Bücher stehen täglich in der Konkurrenz zu Internet, TV und Co. Um so erfreulicher sind daher die steigenden Nutzer und Entleihungszahlen der Zerbster Stadtbibliothek. Bibliothekarin Margitta Benecke gibt Einblicke in das Leseverhalten der Zerbster und in ihr eigenes.

Zerbst. Margitta Benecke liest kein Buch zwei Mal. Warum auch? In der Zerbster Stadtbibliothek ist die Auswahl mit 19 789 Büchern und 4053 anderen Medieneinheiten schließlich groß genug. Das eigentliche Bestandsziel von zwei Medieneinheiten pro Einwohner kann die Bibliothek aus Platzgründen zwar nicht erfüllen, der aktuelle Bestand reicht aber allemal.

Als Leiterin der Bibliothek liest Margitta Benecke verständlicherweise viel und gern. "Am liebsten abends im Bett", verrät sie. Manchmal nur fünf Minuten lang, manchmal fünf Stunden.

Das heimische Bücherregal der 56-Jährigen ist gar nicht so üppig gefüllt, wie man zunächst vermutet. Von den 50 454 Entleihungen, die die Bibliothek im vergangenen Jahr zu verzeichnen hatte, gehen mindestens 50 auf ihr eigenes Konto.

Zu den bevorzugten Autoren der Bibliothekarin gehört zweifelsohne Charlotte Link. Der Roman "Am Ende des Schweigens" sei beispielsweise ein Buch, dass sie guten Gewissens weiterempfehlen würde. "Ein richtiges Lieblingsbuch habe ich allerdings nicht. Dafür gibt es einfach viel zu viele tolle Bücher", meint sie. Momentan liege "Was machen wir jetzt" von Doris Dörrie auf ihrem Nachttisch - ein Buch über die Frage nach dem Sinn des Lebens und die Suche nach Glück.

Dass Margitta Benecke irgendwann einmal die Geschichten aus einem E-Book (elektronisches Buch) anstelle eines handelsüblichen Buches liest, kann sie sich bei Gott nicht vorstellen. Dennoch wisse sie, dass auch die Bibliothek sich zunehmend mit derartigen Medien auseinandersetzen muss. "Hörbücher beispielsweise. Hier haben die Entleihungen im vergangenen Jahr enorm zugenommen", weiß sie. Viele haben keine Zeit zum Lesen und nutzen den Weg zur Arbeit, um Hörbücher zu hören.

Was die Zerbster hören oder lesen wollen, das richtet sich größtenteils nach den Bestsellerlisten. Aus diesem Grund ist Margitta Benecke stets bemüht über die neuesten Entwicklungen auf dem Buchmarkt informiert zu sein. Doch das nützt nur etwas, wenn auch das nötige "Kleingeld" für Neuanschaffungen zur Verfügung steht. Und hier ist sie ganz besonders dankbar, dass sich sowohl die Stadt als auch der Landkreis für die Bibliothek einsetzen. So konnte die Einrichtung mit rund 5600 Euro aus der Stadtkasse und 4000 Euro Fördermitteln den Bestand attraktiv und aktuell halten. Hinzu kamen gut 700 Euro, die die Bibliothek durch zwei Flohmärkte selbst erwirtschaftet hat.

"Die Bibliothek" - das sind nicht nur 23 842 Medieneinheiten, die in der Obhut der Leiterin Margitta Benecke liegen. "Die Bibliothek" - das sind auch die langjährigen Mitarbeiter Sophie Schäfer und Manfred Amhaus. Zudem konnte zum Jahresbeginn eine neue Mitarbeiterin begrüßt werden, nachdem die Bibliotheksassistentin Christa Reichert in den Ruhestand verabschiedet wurde. Das Team komplettiert nun die Fachangestellte für Medien und Informationsdienste Carolin Köhlert aus Köthen.