Der Denkmalrahmenplan für den Zerbster Schlossgarten soll aufgehoben und überarbeitet neu beschlossen werden. Dies hat die SPD-Stadtratsfraktion am Mittwochabend beantragt. Auslöser war die vorgesehene Fällung von zwei Douglasien, was zuvor konkret nicht öffentlich bekannt war. Gestern wurde aus der Bauverwaltung informiert, dass für den 24. März eine öffentliche Erläuterung des gesamten Planes vorbereitet werde.

Zerbst. An den beiden Douglasien vor der Stadthalle entzündete sich am Mittwoch-abend im Stadtrat eine heftige Kontroverse. Sebastian Siebert, SPD-Stadtrat und ehemaliger Vorsitzender des Bau- und Stadtentwicklungsausschusses, beantragte, den Denkmalrahmenplan grundsätzlich in allen Facetten neu zu beleuchten und neu zu beschließen. Zugleich warf er FFZ-Stadtrat Helmut Seidler (der SPD-Mitglied ist und Siebert als Ausschussvorsitzender abgelöst hatte) vor, beim Drängen nach Vollzug von Maßnahmen des Denkmalrahmenplanes faktisch im Alleingang vorzupreschen. Zwar habe der Ausschuss ausführlich über den Plan gesprochen, jedoch fehlte jede Angabe einer zeitlichen Reihung von Einzel-Aktivitäten. Der gesamte Ablauf sei von Heimlichtuerei geprägt, so Siebert.

Der Stadtrat habe die denkmalpflegerische Rahmenkonzeption 2008 tatsächlich zu leicht genommen, so Siebert. "So war man sich damals schnell darüber im Klaren, dass man bestimmte inhaltliche Dinge nicht ganz so ernst nehmen will und darf, was inzwischen jedoch vergessen scheint." Siebert hatte sogar Spaten und Picke zur Sitzung mitgebracht und forderte Seidler auf, damit zu beginnen, aus der Stadthalle wieder eine Reithalle zu machen.

Weit ernsthafter war die Argumentation, dass jede Epoche Veränderungen mit sich brächte. "Nur weil 40 Jahre Politik in Frage gestellt werden, muss man nicht automatisch alles vernichten, was sie an Flora und Fauna mit sich brachten", erklärte Siebert. Dem folgte sein für die SPD-Fraktion eingebrachter Antrag. Sofern dem nicht gefolgt wird, sollte zumindest künftig neben dem Bau- und Stadtentwicklungsausschuss auch der Sozial-, Schul-, Kultur- und Sportausschuss über die jeweiligen Einzelmaßnahmen am Schlossgarten beschließen.

Von den doch recht persönlichen Angriffen nach außen unberührt nahm wenig später Stadtrat Helmut Seidler das Wort. Das knapp vier Zentimeter dicke Stadtentwicklungskonzept Zerbst aus dem Jahr 1993 hoch haltend, mahnte er den Stadtrat, seine eigenen Pläne ernst zu nehmen und sie zu verfolgen. Unmittelbar darauf ging er knapp auf den Werdegang zum Denkmalrahmenplan ein. Ab 2006 befassten sich im Stadtratsauftrag kompetente Leute mit Schloss, Wall- und Grünanlagen, zugleich der Zerbster Parklandschaftsgeschichte. Das, so hat Seidler nachgelesen, war der Startschuss für die denkmalpflegerische Rahmenkonzeption, den "Denkmalrahmenplan". 18 000 Euro wurden ausgegeben für den Plan, den der Stadtrat 2008 einstimmig beschloss. "Seither sind immer wieder Maßnahmen umgesetzt worden", sagte Seidler hinsichtlich der aktuellen Überraschtheit. Nach Integration der 21 von den Ortschaften in den Stadtrat Entsendeten war dann im Oktober 2010 er es, der die Sache "voranbringen" wollte. Gerade weil es mit der Installation des Katharina-Denkmals jetzt eine "neue Situation gibt, die ganz verstärkt nach Gestaltung ruft", sei eigentlich keine Zeit zu verlieren. Zugleich sei das Konzept auch zum Umgang mit den Ruinen der verbliebenen Schlossgarten-Gebäude von größter Bedeutung. Er beantragte für seine Freie Fraktion Zerbst, dass ein "Ausbau- und Nutzungskonzept für das Schloss Zerbst erarbeitet wird."

"Der Westflügelweg ist doch nur Teil einer ganz wichtigen und notwendigen Betrachtung, wie es im Karree von Ostflügel-Ruine, Stadthalle, Teehäuschen, Marstall und Katharinaweg künftig aussehen soll", so Seidler gestern im Nachgang der Sitzung zur Zerbster Volksstimme. Ihm sei ausschließlich an Sacharbeit gelegen. Er stellte einen öffentlich zugänglichen Beratungs- und Darstellungstermin in Aussicht, an dem "Jedermann seine Meinung sagen kann".

Beide Anträge werden zur nächsten Stadtratssitzung behandelt. Viel früher, am 24. März, lädt nunmehr Bau- und Ordnungsdezernent Andreas Fischer zu einer öffentlichen Vorstellungs- veranstaltung in den Ratssaal ein. Der Landschaftsplaner wird vor Ort sein, die obere Denkmalbehörde ebenfalls. Die Überlegung, das Konzept im Kulturausschuss am 8. März zu beraten, wurde verworfen.