Die Ortswehrleitung der Freiwilligen Feuerwehr Güterglück zog am Sonnabend Jahresbilanz. Außerdem gründeten die Blauröcke eine Kinderfeuerwehr. Das soll langfristig den Nachwuchs in den eigenen Reihen sichern.

Güterglück. Zu 15 Einsätzen wurde die Feuerwehr Güterglück im vergangenen Jahr gerufen, resümierte Ortswehrleiter Ralf Buchholz. Dabei löschten die Kameraden sieben Brände und leisteten sechsmal technische Hilfe. Insgesamt 41 Einsatzstunden leistete die Wehr bei diesen Einsätzen, sagte er.

Im Durchschnitt waren neun Kameraden bei den Alarmen anwesend. Dieser Wert sei besser als in den Vorjahren, fuhr der junge Ortswehrleiter fort. Erst im vergangenen Jahr war er an die Spitze der Ortswehr gewählt worden. Nur mit der Berufung zog es sich etwas hin, kommentierte er weiter. Eigentlich sollte Ralf Buchholz bereits im Sommer offiziell an die Spitze der Wehr treten. Erst im Dezember gab es für den Feuerwehrmann dann die offizielle Berufungsurkunde. "Ich hätte demnach eigentlich nur über den Dezember berichten müssen, lege aber über das ganze Jahr Rechenschaft ab", erklärte er weiter.

18 aktive Kameraden stehen ihm zur Seite. Daneben gibt es noch sieben Mitglieder der Alters- und Ehrenabteilung sowie zwei Jugendfeuerwehrmitglieder. Der fehlende Nachwuchs bereitet dem Ortswehrleiter das größte Kopfzerbrechen. Eigentlich, sagte er, brauche der Jugendwart mit zwei Mitgliedern keine eigene Ausbildung in der Wehr ansetzen. Ralf Buchholz sprach sich dafür aus, mit den umliegenden Ortschaften gemeinsam die Jugendbetreuung in den Jugendwehren zu bestreiten.

Damit würden sich seiner Meinung nach mehr Kinder und Jugendliche finden und die Ausbildung könnte insgesamt interessanter gestaltet werden.

Außerdem regte er die Gründung einer Kinderfeuerwehr an. Hier sollen Jungen und Mädchen ab dem sechsten Lebensjahr von der Feuerwehr regelmäßig betreut werden. Nur damit sei es möglich, das Interesse bei den Kindern frühzeitig für den ehrenamtlichen Feuerwehrdienst zu wecken, um langfristig die Einsatzbereitschaft zu erhalten. Noch während der Jahreshauptversammlung gründeten die Kameraden die Kinderfeuerwehr.

Mit Yvonne Wallbraun hat Ralf Buchholz seine Lebensgefährtin für die Leitung der kleinsten Truppe gefunden.

Kreisjugendwartin Claudia Elze beglückwünschte am Abend die Kameraden zu ihrem Entschluss. Sie wünschte der neuen Truppe viel Erfolg und Schaffenskraft. Außerdem wolle sie die Kinderfeuerwehr tatkräftig unterstützen und bei Fragen immer ein offenes Ohr haben, sagte sie weiter.

Plüschtiere und viel Informationsmaterial hatte die Kreisjugendwartin ebenfalls mitgebracht.

In der rund 700 Einwohner zählenden Ortschaft Güterglück will Yvonne Wallbraun zweimal im Monat eine Dienstveranstaltung für die Kinderfeuerwehr organisieren, kündigte sie an. Spielerisch will sie die Kleinen an das Thema Ehrenamt heranführen. Da die Kinder aus versicherungstechnischen und körperlichen Gründen kaum mit der Feuerwehrausrüstung arbeiten können, soll die Kinderfeuerwehr auf anderen Gebieten tätig werden. Hier können die Kleinen gemeinsam unter Anleitung basteln oder an der Brandschutzerziehung teilnehmen.

"Ich freue mich schon riesig auf die ersten Dienste", sagte Yvonne Wallbraun. Im Dezember hatte die Feuerwehr bereits eine breite Öffentlichkeit über die neue Abteilung informiert. Die Informationen seien bei Kindern und Eltern gut angekommen, meinte sie weiter.

Thomas Sanftenberg, Mitarbeiter im Ordnungsamt der Stadt Zerbst, beglückwünschte die Feuerwehr ebenfalls zur Gründung der Kinderfeuerwehr. Die Kameraden müssten sich dem demografischen Wandel stellen und neue Wege bei der Gewinnung von Mitgliedern gehen, riet er den Blauröcken. Die Stadt wolle die junge Truppe unterstützen.

Mit Aufwandsentschädigungen für die Teilnahme an Einsätzen hat das Zerbster Rathaus bislang versucht, die Arbeit in der Feuerwehr attraktiver zu machen. Es sei zumindest ein Anreiz für die Kameraden, bei einer Alarmierung im Gerätehaus zu erscheinen, fügte Ralf Buchholz an. Das zeigen auch deutlich die Zahlen über die Einsatzbeteiligung, verwies er.

Einmal wöchentlich treffen sich die Güterglücker Feuerwehrleute zu ihrem Dienst. Dabei beschäftigen sie sich praktisch und theoretisch mit der Ausrüstung ihrer Feuerwehr. In Güterglück ist ein Tanklöschfahrzeug stationiert. Neben der Ausrüstung zur Brandbekämpfung enthält es auch Geräte für die technische Hilfeleistung. Außerdem gibt es noch einen alten LO im Fahrzeugbestand. Das Fahrzeug wird von den Kameraden vor allem durch seine Geländefähigkeit geschätzt, sagte er Wehrleiter.

Nicht ganz zufrieden zeigte er sich vom Zeitablauf der Ersatzbeschaffungen im vergangenen Jahr. So benötigte die Wehr eine neue Tragkraftspritze. Die alte mobile Pumpe war defekt und ließ sich kaum noch reparieren. Ein ganzes Jahr dauerte die Ersatzbeschaffung, kritisierte der Ortswehrleiter.

Neben den Ausbildungen im eigenen Standort gibt es auch 2011 Weiterbildungen auf Stadtebene. Mehrere Termine gebe es dafür bereits, sagte Ralf Buchholz weiter. Im abgelaufenen Jahr gab es bereits mehrere Termine, die dem Ortswehrleiter gut gefallen haben. Außerdem will sich die jugendliche Truppe in Güterglück weiterbilden. Zahlreiche Ausbildungen für die Feuerwehrleute sollen dazu beantragt werden.

Die gute Zusammenarbeit auf der Ausbildungsebene lobte Vize-Stadtwehrleiter Fritz Maschke. Das System der gemeinsamen Ausbildungen habe sich bewährt. Ebenso wolle die Stadt dies unterstützen, sagte Thomas Sanftenberg.

Das nächste große Thema für die Ortswehren der Stadt Zerbst ist die Erarbeitung einer Risikoanalyse. Fritz Maschke mahnte hier zur Eile. In den nächsten Wochen habe dieses Thema die absolute Priorität, räumte er ein.

Der Güterglücker Ortswehrchef arbeitet in der Arbeitsgruppe auf Stadtebene mit. Die neue Risikoanalyse löst die alten Vorgaben des Innenministeriums zur Ausrüstung der Feuerwehren entsprechend der Ortsgröße ab. Anstatt einer starren Festlegung sollen die Gemeinden zusammen mit den Feuerwehren nun selbst bestimmen und für sich festlegen können, was sie für den abwehrenden Brandschutz für nötig erachten. Dabei müssen die Blauröcke viele Details beachten. Ebenso müssen die Feuerwehrleute festlegen, wie viele Feuerwehrleute in den einzelnen Ortsteilen der Stadt rund um die Uhr zur Verfügung stehen sollen. Betrachtet wird außerdem die technische Ausrüstung der Wehren unter Beachtung des vorhandenen Risikos anhand der vorhandenen Bebauung.

Anschließend muss sich der Stadtrat mit dem umfangreichen Werk beschäftigen. Die Volksvertreter müssen die Analyse formell beschließen. Anschließend hat das letzte Wort die Kommunalaufsicht der Kreisverwaltung.