert, sondern auch die eigene Kreativität zum Ausdruck gebracht. " Die Urkraft der Kulturfesttage ist immer noch ihr Motor und der Treibstoff zugleich ", so Helmut Behrendt, der die Festtage offiziell eröffnete.