Zerbst. Zwischen November 1510 und Januar 1511 absolvierte Martin Luther seine einzige Reise nach Rom. Aufgebrochen ist er im Auftrag seines Ordens aus dem Erfurter Augustinerkloster. "Auf Luthers Spuren nach Rom" begab sich 500 Jahre später jetzt auf Anregung des Klosters eine 45-köpfige Reisegruppe. Mit dabei war der Zerbster Oberkirchenrat i.R. Dietrich Franke. "Ich habe in der Kirchenzeitung ,Glaube und Heimat‘ einen Hinweis auf die Reise gelesen", erzählt Dietrich Franke vom Anreiz für ihn, mit diesem Hintergrund (nicht zum ersten Mal) nach Rom zu reisen. Auf eher eine Bildungs-, denn eine Pilgerreise zu gehen.

War Martin Luther mit seinem begleitenden Ordensbruder vor allem zu Fuß unterwegs, konnten die Reisenden der Heutezeit auf den Bus setzen. Der fuhr sie zunächst nach Augsburg, wo sie im Annenkloster zu Gast waren und vom Bürgermeister empfangen wurden.

Zwischenhalt in Augsburg

"Auch Luther hat wahrscheinlich in Augsburg auf dem Weg nach Rom Halt gemacht", erzählt der Zerbster und dass der Reformator 1518 ein zweites Mal in die bayrische Stadt kommt. Auf dem Reichstag wird er wegen seiner Thesen verhört und widerruft nicht. Der Zuspruch Friedrich des Weisen erspart ihm da die eigentlich auch nötige Romreise. "Wir konnten gut errechnen, dass Luther auf seinem Weg täglich 55 km zu Fuß zurückgelegt hat", berichtet Dietrich Franke.

Das schweizerische Chur und das italienische Mailand sind weitere Stationen der Reisenden auf Luthers Spuren nach Rom.

In der "ewigen Stadt" haben sie vier Tage Aufenthalt. Eine Stadtführung zum Reiseanlass gehört zum Programm. Beim Gottesdienst in der evangelisch-lutherischen Gemeinde treffen die Reisegruppenmitglieder auf Vertreter einer Delegation der Kirchenleitung der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands, die zeitgleich auf "höherer Ebene" in Rom weilt.

In Tischreden über das Erlebte geäußert

"Wir hatten auch Zeit zur freien Verfügung", berichtet der Zerbster OKR i.R. von beeindruckenden Aufenthalten im Colosseum, dem Forum Romanum, an der Engelsburg. Zu den Rom-Tagen gehörte auch der Besuch in den Vatikanischen Museen. Das Herzstück, die Sixtinische Kapelle, hat Dietrich Franke erstmals 1992 gesehen. "Da war alles noch eingerüstet. Jetzt erstrahlt sie in unwahrscheinlicher Weise."

Die besuchte Peterskirche ist eine der römischen Pilgerkirchen, die wohl auch Luther Anfang 1511 besucht hat.

Seine Mission, eine "Dienstreise" in Ordensangelegenheiten der Augustiner, verlief erfolglos. "Sie werden wohl auch bei den Augustinern in Rom gewohnt haben. Aber ihre Angelegenheiten konnten sie nicht klären", so Dietrich Franke.

Martin Luther habe zur Reise kein Tagebuch oder ähnliches geschrieben, sondern habe sich später in verschiedenen Tischreden über das in Rom Erlebte geäußert und manches dabei auch kritisch beim Namen genannt.

Die Reisenden auf seinen Spuren hatten überwiegend positive Eindrücke.