Es ist noch ein ordentliches Stück Arbeit, aber die Vertreter der Museen der einstigen anhaltischen Residenzstädte Zerbst, Dessau, Köthen, Bernburg, Ballenstedt, Harzgerode und Coswig sind guten Mutes. Die Wanderausstellung zum Jubiläum "800 Jahre Anhalt" wird bis zum Jahresende fertig sein. Sorgen, das wurde beim Treffen am Mittwoch in Zerbst deutlich, macht ihnen allerdings die beantragte Förderung begleitender Projekte. Sie droht derzeit regelrecht ins (Schlag)-Loch zu fallen.

Zerbst. Der Vorlauf ist gut und solide. Bereits 2008 begründeten die Vertreter der Museen aus den einstigen anhaltischen Residenzstädten ihr Projekt einer Wanderausstellung zum 2012 anstehenden Jubiläum "800 Jahre Anhalt". Nach wie vor ist es das konkreteste Vorhaben und das am sichersten finanzierte. 55 000 Euro stehen dafür zur Verfügung.

Ende 2011 soll die als Tafelausstellung konzipierte Schau fertig sein. Ab Januar 2012 geht sie auf "Wanderschaft" durch die Museen, soll aber auch an Standorten außerhalb Anhalts zu sehen sein. Um die 25 Roll-ups mit Texten und Bildern sowie einige Exponate wird die Ausstellung umfassen. Die Zusammenführung liegt in den Händen der Zerbster Historikerin Agnes-Almuth Griesbach.

"Es geht in die heiße Phase, aber wir sind guten Mutes, dass es gelingt", sagt Susanne Kopp-Sievers, Geschäftsführerin des Museumsverbandes Sachsen-Anhalt, am Mittwoch im Zerbster Museum. Hier kam die vom Zerbster Kulturamtsleiter Andreas Dittmann geleitete Arbeitsgruppe zur Vorbereitung der Wanderausstellung zusammen.

Die Museumsvertreter werden sich in Kürze in einem "Konklave" wiedertreffen, um der Auswahl der Texte und der Exponate für die Ausstellung den letzten Schliff zu geben. "Ein positives Streiten wird das, das aber dazu gehört", blickt die Verbands-Geschäftsführerin voraus.

Begleitende Publikation

In sieben Schwerpunktthemen möchte sich die Wanderausstellung der Entwicklung und Geschichte Anhalts widmen. Zerbst arbeitet zum Beispiel zur Reformations- und zu anhaltischen Schulgeschichte zu, beleuchtet aber auch Katharina II., Fasch ... Das Museum der Zerbster Partnerstadt Jever, ebenfalls am Projekt beteiligt, stellt Sophie Auguste Frederike von Anhalt-Zerbst in den Mittelpunkt. Sie ist die Witwe von Friedrich-August, dem letzten regierenden Fürsten von Anhalt-Zerbst, und wirkte als Statthalterin für Katharina II. in Jever.

Vorgesehen ist ein begleitendes Booklet. "Es wird eine ohnehin textlastige Ausstellung, die auf alle möglichen Schlaglichter der anhaltischen Geschichte blickt", sagt Andreas Dittmann. All dies über wichtige Persönlichkeiten, Zeitabschnitte, Ereignisse in komprimierter Form mit nach Hause nehmen und nachlesen zu können, möchte diese Publikation ermöglichen.

Zur Wanderausstellung soll es zudem begleitende Ausstellungen beziehungsweise Projekte in den einzelnen Häusern geben. Finanzielle Förderungen dafür sind beim Land beantragt. Am Mittwoch, so Andreas Dittmann, gab es aus dem Kultusministerium die Information, dass diese Projekte höchste Förderpriorität genießen. Bescheide gibt es noch nicht, zugleich einen Fakt, auf den Susanne Kopp-Sievers wie Andreas Dittmann mit großer Sorge hinweisen.

Es handelt sich um die Überlegungen beim Land, sagt die Geschäftsführerin, "dass für die Schlagloch-Sanierung auch 800 000 Euro aus Mitteln der Kultur, darunter der Museen, aufgebracht werden sollen". Andreas Dittmann hofft, "dass man sich beim Land der Bedeutung des Anhalt-Jubiläums doch entsprechend bewusst ist und dass dieser Krug an den Projekten vorbeigeht".

Zerbst plant in diesem Zusammenhang die Restaurierung des Karzers im Museum mit Schaffung einer Ausstellung zur Schul- und Universitätsgeschichte, die Verbesserung des Brandschutzes in der Francisceumsbibliothek, die weitere Sanierung des Schlosses Zerbst und ein Lapidarium in St. Nicolai. Vom Museum Schloss Bernburg gibt es ein auch sehr mit Zerbst verbundenes Projekt zur Archäologie der anhaltischen Fürsten (die Volksstimme berichtet gesondert). "Und es gibt außerdem viele kleinere Projekte, die aber alle von großer Nachhaltigkeit sind", betont Susanne Kopp-Sievers.

Kein großes Projekt ohne Zusammenarbeit

Noch große Sorgenfalten hier. Sehr Positives dafür auf der anderen Seite. Die Museen arbeiten bereits seit dem dezentralen Projekt "Gemeinsam sind wir Anhalt" zusammen. Eine dafür in den Jahren 2000/2001 von Agnes Almuth-Griesbach erarbeitete Studie ist auch für das derzeitige Vorhaben eine gute Grundlage. Etwas habe sich jedoch deutlich geändert, verweist Andreas Dittmann auf den damals auch festgehaltenen Umstand, dass "die anhaltischen Museen nicht miteinander sprechen".

"Davon sind wir inzwischen Lichtjahre entfernt", findet der Amtsleiter Zustimmung bei den Museumsleuten. Die Zusammenarbeit der Häuser habe sich "trotz aller Probleme, die es an den einzelnen Standorten durchaus gibt", verstetigt. Alle seien ein gutes Stück zusammengerückt. "Es gibt keine größere Ausstellung mehr, bei der nicht zusammengearbeitet wird."

Deshalb lebe "Gemeinsam sind wir Anhalt" weiter. Und ist es mit Blick aufs Jubiläum 2012 derzeit zuallererst diese Museumsrunde, die, darauf aufbauend, die Anhalt-Fahne hochhält.