Zerbst. " Der regionale Arbeitsmarkt trotzte im Jahr 2009 allen negativen Prognosen von Konjunkturforschern und Arbeitsmarktexperten, die einen deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit voraussagten. Als Bonus hat sich die überwiegend klein- und mittelständisch geprägte, weniger exportorientierte Wirtschafts- und Beschäftigungsstruktur und die hohe Flexibilität der Unternehmen erwiesen. Die Krise am Arbeitsmarkt blieb bisher zum Glück aus ", resümiert Dr. Petra Bratzke, Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Dessau-Roßlau. Getragen wurde der Rückgang insbesondere durch die stabile Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, aber auch durch den demografischen Faktor.

" Selbstverständlich war die hohe Nutzung der Kurzarbeit ein entscheidender Faktor dafür, dass sich die Wirtschaftskrise bislang vergleichsweise mild auf dem Arbeitsmarkt ausgewirkt hat. Mit Hilfe des Kurzarbeitergeldes konnten wir zu einer Stabilisierung der Beschäftigung – insbesondere bei Stammbelegschaften – beitragen. Die Verlängerung der maximalen Bezugsdauer von Kurzarbeitergeld auf 24 Monate in 2009 war ein gutes Signal für die Wirtschaft. Unternehmen und Arbeitnehmer erhielten dadurch mehr Sicherheit für ihre Personalplanung, langfristige Perspektive und Arbeitslosigkeit wurde verhindert ", so Bratzke weiter.

Die unsichere Entwicklung dämpfte jedoch die Investitionsbereitschaft der Unternehmen und avisierte Einstellungen

wurden zum Teil zurückgestellt. Das Hauptproblem war nicht, dass entlassen wurde, sondern dass Unternehmen bei der Einstellung zögerten.

Die Branchenstruktur in der Region ist sehr differenziert, wird jedoch von vier Branchen dominiert. 19, 3 Prozent aller Beschäftigten sind im Verarbeitenden Gewerbe, 14, 3 Prozent im Handel und in der Reparatur von Kraftfahrzeugen, 13, 7 Prozent im Gesundheitsund Sozialwesen und 9, 9 Prozent im öffentlichen Dienst. Die verbleibenden 42, 8 Prozent der Beschäftigten verteilen sich gleichmäßig über alle Branchen. Bei einer genaueren Betrachtung der Beschäftigtenentwicklungen nach Wirtschaftszweigen werden unterschiedlicheTendenzendeutlich. Die stärksten Beschäftigungsgewinne gab es im Gesundheits- und Sozialwesen und in der öffentlichen Verwaltung.

Zu Beschäftigungsverlusten kam es unter anderem im Bereich Grundstücks- und Wohnungswesen, in der Informations- und Kommunikationsbranche, im Bereich Land- und Forstwirtschaft, Erziehung und Unterricht, sowie im Bereich Finanz- und Versicherungsdienstleister. Gegenüber dem Vorjahr haben sich die " Top Ten " der nachfragestärksten Berufsbilder verändert. Verwaltungs- und Büroberufe führen die Liste an. Gefolgt von pflegerischen Berufen und anderen Dienstleistungen. Am stärksten nachgefragt wurden 2009 Arbeitskräfte für die Call-Center-Branche ( Verwaltungs- und Büroberufe, Dienstleistungskaufleute ), gefolgt von sozialpflegerischen Berufen ( Altenpfleger, Krankenschwester ), Fachkräfte im Gesundheitswesen ( Physio- oder Ergotherapeuten ). Die Zeitarbeitsbranche hat verstärkt Baufacharbeiter, Schlosser und Elektriker nachfragt.