"Du bist spitze!" Acht Kandidaten bewerben sich um den Titel "Lokalmatador 2010". Den Sieger ermitteln einzig die Volksstimme-Leser mit dem Abstimmungs-Coupon. In den nächsten Wochen stellen wir alle Kandidaten mit ganz persönlichen Geschichten vor. Heute: Horst Sommer.

Zerbst. Holz lebt, es arbeitet. Die Struktur von Holz ist stets einzigartig und keine Figur gleicht der anderen. Linde, Zedernholz, Süßkirsche – die Auswahl ist breit, doch alle Arten bleiben faszinierend – für Horst Sommer, der Sohn eines Tischlers ist, bereits ein Leben lang. Damals war er oft in der Tischlerei zu finden, beobachtete das Arbeiten, ist umhüllt von diesem typischen Harz-Geruch, sieht Späne fliegen.

Horst Sommer: Das ist jener Künstler, der seit mittlerweile drei Jahren an der wohl größten Weihnachtskrippe Deutschlands schnitzt, die in der Polenzkoer Kirche ihr Zuhause haben wird. Und er ist auch jener Künstler, dessen Garten durch zahlreiche riesige Holzfiguren unverwechselbar in Zerbst ist.

Die Vorliebe für das Arbeiten mit Holz begleitet den 75-Jährigen schon sein Leben lang. 1959 zieht er nach Zerbst, wird Lehrer. "Ich wollte sogar in Richtung Kunst gehen, aber der Schulrat meinte, es werden Mathelehrer gebraucht." Und so ruhten die künstlerischen Ambitionen über Jahre. Die Familie, das Haus und der Garten wollten ebenfalls umsorgt sein. "Die Wende kam dann 2000, als meine Frau und ich zu einem Klassentreffen eingeladen waren. Diese Klasse hatte ich acht Jahre lang am Stück unterrichtet", erinnert sich Sommer. Ehemalige Schüler, das sind fast eigene Kinder für Sommers, deren Großwerden das Lehrer- ehepaar auch nach dem Ende der Schulzeit durch regelmäßige Treffen weiter verfolgt.

Und so fragten ihn die Schüler damals, was er denn noch so machen wolle. "Einen Totempfahl schnitzen", sagt Sommer. Aus welchem Holz? Linde! Keine sechs Wochen später hält ein Lkw vor der Einfahrt – beladen mit einem Baumstamm.

"Ich nehme das Holz, wie ich es kriege", sagt er zu seiner Arbeit. Beim Arbeiten vergisst er auch seine lädierte Schulter, die ab und an zwickt. "Vor zehn Jahren hätte ich eine Krippenfigur in drei Wochen herausgearbeitet, aber nun dauert es um die drei Monate." Allerdings hat Sommer für diese Arbeit keinen Zeitdruck. "Ich arbeite daran, wie es mir passt. Und ich möchte ja auch noch Zeit für meine Frau und meinen Garten haben."

Doch die Krippenfiguren sind nicht seine einzigen Projekte. In seinem Garten steht beispielsweise eine Figur, die den Namen "Engel" trägt. Die Witterung hat an dem Holz bereits deutliche Spuren hinterlassen. "Ich werde ihn neu gestalten." Es kostet ihn mitunter schlaflose Nächte, wenn da ein unberührter Holzstamm im Garten liegt und bearbeitet werden will. Doch seine beste Ratgeberin ist stets an seiner Seite. Seit 1953 kennt sich das Ehepaar, das dieselbe Schule besuchte. Seit 1958 sind sie verheiratet. "Sie ist Beraterin, Ideengeberin, Unterstützerin." Wenn Ehefrau Olga beim Arbeiten nichts sagt, gehen bei Horst Sommer die Alarmglocken an. "Beim Werden der Figur diskutieren wir. Es ist eine Bereicherung für uns beide. Eigentlich kommt es nie vor, dass wir uns nichts zu sagen haben."

Aber auch für Vorschläge anderer ist er offen. So sprachen sich die Kameraden der Polenzkoer Feuerwehr beim Aufstellen der Maria-Figur dafür aus, dass Marias Mund ein stärkeres Rot erhalten sollte. Gesagt, getan. Auch die Farbfindung ihrer Stola war ein Diskussionsgegenstand und die Frage, ob sie einen Rosenkranz erhalten sollte. "Selbst der Pfarrer war bei dieser Frage unsicher", erinnert sich Sommer. Am Ende blieb der Rosenkranz weg. "Schließlich gab es damals noch keine Katholiken und damit auch keinen Rosenkranz."

Im Herbst will Sommer den vierten und letzten Hirten fertigstellen. Doch damit endet sein Tatendrang nicht. Neben dem Engel sind noch ein oder zwei weitere Figuren im Garten reif für eine kleine Überholung.

Zum anderen probiert sich Horst Sommer seit einigen Jahren auch am Material Stahlbeton aus. Mit der dann gewonnenen Freizeit wird die Vorliebe bestimmt auch weiter vertieft werden.