Nach dreineinhalbjähriger Ausbildung nahmen 17 von 22 junge Gesellen am Freitag erleichtert ihre Prüfungszeugnisse und Gesellenbriefe entgegen. Kreishandwerksmeister Roland Prokop und der stellvertretende Geschäftsführer der Handwerkskammer Halle/Saale, Dirk Neumann, beglückwünschten die jungen Menschen nicht nur, sondern sprachen ihnen Mut für die Zukunft zu - obwohl manche Durchschnittsnoten immer noch unzureichende Kenntnisse widerspiegeln.

Zerbst. Zum Anstoßen wurde ein Glas Sekt gereicht. Und Anlass dafür gab es reichlich. Die lange Ausbildungszeit mit einem erfolgreichen Abschluss zu krönen, ist wohl Grund genug. So sprach auf der Feierstunde am vergangenen Freitag der Kreishandwerksmeister Roland Prokop die Lehrlinge zum Gesellen frei.

Musikalisch von den Schülern der Musikschule "Johann Friedrich Fasch" Lara Handrich und Dion Langguth mit ihrem Musiklehrer Fred Freytag begleitet, fand diese Freisprechung im feierlichen Rahmen statt.

Der Übergabe der Gesellenbriefe wohnten neben Ober- und Lehrmeistern sowie Ausbildern auch die Geschäfts- führerin der Kreishand- werkerschaft Anhalt-Bitterfeld Carmen Bau, bei.

"Die Entwicklung ist nicht nur von privater Nachfrage, sondern von der Investitionsbereitschaft der öffentlichen Hand abhängig."

Roland Prokop sprach in seinen Ausführungen zurückblickend von der Wirtschaftskrise, die das Handwerk als Stabilitätsanker meisterte. Dabei betonte er, dass die Handwerkskonjunktur im Kammerbezirk Halle 2010 besser war als erwartet, meinte aber gleichzeitig: "Die weitere Entwicklung im laufenden Jahr ist nicht nur von privater Nachfrage, sondern auch von der Investitionsbereitschaft der öffentlichen Hand abhängig." Dabei blickte er auch besorgt auf die anhaltende Diskussion um die unaus- geglichenen Haushalte der Kommunen und Gemeinden im Land. Kritisch nannte er auch solche Sparmaßnahmen des Landes wie die Konzentration der Berufsschulen und die damit verbundenen nicht günstigen Ausbildungsbedingungen. Aber auch die Schüler weist er in die Schranken. Schlechte schulische Voraussetzungen auf der einen Seite und der häufige Abbruch der begonnenen Lehre (zum Beispiel durch falsche Erwartungen) sprechen für sich.

Zurzeit befinden sich 830 Lehrlinge bei der Kreishandwerkerschaft Anhalt-Bitterfeld in Ausbildung. Kerstin Koch, Kundencenterleiterin Magdeburg/Zerbst der IKK Gesund Plus, und ihre Zerbster Kundenbetreuerin Susanne Hübner zeichneten die Besten - Maik Beutelmann und Florian Lehmann - mit einem Präsent aus. Der frischgebackene Kraftfahrzeugmechaniker Maik Beutelmann, der als einziger mit der Gesamtnote 1 abschloss, dankte im Namen der Gesellen all denen, die sie während der Ausbildungszeit unterstützt und ihnen hilfreich zur Seite gestanden haben.

Michel-Patrick Ebert gehörte zu denen, die sich in doppelter Hinsicht freuen konnten. Hat doch der 21-jährige Kraftfahrzeugmechatroniker nicht nur den Gesellenbrief, sondern auch einen unbefristeten Arbeitsvertrag mit seinem Lehrbetrieb in der Tasche. "Ich weiß schon lange, dass ich übernommen werde", und nahm einen verdienten Schluck Sekt. Vielleicht gehört er bald zu denen, die sich zum Meister qualifizieren, selbst einen Betrieb aufbauen oder übernehmen und damit weitere Arbeitsplätze schaffen.

Der stellvertretende Geschäftsführer der Handwerkskammer Halle (Saale) Dirk Neumann betonte in seinen abschließenden Bemerkungen: "Nicht zuletzt die heute sinkenden Schulabgängerzahlen und die Suche nach Fachkräften ist für die zukünftigen Lehrlinge eine gute Voraussetzung zum Abschluss eines Ausbildungsvertrages. Dazu kommen das schulische Wissen und die Freude am Beruf. Mit der heutigen Zeugnisübergabe bekommen Sie die Bescheinigung, dass Sie das Rüstzeug erhalten haben. Machen Sie was draus, nutzen Sie die erlernten Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten!" Ein besseres Schlusswort kann es kaum geben.

 

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