Kleine und große Schätze gingen am vergangenen Wochenende über die Trödel-Tische. In der Stadthalle Zerbst fand am Sonnabend und Sonntag ein Antik-Flohmarkt statt. Das prachtvolle Ambiente gab dafür die passende Kulisse.

Zerbst. Hobby-Historiker und geschichtsinteressierte Zerbster werden sich am Sonnabend verdutzt die Augen gerieben haben. Versteckt an einem Stand in der großen Stadthalle lagen zwei unscheinbare Bilder. Die Grafiken mit einem sauberen Strich gezogen, zeigten zwei alte Ansichten der Nuthestadt. Zum einen die Verabschiedung von Katharina vor ihrem Schloss, das andere Bild bildete den Markt mit der Pferdebahn und dem Rathaus ab. " Es handelt sich dabei vermutlich um Stein- oder Porzellandrucke ", bericht Verkäufer Frank Schneider aus Erfurt. Unter den Darstellungen ist in hauchdünner Bleistiftschrift die Signatur zu lesen : " Orig. Rad. v. Pallmann " zu lesen.

Frank Schneider, der junge Mann, der sein studentisches Leben mit antiken Dingen mitfinanziert, fand die beiden Werke zufällig im Thüringischen. " Als ich jetzt plante, nach Zerbst zu fahren, dachte ich mir, dass ich die beiden Bilder hier sicherlich gut verkaufen könnte ", erzählt der Erfurter.

Er konnte, denn Manfred Flemmig aus Dessau entdeckte die beiden Drucke. " Pollmann ist bekannt für seine Grafiken. Ich habe bereits einiges von ihm ", so der Dessau.

Dies wird am Wochenende sicherlich nicht das einzig gute Geschäft gewesen sein. Veranstalterin Dietlind Herzog zeigte sich mit der Resonanz zufrieden. " Hier in Zerbst kommt zusammen, was zusammen gehört ", sagt sie im Gespräch mit der Volksstimme. Nicht ohne Übertreibung und ehrlichen Herzens fügt sie hinzu, dass die rund 60 Händler – übrigens aus ganz Deutschland – merkten, wie interessiert an Kunst und Kultur die Zerbster seien.

" Hier in Zerbst haben die Märkte immer ein ganz besonderes Niveau. Das liegt zunächst an den Menschen, aber auch an der stilvollen Umgebung. Denn die Stadthalle, einst Reithalle der Fürsten von Anhalt, ist wirklich eine klasse Kulisse für unsere Märkte. "

Nicht nur Dietlind Herzog aus Bernburg, sondern auch Rosemarie Alex aus Loburg kommt immer gern nach Zerbst zum Antik-Flohmarkt. Die Loburgerin hatte ihre Tische auf der Bühne der Stadthalle aufgebaut. " Das macht mir richtig Spaß ", berichtet sie. Viele Puppen und antike Dinge präsentierte sie dem interessierten Publikum.

Das kam trotz des Wetters zahlreich. Mehr Probleme hatten bei vereisten Straßen die Händler, die angemeldet waren. " Einige mussten kurzfristig absagen, weil ihnen die lange Anfahrt zu beschwerlich war ", so Veranstalterin Dietlind Herzog. Doch in Zerbst gibt es für die Trödelmärkte immer eine Warteliste. " Also habe ich kurzfristig andere angerufen, die gern gekommen sind ", meint die Bernburgerin.

Die weiteste Anreise hatte Marlies Grune hinter sich. Sie kam aus München. " Ich dachte, ich könnte den Schnee mal hinter mir lassen. " Marlies Grune ließ sich von Dietlind Herzog überreden, nach Zerbst zu fahren. Das Ambiente überzeugte die Frau aus München, die seit 38 Jahren im Geschäft ist und in Bayern einen Antik-Hof mit bayrischen Raritäten von bürgerlichen und bäuerlichen Möbeln sowie " tausenderlei Kleinkram aus Großmutterzeiten " betreibt.

Ein Stück allerdings erregte immer wieder die Aufmerksamkeit der vielen Besucher. Es war eine Lochplattenspieldose " Polyphon Kalliope ". Dieses exquisite Gerät sah aus wie ein weit entfernter Vorgänger des späteren Plattenspielers. " Dieser kleine Schatz stammt aus dem Jahr 1870 bis 1880, so genau kann man das nicht sagen ", erklärt Marlies Grune.

Zu dem Vorspielgerät hatte sie noch 17 Platten dabei, alles in einem Top-Zustand. Bekommen hat sie das Gerät aus dem Bestand eines Nachlassverwalters aus München. Die Lochplattenspieldose ist ein echtes Sammlerstück mit einem echten Sammlerpreis. " Für unter 1800 Euro gebe ich es nicht her ", so die Händlerin.

Ansonsten gab es auf dem Antikmarkt alles, was das Trödler-Herz begehrt : Von Nippes bis zu Militaria, von Nostalgie und Ostalgie sowie von Krügen, Postkarten und Münzen war alles zu haben.