Es gibt unzählige Juwelen, die in Zerbst zu finden sind. Kleine verschlafene Ecken, große beeindruckende Bauwerke, Spuren historischer Persönlichkeiten, die mitunter erst auf den zweiten Blick zu sehen sind. Und es gibt engagierte Stadtführerinnen, die diese Juwelen interessierten Besuchern aus nah und fern zeigen. Auch sie sind Zerbster Juwelen.

Zerbst. Kaum ein Ort in Zerbst lässt die prachtvolle Vergangenheit von Zerbst mehr erahnen als die Schloßfreiheit. Dort steht das Rathaus, das Kavaliershaus, die Bartholomäikirche. Durch das Gehölz ist die Schlossruine erkennbar und der wenige Meter entfernte Kirchvorplatz von St. Bartholomäi mit einer Sitzbank unter einem riesigen Baum lädt zum Verweilen ein.

Dies ist der Lieblingsort von Heidrun Franke, die seit 15 Jahren Besucher durch die Stadt führt und ihnen die Geschichte aber auch die Menschen, die hier lebten und leben, näher bringt.

"Wenn ich mit einer Gruppe auf dem Markt stehe, braucht es einige Fantasie um das alte Zerbst wieder auferstehen zu lassen. Hier jedoch ist es wesentlich einfacher. Hier spürt man den Glanz der einstigen Residenzstadt." Über jedes Gebäude kann Heidrun Franke etwas erzählen, zur früheren Nutzung, deren Besitzern. All dieses Wissen hat sich die gebürtige Zerbsterin in vielen Jahren angelesen.

Doch das Interesse weckte einst ein Stadtführer-Kurs. "Ich war damals zum ersten Mal arbeitslos", erinnert sich die 67-Jährige. In der Zeitung entdecke sie eine Annonce, dass Teilnehmer für einen Stadtführerlehrgang in Zerbst gesucht werden. "Ich hab mitgemacht und es hat mich gefesselt." Auch beruflich fand sie beim Heimatverein eine neue Aufgabe, die das geweckte Interesse weiter förderte.

"Auch wenn Zerbst eine leidgeprüfte Stadt ist, versuche ich die Besucher stets vom Positiven zu begeistern." Dies tut sie immer häufiger. Hielten sich die Besucherzahlen nach Ende ihres Lehrganges eher zurück, stellt sie vor allem seit der Einweihung des Katharina-Denkmals ein spürbar größeres Interesse fest.

Zerbst, das ist für viele Besucher ein Raritätenkasten, im besten Sinne. Zum Beispiel vereint die Bartholomäikirche Stilelemente des Barocks, der Gotik und Renaissance. "Das Kavaliershaus ist durch die Bombardierung des zweiten Weltkrieges zwar ausgebrannt, wurde als einziges Gebäude in Zerbst jedoch wieder aufgebaut und die Fassade historisch gestaltet."

Dennoch schwingt bei Heidrun Franke mitunter ein wenig Melancholie mit, wenn sie über die alten, glanzvolleren Zeiten der Stadt spricht. "Leider kenne ich nur das ,kaputte‘ Zerbst." Mit dem steigenden Interesse für die Geschichte der Stadt, las sie das Buch "Aus Anhalt" von Karl-Emil Franzos, der seine Eindrücke während eines Aufenthaltes in der Stadt um 1901 schildert. "Das hat mich berührt und nicht mehr losgelassen."

Die Schloßfreiheit ist für Heindrun Franke auch aus einem anderen Grund ein besonderer Ort. "Auf dem Kirchenvorplatz habe ich schon in meiner Kindheit unter dem Baum auf den Beginn der Christenlehre gewartet", erinnert sich die Stadtführerin. Auch der Rosenwinkel strahlt hier eine ganz besondere Magie aus. "Wissen Sie vorher der Name kommt?", fragte Heidrun Franke. Einst verlief hier die Stadtmauer entlang, die zum Teil mit Rosen bewachsen gewesen sein soll. "Nun gehört der Straßenzug mit zur Schloßfreiheit, aber in Zerbst ist er unter dem Namen Rosenwinkel weithin bekannt."

Die Aufzählung interessanter Orte in Zerbst findet bei Heidrun Franke kaum eine Ende. "Ich zeige auch sehr gerne die Stadtmauer mit ihrem grünen Band, die Schloßruine, aber auch die Marienpforte ist ein besonderer Ort, alle unsere vier Kirchen."

Wer einmal mit Heidrun Franke gemeinsam Zerbst entdecken möchte, kann gern einen Termin für einen Rundgang in der Zerbster Tourist-Info vereinbaren unter (0 39 23) 76 01 78 oder 23 51.