Zerbst/Dessau. Wasser, und nicht mehr wie in früheren Jahren die Preise und deren Auf und Ab, war das zentrale Thema des diesjährigen Bauerntages, zu dem der Bauernverband Anhalt nach Großkühnau eingeladen hatte. 2010 werde vielen Landwirten lange in Erinnerung bleiben, sagte Olaf Feuerborn, vor knapp einem Jahr neu ins Amt gewählter Vorsitzender des Verbandes.

Ein kalter und nasser Winter bis in den März hinein, ein trockener, warmer April, ein feuchter Mai, Sommerhitze im Juni und Juli, dann viel Regen und schließlich erneut ein früher Winter. Für viele Landwirte heißt dies, so bilanzierte Feuerborn: Land unter. Die Ernte verzögerte sich - "Körnermais beschäftigt uns bis heute" - und wurde zum "Kraftakt": Die letzten Kartoffeln konnten erst Anfang November vom Acker geholt werden, Zuckerrüben wurden gar von dick verschneiten Feldern gerodet.

So zog Feuerborn eine gemischte Bilanz: Die Getreideernte sei nicht ungewöhnlich schlecht ausgefallen - lediglich Landwirte, die Termingeschäfte abgeschlossen hatten, sollten sich verrechnet haben. Die Preise zogen an. Die Milchbauern erlösten wieder kostendeckende Preise. Für die Gemüsebauern sei es ein durchwachsenes Jahr gewesen. Umsatzeinbrüche gab es nach dem Dioxinskandal bei Schweinefleisch und Geflügel. Feuerborn sprach sich für Kontrollen aus, allerdings solche in staatlicher Hoheit und keine privatrechtlich organisierten wie etwa durch die QS Qualität und Sicherheit GmbH.

Auch Heinz Vierenklee mahnte als Geschäftsführer des Bauernverbandes mehr Anstrengungen seitens der Politik und der Behörden beim Thema Wasser an. Zwar habe die Politik das Thema inzwischen für sich entdeckt, doch es bleibe zu hoffen, dass es nicht nur eines im Wahlkampf sei. "Den Kampf um eine schnelle Lösung bei den Gewässern der 1. Ordnung haben wir jedenfalls verloren."

Auf schnelle Lösungen machte Jürgen Stadelmann, Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium, wenig Hoffnung. Man habe zunächst sieben regionale Arbeitskreise gebildet, um Probleme und Ursachen zu erkunden. Mehr Geld wird es vom Land in diesem Jahr nicht geben, statt dessen denkt man darüber nach, die Zahl derer, die für die Gewässerunterhaltung an die Zweckverbände zahlen, zu erhöhen - indem man Gewässer 1. Ordnung (zu denen nicht nur die Elbe zählt, sondern ebenso der Kapengraben) teilweise zu solchen 2. Ordnung erklärt. Ob und welche finanziellen Auswirkungen dies für die Landwirte hat, ließ Stadelmann offen.

Auch die Landwirte mussten sich Kritik gefallen lassen - vorgebracht vom Anhalt-Bitterfelder Landrat Uwe Schulze. Die Bauern hätten nach vielen trockenen Jahren zur Entwässerung dienende Stichgräben einfach zugepflügt. Dem Problem überfluteter Flächen sei nur in einer gemeinsamen Anstrengung aller Beteiligten beizukommen. Zufrieden zeigten sich Vierenklee und Feuerborn, weil die Mitglieder des Verbandes im Vorjahr eine Sonderabgabe von einem Euro je Hektar akzeptiert hatten, um dem Landesverband und der regionalen Organisation aus der finanziellen Schieflage zu helfen.