Nicht nur Brände und technische Hilfeleistungen zählen zu den Einsätzen der Steutzer Kameraden. Die Mitglieder der Ortsfeuerwehr bereichern das Gemeindeleben mit Veranstaltungen, versorgen die Blutspender und engagieren sich in der Brandschutzerziehung. All die vielfältigen Aktivitäten kamen auf der Jahreshauptversammlung genauso zur Sprache wie die Wünsche der Blauröcke.

Steutz. Momentan verfügt die Ortsfeuerwehr Steutz über 31 operative Kräfte, darunter befinden sich zehn Frauen. Mit diesem Blick in die Statistik begann Ortswehrleiter Marco Schröter seinen Bericht. Er erinnerte an die sieben Einsätze, zu denen sie 2010 ausrückten. Sie beseitigten umgestürzte Bäume, löschten Feldbrände und leisteten an der Schwarzen Elster Hilfe beim Kampf gegen das Hochwasser. Die letzte Alarmierung, die sie im November zur Zerbster Fleisch- und Wurstwaren GmbH beorderte, entpuppte sich als Übung, an der auch die Zerbster und Güterglücker beteiligt waren.

Einsatzbereitschaft am Tage bereitet Sorgen

Durchschnittlich rückten die Steutzer zu Neunt aus. Marco Schröter warnte aber davor, diesen Wert überzubewerten. "Es passiert glücklicherweise meist erst abends oder am Wochenende was." Nach wie vor betrachtete er die Einsatzbereitschaft tagsüber mit Sorge, denn viele Kameraden arbeiten auswärts und in Schichten. Für das Problem, das nicht nur ihre Ortsfeuerwehr betrifft, müsse eine Lösung gefunden werden.

Gleichzeitig ging der Ortswehrleiter auf das manchmal eigenartige Vorgehen der Leitstelle ein. So konnte er nicht nachvollziehen, warum im Dezember bei einem Einsatz in Steckby bei den herrschenden widrigen Witterungsverhältnissen erstmal Zerbst alarmiert wurde und nicht die Kameraden in Steutz oder Steckby.

Um auf Ernstfälle richtig vorbereitet zu sein, ist die Ausbildung das A und O. Das spiegelte sich auch 2010 deutlich in den wöchentlichen Diensten der Steutzer Kameraden wider. Vom Umgang mit Hebekissen über das Selbstretten mit Feuerwehrleinen bis zur Errichtung einer provisorischen Ölsperre auf der Elbe reichte das Spektrum. Marco Schröter bedauerte jedoch, dass nur 15 der aktiven Kameraden die vom Brandschutzgesetz geforderten 40 Ausbildungsstunden erbracht haben. Er wünschte sich hier eine regere Beteiligung.

Darüber hinaus belegten einzelne Kameraden Lehrgänge an der Brand- und Katastrophenschutzschule in Heyrothsberge sowie auf Kreisebene. Auch die Absolvierung der Atemschutzstrecke im Feuerwehrtechnischen Zentrum Bitterfeld erwähnte Marco Schröter. Nicht nur ihm ist das Erlebnis im Brandcontainer eindrucksvoll in Erinnerung geblieben. So motivierte sein Stellvertreter Sven Benke jeden, das selbst einmal ausprobieren, wenn dazu im Mai erneut Gelegenheit besteht. Das zumindest sieht der vorläufige Dienstplan fürs erste Halbjahr vor, in dem unter anderem der Umgang mit der Motorkettensäge, die Wasserversorgung über eine lange Wegestrecke und die Tierrettung im Ausbildungsprogramm stehen.

Erfreut informierte Marco Schröter, dass die Stadt Zerbst einem Kameraden den Führerschein der Klasse C finanzierte. Im Gegenzug musste sich dieser fünf Jahre für den aktiven Dienst bei der Feuerwehr verpflichten. Zugleich äußerte er die Hoffnung, dass dieses Jahr zwei weitere Kameraden den teuren Lkw-Führerschein bezahlt bekommen, "um das Durchschnittsalter unserer Maschinisten zu verjüngen".

Löschwasserversorgung soll verbessert werden

Als Wunsch an die Stadt listete der Ortswehrleiter neben der weiterhin guten Zusammenarbeit ebenfalls die Anschaffung noch notwendiger Bekleidung auf. Dabei ließ er nicht unerwähnt, dass auch 2010 Mittel in die Ausstattung der Kameraden flossen. Die Jugendfeuerwehr durfte sich zum Beispiel über festes Schuhwerk und dank einer Spende der Kreissparkasse Anhalt-Bitterfeld zudem über wetterfeste Jacken freuen.

"In der Flachswerksiedlung soll die Löschwasserversorgung verbessert werden", blickte Marco Schröter auf künftige Investitionen. Ob der geplante Brunnen bereits dieses Jahr errichtet wird, ist allerdings noch offen. "Das geht nach Priorität", erklärte der Ortswehrleiter, dass es auch in anderen Orten Probleme mit der Absicherung der Löschwasserversorgung gibt.

An die Zerbster Stadtwehrleitung richtete Marco Schröter die Bitte, gemeinsam durchgeführte Einsätze im Nachgang mit den beteiligten Ortsfeuerwehren doch zusammen auszuwerten.

Wie in jedem Jahr übernahmen die Steutzer Kameraden 2010 erneut die Verpflegung bei den vier vor Ort durchgeführten Blutspende-Terminen des Deutschen Roten Kreuzes, an denen insgesamt 113 Spender begrüßt werden konnten. Wie viele es dieses Jahr werden, wird sich zeigen. Auf alle Fälle übernehmen die Wehrmitglieder weiterhin die Versorgung der Frauen und Männer, die sich Blut abnehmen lassen.

Immer wieder gern öffnen die Kameraden ihre Gerätehaus für die Mädchen und Jungen der örtlichen Kita und Grundschule. So schauten beispielsweise die Zweitklässler im August im Rahmen ihrer Brandschutzerziehung vorbei. Gleichzeitig rückten die Brandbekämpfer aus, um die Lehrerinnen und Erzieherinnen beider Einrichtungen in der Handhabung eines Feuerlöschers zu unterweisen.

Selbst das waren längst nicht alle Aktivitäten, denen die Kameraden nachgingen. Abgesehen von der Teilnahme an Ausscheiden und der Durchführung ihrer internen Feuerwehr-Olympiade brachten sie sich darüber hinaus in das Gemeindeleben ein. Neben dem Osterfeuer veranstalteten sie ein Herbstfeuer, das jedoch von einigen Bürgern zur Müllentsorgung missbraucht wurde, wie Marco Schröter kritisierte. Er dankte allen, die mit anpackten, um den Müll wieder rauszusuchen. Außerdem sprach er den Steckbyer Kameraden ein Dankeschön aus, die tags darauf beim Ablöschen halfen.

Enttäuscht berichtete Marco Schröter von der Resonanz beim Maibaumsetzen, das stets mit einem Fackelumzug verbunden ist. Hier würde er sich in Zukunft eine höhere Teilnahme der Bevölkerung wünschen. "Es wäre schade, wenn solche Tradition stirbt." Mit der Beteiligung am Herbstball war er indes zufrieden.

Ehrenamtliche Arbeit erfährt Anerkennung

Beim Dorffest in Steutz wirkten die Blauröcke ebenfalls wieder mit. Dort präsentierte die Jugendfeuerwehr ihr Können. "Mal gucken, wie wir uns dieses Jahr einbringen", bemerkte Marco Schröter. Ferner überlegen die Kameraden, sich am Pfingstmontag an der erneuten Auflage von "Kreuz & Quer durch Steutz" zu beteiligen.

"7253" – das ist die Summe aller Stunden, die die Steutzer Kameraden im vorigen Jahr freiwillig bei Einsätzen, Diensten, Veranstaltungen usw. geleistet haben. "Die Zahl verdeutlicht, wieviel Freizeit für die ehrenamtliche Arbeit in der Feuerwehr geopfert wird", betonte Marco Schröter und dankte allen Kameraden für ihr Engagement. Auch ihren jeweiligen Partnern, die sie so oft entbehren müssen, dankte er.

Dem Dankeschön schloss sich neben dem stellvertretenden Stadtwehrleiter Detlef Both ebenfalls die Steutzer Ortsbürgermeisterin Regina Frens an. Gleichzeitig teilte sie mit, dass weiteres Material für den Parkplatz am Gerätehaus angeschafft werden konnte, so dass endlich mit dem Bau begonnen werden kann. Die Fläche wollen die Wehrmitglieder in Eigenleistung anlegen.